Verkehr in Aachen: Beim Mobilitätsforum werden Alternativen zum Auto diskutiert

Verkehr in Aachen : Beim Mobilitätsforum werden Alternativen zum Auto diskutiert

„Wie viel Auto braucht die Stadt?“ Mit dieser Fragestellung luden Stadt und „Initiative Aachen“ zum 4. Mobiliätsforum, moderiert von Bernd Büttgens (Stadt Aachen) und Hans-Joachim Sistenich (Initiative Aachen), ein.

Im Depot an der Talstraße diskutierten Experten aus der Verkehrs- und Stadtplanung mit rund 300 Aachenern. Passend die Einleitung: „Wir müssen reden“, denn geredet, mitunter auch leidenschaftlich gestritten, wird um das Thema Auto in der Stadt in Aachen viel. Dieselskandal, schlechte Luft, zugeparkte Straßenzüge — was also muss getan werden, um einerseits die Mobiliät aller zu garantieren, gleichzeitig aber die Emissionen zu senken und eine höhere Lebensqualität in der Innenstadt zu erreichen?

Einen ersten Impuls gab der Verkehrsexperte und Stadtplaner Oscar Reutter vom Wuppertal Institut der Bergischen Universität. Für ihn war die Eingangsfrage schon falsch formuliert. Lieber würde er fragen, „wie viel Auto verträgt die Stadt?“ oder „Wie wenig Auto braucht die Stadt wirklich?“. Die realen Zahlen sind ernüchternd: Am Fahrverhalten der Deutschen hat sich in den vergangenen 15 Jahren kaum etwas verändert. Drei Viertel aller Strecken wird mit dem Pkw zurückgelegt.

Wie andere Städte versucht auch Aachen, das Verkehrsaufkommen vom Auto auf andere Alternativen, wie dem ÖPNV oder das Rad zu verlagern — mit eher mäßigem Erfolg, wie ein Vergleich aus dem — zugegeben — schon etwas zurückliegendem — Jahr 1999 belegt, allerdings auch dem Gefühl vieler anwesender Zuhörer entspricht. Wie es ginge, wenn man wollte, präsentierte Reutter am Ende.

In Wien wurde die Mariahilfer Straße, eine der bekanntesten Einkaufsstraßen der Stadt, in eine Fußgängerzone umgewandelt — trotz anfänglicher Proteste des Handels. In New York City richtete man probeweise autofreie Zonen am Times Square ein. Doch ganz ohne Restriktionen beim Autoverkehr werde es bei der Umgestaltung nicht gehen.

Das Parken teurer machen — auch das wird in Aachen heftig diskutiert — oder eine drastische Entschleunigung des Verkehrs wären vorstellbare Maßnahmen, jede Kommune müsse aber ihren eigenen Weg finden. Einfach Parkhäuser zu sprengen, davon hält Reutter nichts, vielmehr könnten sie ein Weg sein, die Verblechung der Innenstadt abzubauen, durch Mietmöglichkeiten für Anwohner.

Oberbürgermeister Marcel Philipp wollte das eher mäßige Abschneiden bei der Verlagerung des Verkehrs so nicht stehenlassen. Seiner Meinung nach habe sich in Aachen viel getan. Auch müsse das Thema Auto in der Stadt differenzierter diskutiert, zwischen angemessenem und unangemessenem Verkehr unterschieden werden. Wie viel Push and Pull, also Regulativ und Anreiz zur Verkehrsverlagerung angewendet werde, müsse immer wieder auch mit der Städtegesellschaft neu verhandelt werden.

Dass sich etwas ändern muss, daran ließ auch Roman Sutholt vom ADAC Nordrhein keinen Zweifel, auch der Verkehrsclub, der eigentlich eher ein Mobilitätsclub sei, trete für den Mobilitätsmix ein. Für Christian Steinborn, Strategiemanager der E-Go Mobile AG, fängt die Mobilitätswende bei jedem Einzelnen im Kopf an.

35 Euro fürs Tagesticket

Wenn in Aachen über den Verkehr diskutiert wird, wird gerne nach Maastricht verwiesen. Was die niederländischen Nachbarn anders machen, erklärte der Verkehrsmanager der Stadt Rob Schaap: „Wir nennen das Süßes und Saures, wir bieten Zuckerbrot, machen aber auch Feuer unterm Hintern.“ Ein Tagesticket am zentralen Parkplatz Vrijthof kostet dort 35 Euro, dafür ist das Park-and-Ride Parken umsonst und ein Familien-Bus-Ticket kostet fünf Euro. Für E-Mobil-Fahrer gibt es ein breites Netz an Ladestationen.

Für Axel Springsfeld vom Büro für Stadt- und Verkehrsplanung stellt das parkende Auto ein städteplanerisches Problem dar. Die Fläche, die ein Auto einnehme, verhindere andere Nutzungsmöglichkeiten. Uwe Müller vom Fachbereich Verkehrsmanagement der Stadt rechnete vor, dass werde. Doch in Aachen, das belegen auch die eingereichten Fragen, fehle es an attraktiven Angeboten im Nahverkehr.

Auch Springsfeld sieht hier Luft nach oben: „Im Prinzip muss ich ein Ticket für alles nutzen können, und das darf dann auch nicht an der Stadtgrenze oder an der Landesgrenze aufhören.“ Ein anderer Einwurf: Die Bereitschaft aufs Rad umzusteigen sei da, aber sichere Wege seien nötig und diese müssten schneller umgesetzt werden.

Eine andere Zuhörerin wünschte sich Räume, in denen weder Autos noch Räder zugelassen werden. Hier gab Uwe Müller den ersten Paragraphen der Straßenverkehrsordnung zu bedenken: Oberste Pflicht ist die Rücksichtnahme. Das beträfe jeden.

Probeweise autofrei

Der Platz in Aachens Innenstadt sei nicht vermehrbar. Und inspiriert durch das New Yorker Beispiel am Times Square lautete eine Anregung, probeweise den Innenstadtring autofrei zu halten. „Viel Aufbruchstimmung“ machte Stadtsprecher Bernd Büttgens zum Abschluss aus.

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