Aachen: Beim CSD zeigt sich die Regenbogen-Community schrill und selbstbewusst

Aachen : Beim CSD zeigt sich die Regenbogen-Community schrill und selbstbewusst

„Sie bringen Farbe in unsere Stadt“, sagte Bezirksbürgermeisterin Marianne Conradt, als sie die Regenbogen-Community vor dem Rathaus willkommen hieß und sich ausdrücklich zur sexuellen Vielfalt bekannte. „Wir sind bunt, wir sind laut, wir sind sichtbar“, skandierten die Besucher und schwenkten ihre Fahnen. Ob lesbisch, schwul, bisexuell, transgender oder intersexuell: Beim Christopher Street Day (CSD) setzten sich alle gleichermaßen für Toleranz und Vielfalt ein.

Und nicht nur die bunten Regenbogenfahnen sorgten dafür, dass auch die Demo Richtung Jakobsplatz nicht unbeachtet blieb. Viele Passanten blieben stehen, als die bunten Gestalten an ihnen vorüberzogen. Das Travestie-Duo Mira Coli und Sandy zog dabei mit seinen schrillen Outfits jede Menge Blicke auf sich. „Es ist toll, dass so viele gekommen sind“, sagte Mira und ließ ihren Blick über die Demonstranten schweifen. Dass der CSD nun auch in Aachen wieder begangen wird, freut das Duo sehr.

Noch sind viele Köpfe eng

„Wir wünschen uns, dass sich etwas in den Köpfen tut“, sagte Lars Lübben, Vorstand Rainbow Aachen, zur Begrüßung auf dem Markt. Er spürt zunehmend „Gegenwind in der Gesellschaft“. Marianne Conradt ihrerseits ist nach eigenen Worten stolz darauf, „in einer so bunten Stadt wie Aachen leben zu können“.

Bunt und sehr schön findet auch Mira Coli diesen Tag. Gemeinsam mit Sandy freut sie sich auf den Auftritt am Abend und ist froh, dabei sein zu können. Am Jakobsplatz wurde später mit viel Musik und Shows gefeiert. Und das ist offensichtlich alles andere als selbstverständlich. „Wir hatten über viele Jahre keinen CSD hier“, sagt Mira Coli. Erst im letzten Jahr wurde er nach langer Pause wieder einmal in Aachen gefeiert, damals allerdings ohne Demonstration.

Diesmal zogen die Regenbogen-Anhänger mit ihren Fahnen durch die Straßen, mussten dabei allerdings quasi in letzter Minute eine Änderung der Route akzeptieren.

Ein Rohrbruch in Höhe der Bastei hatte laut Robert Hintereker, Einsatzleiter der Polizei, zu massiven Verkehrsproblemen auch auf dem Grabenring geführt. Deshalb sollten die Demonstranten den Grabenring meiden und stattdessen über die Jakobstraße zum Jakobsplatz ziehen. „Sie haben toll reagiert und die Änderung ohne Weiteres akzeptiert“, lobt Hintereker.

Sichtbar waren die überwiegend jungen Leute in jedem Fall: Viele hatten sich in bunte Regenbogenfahnen gehüllt, und in der Hand schwenkten sie kleine Fahnen. „Lasst uns gemeinsam die Gesellschaft gestalten, in der wir uns entfalten können“, heißt es in einem Text zum CSD.

Farbe zu bekennen und sichtbar zu sein, sei ein wichtiger Schritt in diese Richtung, meint auch Mira Coli. Dass sie die Gelegenheit bekam, mit Sandy als „Dream Girls“ aufzutreten, findet sie sehr schön. Ansonsten gebe es in Aachen eher selten die Gelegenheit dazu. „In Köln sieht das schon ganz anders aus“, sagt sie.