Ein ganz besonderes Startkapital: Beschäftigungsförderung von langzeitarbeitslosen Menschen

Ein ganz besonderes Startkapital : Beschäftigungsförderung von langzeitarbeitslosen Menschen

Welchen Wert Arbeit hat, wird oft erst deutlich, wenn man keine hat. Entsprechend wichtig ist die Beschäftigungsförderung von langzeitarbeitslosen Menschen. Das weiß auch Alois Poquett, Vorstandsmitglied des diakonischen Netzwerks Wabe Aachen und Vorsitzender des Vereins Pro Arbeit.

Pro Arbeit ist der Dachverband kirchlich angebundener und gemeinnütziger Träger von Arbeitslosenarbeit in der Städteregion Aachen. Neben diversen Beratungsangeboten für Arbeitslose engagiert sich Pro Arbeit intensiv, langzeitarbeitslosen Menschen eine Beschäftigung zu ermöglichen – zum Beispiel im Sozialkaufhaus der Wabe am Freunder Weg.

Dort fand nun die symbolische Scheckübergabe durch die Evangelische Stiftung für Kirche und Diakonie im Kirchenkreis Aachen an Pro Arbeit statt. Letztes Jahr hatte die evangelische Stiftung den gemeinnützigen Verein Pro Arbeit in sein Spendenprogramm „Hoffnungsorte“ aufgenommen und zusätzlich durch die Adventskollekte fördern wollen. Insgesamt 40.000 Euro kamen dabei für Pro Arbeit zusammen. „Das ist eine enorme Summe für uns!“, erklärte Poquett begeistert. Diese Spende solle noch mehr langzeitarbeitslosen Menschen eine Beschäftigung ermöglichen.

Aufgrund des neu verabschiedeten Teilhabechancengesetzes, das der Schaffung besserer Teilhabechancen für Langzeitarbeitslosen auf dem sozialen und allgemeinen Arbeitsmarkt dient, werden auch in der Städteregion insgesamt 400 neue Stellen geplant. Diese sollen bei allgemeinen und kommunalen Arbeitgebern als auch den Mitgliedern von Pro Arbeit durch Langzeitarbeitslose besetzt werden.

Die Spende der evangelischen Stiftung würde dabei als eine Art „Startkapital“ dienen – auch um Arbeitgeber zu motivieren, Langzeitarbeitslose einzustellen. „Vertraut diesen Menschen!“, appelliert Poquett an die Arbeitgeber der Städteregion. Natürlich ließen sich Langzeitarbeitslose nicht einfach nur einstellen, ganz ohne Förderung beziehungsweise Betreuung. „Das muss man sich vielleicht eher wie bei einem Auszubildenden vorstellen“, erläutert Poquett. „Die Beschäftigungsförderung ist aber betriebswirtschaftlich sinnvoll“, unterstreicht Poquett. Stellen würden besetzt und statt Arbeitslosengeld und anderen Sozialleistungen würde Geld in die Förderung und damit längerfristige Beschäftigung des vormals Arbeitslosen fließen, was wiederum Mehrwert für die Wirtschaft habe.

„Langfristige Beschäftigungen sind gerade für Familien enorm wichtig“, unterstrich Renate Weidner vom Evangelischen Kirchenkreis Aachen. Für Kinder sei es wichtig und gut, wenn mindestens ein Elternteil einer geregelten Arbeit nachgehen würde. Das stelle eine Konstante dar und sei auch in der Interaktion mit anderen Kindern von Vorteil. „Arbeit ist in unserer Gesellschaft leider nach wie vor ein wichtiges Identifikationskriterium“, erklärte Weidner. „Vor allem ermöglicht eine Beschäftigung diesen Menschen aber Teilhabe an der Gesellschaft“, betonte Poquett, dem der Appell an potenzielle Arbeitgeber enorm wichtig ist. Das Einstellen ehemals Langzeitarbeitsloser zahle sich aus – vor allem menschlich.

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