Aachen/Vaals: Beim „Schuifen” in Vaals wurde das Eis gebrochen

Aachen/Vaals: Beim „Schuifen” in Vaals wurde das Eis gebrochen

Auf dem Schulhof stehen in zwei großen Kreisen an die 50 Kinder. Die Hälfte etwa ist aus der Klasse 4b der Gemeinschaftsgrundschule Gut Kullen und kurz vorher vom Philipp-Neri-Weg über die Grenze nach Vaals gegangen.

Der zweite Kreis besteht aus der Gruppe 6 der Openbare Basisschool De Robbedoes, untergebracht im großen Kindergarten-, Schul- und Jugendgebäude unterhalb der Hauptverkehrsader, der Maastrichterlaan.

Die Jungen und Mädchen spielen ein Kontaktspiel. „Schuifen” (Schieben) ruft die Lehrerin und im Uhrzeigersinn wechseln sie den Partner, mit dem sie ein paar Sätze parlieren: wie sie heißen, wie alt sie sind, wo sie wohnen, ob sie Freunde jenseits der Grenze haben. Die Kinder aus Kullen auf Niederländisch, die aus Vaals auf Deutsch. Das hört sich mitunter holprig an, kommt bisweilen aber richtig flüssig über die Lippen. „Wir haben das vorher geübt in der Klasse”, sagt Lehrerin Manon Kohnen, „für niederländische Kinder ist das Sprechen einfacher.”

Der neunjährigen Liz etwa fällt das Deutsch noch etwas schwer, bei Darell, dem mit acht Jahren Jüngsten in der Gruppe 6, klappt das „Ich wohne in Vaals” deutlich besser. Manche Kinder haben quasi einen Heimvorteil: Sie stammen aus einer Mischehe, deutscher Vater, niederländische Mutter. Oder umgekehrt. Sie sind dann meist in beiden Sprachen zu Hause, besuchen öfter Verwandte auf der anderen Seite der Grenze.

„Die Schulen liegen nur ein paar hundert Meter auseinander, aber die Systeme sind ganz anders”, erklärt die 29-jährige Grundschullehrerin ein Ziel der Übung. Das zeigt sich schon in der unterschiedlichen Nummerierung: Die meisten niederländischen Kinder besuchen schon mit vier Jahren die Vorschule, die Schulpflicht setzt mit fünf Jahren ein, die Gruppen reichen von vier bis zwölf. „Der Unterricht ist ganz unterschiedlich und dauert bis halb drei. Wir bieten viel mehr an”, erläutert Manon Kohnen. Die Kinder hören mit Interesse zu, das Eis ist schnell gebrochen. Anschließend geht es in die Klassenräume, wo die Vaalser Kinder ihren Wochenplan vorstellen, danach stehen Spiele und eine gemeinsame Führung auf dem Programm.

Entstanden ist der Austausch vor vier Jahren, die in Vaals wohnende Babette Lemmer richtete damals eine Arbeitsgemeinschaft Niederländisch in Gut Kullen ein. Inzwischen ist das Projekt institutionalisiert, die 54-Jährige bekommt auch eine Vergütung aus einem Zukunftsfonds der Stadt Aachen, die freilich jedes Jahr neu beantragt werden muss. Jetzt wird eine Stunde Niederländisch erteilt, und die Vaalser Kinder kommen regelmäßig zum Gegenbesuch, sollen jeweils Land und Leute gründlich kennenlernen.

„Es war toll”

„Die Kinder sind richtig in Kontakt miteinander gekommen, die fanden das sehr spannend”, zieht Babette Lemmer mittags ein erstes Fazit. Brieffreundschaften wurden vereinbart, E-Mail-Adressen ausgetauscht, ein Wiedersehen vereinbart. Und auch die Rückmeldung aus Vaals am Nachmittag ist höchst positiv: „Es war toll. Wann können wir kommen?” Kleiner Grenzverkehr halt.