Aachen: Benefizkonzert im Krönungssaal: Hochvirtuoser Parforceritt mit Beethoven

Aachen : Benefizkonzert im Krönungssaal: Hochvirtuoser Parforceritt mit Beethoven

Bereits vor zwei Jahren hatte der palästinensisch-israelische Pianist Saleem Ashkar das Publikum im Krönungssaal des Aachener Rathauses bei einem Benefizkonzert mit einem reinen Beethoven-Programm zu Beifallsstürmen hingerissen. Nunmehr konnte ihn der Lions Club Aachen Aquisgranum erneut für ein Benefizkonzert gewinnen, dessen Erlös wiederum dem Caritas Baby Hospital in Bethlehem zugute kam.

Und wieder lag der Schwerpunkt des Programms auf Werken aus dem riesigen Sonaten-Kosmos von Ludwig van Beethoven, diesmal ergänzt um eine Ballade von Frédéric Chopin. Ashkar hatte eine Auswahl getroffen, die Sonaten aus verschiedenen Schaffensperioden Beethovens umfasste. Er begann mit der Sonate Nr. 23 fis-Moll „Appassionata“, einer der spieltechnisch anspruchsvollsten und energiegeladensten Klavierwerke des Komponisten.

Autogrammstunde statt Zugabe: Saleem Ashkar dankte seinem enthusiastischen Publikum sozusagen auch Schwarz auf Weiß. Foto: Andreas Schmitter

Ashkar spielt diese Musik mit ungeheurer Intensität, technisch absolut souverän, kraftvoll, ohne jemals zu forcieren, mit den vom Komponisten geforderten scharfen dynamischen Kontrasten, und findet für den kantablen Mittelsatz die nötige lyrische Ruhe. Zu einem hochvirtuosen Parforceritt gerät das Finale, wobei die Virtuosität nie äußerlich wirkt. Und nie verliert der Pianist die formale Gestaltung dieses Sonaten-Kolosses aus dem Auge. Bei der Sonate Nr. 10 G-Dur geht es schwereloser und heiterer zu. Auch hierfür findet Ashkar den richtigen Tonfall, der immer kraftvoll und klanglich durchstrukturiert bleibt. Die Leichtfüßigkeit des Andante mit seinen für Beethoven geradezu verspielten Variationen erhält bei Ashkar eine gewisse Strenge.

Um Musik aus einer andern Welt handelt es sich bei der letzten Sonate Nr. 32 c-Moll. Ashkar gelingt es auch hier, die heterogenen Bauteile dieser durchgeistigten Musik, die auf jede äußere Virtuosität verzichtet, zu einem organischen Ganzen zusammenzufügen.

Berührend die Gestaltung des finalen Variationssatzes. Diese letzte Aussage Beethovens zur Klaviermusik mit ihrem im pianissimo verlöschenden Ende gerät unter den Händen des Pianisten in ihrer Kombination von totaler Innerlichkeit und Ausdrucksstärke zu einem wunderbaren Abgesang.

In diesem Umfeld wirkte die 4. Ballade f-Moll von Frédéric Chopin etwas fremd, war andererseits in ihrem erzählerischen Duktus eine stilistisch willkommene Abwechslung für das Publikum. Ashkar spielte diese Musik mit leuchtendem Diskant und breitete den Themenreichtum klanglich höchst differenziert aus. Das war Chopin-Spiel großen Stils.

Einblicke in die Arbeit am Caritas Baby Hospital in Bethlehem gab vor der Pause Dr. Werner Deigendesch, ein Mitarbeiter des Instituts. Trotz des enthusiastischen Beifalls am Ende war Ashkar nicht mehr zu einer Zugabe zu bewegen. Das war nach dem langsamen Beethoven-Finalsatz allzu verständlich und sinnvoll. Dafür nahm er sich Zeit, etliche Autogrammwünsche zu erfüllen.