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Aachen: Beim größten Western-Reitturnier Europas sind die Reiter nur die Co-Piloten

Aachen : Beim größten Western-Reitturnier Europas sind die Reiter nur die Co-Piloten

Wilder Westen statt CHIO? Richtig, denn in der Soers gastiert derzeit mit der „Q17“ zum vierten Mal das größte Western-Reitturnier Europas. Noch bis kommenden Sonntag finden auf dem ALRV-Gelände Shows und Wettbewerbe statt, die sich allesamt um die Rasse der American Quarter Horses drehen.

Auf den ersten Blick sieht es dann aber gar nicht so sehr nach Wettbewerb aus, was da geschieht. Bei der Disziplin „Western Pleasure“ kommt es etwa darauf an, sich in drei Gangarten durch die Arena zu bewegen — und das nur mit feinsten Hilfen und beinahe losen Zügeln. Doch gerade diese vermeintliche Lockerheit erfordert von Pferd und Reiter höchste Konzentration, schließlich wird jede Gangart durch die Richter bewertet.

„Auch jemand, der überhaupt keine Reiterfahrung hat, kann auf einem Quarter Horse mühelos reiten. Ihr ruhiger und unaufgeregter Charakter färbt sofort auf die Reiter ab“, erklärt Uwe Stedronsky, Vize-Präsident der Deutschen Quarter Horse Association (DQHA). Mit diesen Eigenschaften eigneten sich die Pferde für die tägliche Arbeit der Cowboys mit den Viehherden ganz besonders, betont er.

Auffällig ist dabei der sogenannte Cow Sense, der bei diesen verhältnismäßig kleinen Pferden offenbar stark ausgeprägt ist: „Sie beobachten das Rind ganz genau und wissen schon vorher, was es als nächstes machen wird. Entsprechend schnell reagieren sie darauf“, schildert Stedronsky. Entsprechend sei denn auch die Rollenverteilung: die Pferde sind die Piloten, die Reiter die Co-Piloten. Das wird schon bei der charakteristischen Körperhaltung der Quarter Horses deutlich, die sich mit lässigen Bewegungen und weit nach vorne gebeugtem Kopf durch die Arena — oder eben durch die Prärie — bewegen.

Urgestein der Western-Reitszene

Ein Urgestein der deutschen Western-Reitszene ist Volker Laves, ein Züchter aus Wenden nahe Hannover. Er ist seit 1985 Western-Reiter und hat mittlerweile eine eigene Ranch mit rund 50 Quarter Horses. „Nach meiner klassischen Reitausbildung habe ich nach einer neuen Art der Symbiose zwischen Pferd und Reiter gesucht, die auch mit wenig Einflussnahme funktioniert“, erzählt er. „Als ich die Quarter Horses mit ihrem ruhigen Charakter zum ersten Mal gesehen habe, war ich sofort von ihnen begeistert.“ Mit „missionarischem Eifer“ habe er sich schließlich selbst an die Zucht dieser Rasse gemacht. Mit Erfolg: Die Anzahl der anfangs völlig unbekannten Western-Pferde ist in Deutschland von 1500 im Jahr 1984 auf rund 35.000 angestiegen.

Zu diesem alljährlichen Treffen der Pferdefreunde und der Western-Kultur ist er mit gleich vier tierischen Schützlingen angereist. Insgesamt sind diesmal über 600 Reiter mit mehr als 500 Pferden aus knapp einem Dutzend Nationen bei den Wettbewerben dabei, die noch bis zum kommenden Sonntag, 8. Oktober, andauern.