Bericht zur Antoniusstraße Aachen: CDU und SPD fordern neues Konzept

Antoniusstraße : Aachens Bordellviertel soll sicherer und sauberer werden

Die jüngsten Entwicklungen rund um den Büchel schlagen nun erkennbar auf die Antoniusstraße durch. Dies macht ein am Montag eingereichter Ratsantrag von CDU und SPD mit dem Titel „Sicherheitskonzept Antoniusstraße“ deutlich.

Der Inhalt des Antrags ist dabei weitreichender, als die Überschrift erahnen lässt. Denn es geht längst nicht nur um das Thema Sicherheit, sondern auch um eine sich abzeichnende Veränderung der städtebaulichen Planungen. Nach dem Ausstieg der bisherigen Projektentwickler Norbert Hermanns und Gerd Sauren aus dem Projekt Altstadtquartier sei es „deshalb notwendig, die aktuelle Situation so zu gestalten, dass Sauberkeit, Sicherheit und Ordnung rund um die Antoniusstraße gesichert sind“, heißt es in der Begründung des Antrags.

Die beiden Fraktionschefs Harald Baal (CDU) und Michael Servos (SPD) lassen dabei durchblicken, dass die zuletzt favorisierte räumliche Verkleinerung des Rotlichtviertels und der Bau eines größeren Bordells im Stile eines sogenannten Laufhauses nicht mehr mit oberster Priorität verfolgt werden.

Von einer Kehrtwende will Baal zwar noch nicht sprechen, weil es noch keinen anderslautenden Ratsbeschluss gibt. „Aber man hat ja gesehen, wie langwierig Entwicklungen in der Antoniusstraße sein können.“ Deutlicher wird Servos, der schon jetzt überzeugt ist, dass sowohl die Halbierung der Rotlichtmeile als auch das Laufhaus vom Tisch sind. „Die Antoniusstraße bleibt, aber sie soll aufgewertet werden.“

Eben dieses Ziel verfolgt nun der schwarz-rote Antrag, der unter anderem eine neue Ordnungspartnerschaft mit Polizei und Ordnungsamt anregt, um die Sicherheit in der Straße zu erhöhen. Zugleich werden zusätzliche Reinigungen durch den Stadtbetrieb gefordert, um die Sauberkeit zu gewähren. Und um die soziale Situation der Prostituierten zu verbessern, ist auch eine Ausweitung des Beratungsangebots durch Gesundheitsamt, Sozialamt und Solwodi-Mitarbeiterinnen im Gespräch. Nicht zuletzt will Schwarz-Rot auch die Bordellbetreiber und umliegenden Händler in die neuen Überlegungen einbeziehen.

Für die Bordellbesitzer und Betreiber der Häuser könnte damit auch eine seit längerem andauernde Phase der Unsicherheit beendet werden. In der Vergangenheit hatten sie sich mehrfach über Hängepartien und nicht mehr erteilte Betriebsgenehmigungen beklagt, was auch zu Leerständen im Rotlichtviertel geführt hatte. Klagen und Entschädigungsforderungen standen im Raum.

Zwischenzeitlich scheint sich die Lage jedoch wieder deutlich entspannt zu haben, so dass Schwarz-Rot nun offenbar auch auf „Selbstverpflichtungen der Bordellbetreiber“ hoffen kann. Hauseigentümer und Betreiber wie die Rotlichtgröße Klaus Gallwe haben ihre Bereitschaft längst signalisiert, auch selbst mehr in die Qualität der Häuser und das Erscheinungsbild der Straße investieren zu wollen – vorausgesetzt, dass es für sie wieder Planungssicherheit gibt. Sie sprechen dann auch schon mal von einem „Pariser Flair“, das sie dort mit Kopfsteinpflaster und Altstadtlampen schaffen wollen. Selbst für Touristen könnte das attraktiv werden, sind sie überzeugt.

So weit denken Baal und Servos noch nicht. Ihnen geht es zunächst darum, die drängendsten Probleme in der von vielen Aachenern ungeliebten Straße in den Griff zu kriegen und gegen das Image der Schmuddelmeile vorzugehen. Auf der Tagesordnung steht nun nicht mehr der Um- und Neubau eines kompletten Altstadtviertels, sondern eine Sanierung in vielen kleineren Schritten.

Oberste Priorität hat dabei das Parkhaus Büchel, dessen Ankauf am Mittwoch in der letzten Ratssitzung vor Ostern im nichtöffentlichen Teil auf der Tagesordnung steht. Erklärtes Ziel der Ratsmehrheit ist es, den seit langem geforderten Abriss möglichst noch in diesem Jahr einzuleiten. Was dort an seiner Stelle gebaut werden soll, ist noch nicht entschieden. Anfang Mai will die Politik darüber im Planungsausschuss beraten.

Mehr von Aachener Nachrichten