Aachen: Bei Mobbing und Streit sind auch die Sozialarbeiter gefragt

Aachen : Bei Mobbing und Streit sind auch die Sozialarbeiter gefragt

Streit, Konflikte und Mobbing: Das macht Kindern und Jugendlichen in der Schule das Leben schwer. Diese Themen nannten sie auch in einer groß angelegten Umfrage, die der städtische Fachbereich Kinder, Jugend und Schule im vergangenen Jahr zum Thema Schulsozialarbeit startete.

Die Ergebnisse liegen jetzt in Form eines 24-seitigen Hefts auf dem Tisch. Und sie sind durchaus bemerkenswert, wie Fachbereichsleiter Heinrich Brötz und die zuständige Teamleiterin Ruth Comos sagten, als sie die Daten am Mittwoch vorstellten.

So erklärten etwa 2000 der Schülerinnen und Schüler (76 Prozent)aus der Sekundarstufe I, dass es an ihrer Schule schon einmal einen Fall von (Cyber-)Mobbing gegeben habe. 1450 junge Leute (50 Prozent) wussten von einem Fall in ihrer eigenen Klasse. 271 Schülerinnen und Schüler (neun Prozent) gaben an, in der Schule selbst schon einmal Opfer von Mobbing geworden zu sein. Und 277 junge Leute bekannten sogar freimütig, selbst schon am Mobbing von Mitschülern beteiligt gewesen zu sein.

Aktuell sind an den Aachener Schulen 35 Sozialpädagoginnen und -pädagogen auf 27,5 kommunalen Stellen im Einsatz. Dazu kommen noch zehn Landesstellen. Die Fachleute arbeiten an 21 Grundschulen, drei Förderschulen, einer Hauptschule, drei Realschulen, vier Gesamtschulen und einem Gymnasium. An zwei städtischen Gymnasien gibt es mittlerweile regelmäßige wöchentliche Beratungstage im Rahmen der Schulsozialarbeit. Dieses Modell wird demnächst auf ein weiteres städtisches Gymnasium ausgedehnt.

Andere Kommunen fragen an

Im dritten Kinder- und Jugendförderplan hatte die Stadt erstmals Ziele für die Schulsozialarbeit festgelegt. Mit der Befragung sollte nun der Erfolg ermittelt werden. „Eine solche Evaluation hat es in dieser Systematik und mit so hoher Beteiligung in einer Kommune noch nicht gegeben“, stellte Brötz fest. „Wir bekommen schon Anfragen aus anderen Kommunen.“

Fragebögen gingen an 35 Schulen aller Schulformen im Primarbereich und in der Sekundarstufe I, an denen städtische Schulsozialarbeiter tätig sind. 32 Schulen beteiligten sich an der Befragung, darunter alle 23 Schulen im Primarbereich. 5537 verwertbare Schüler-Fragebögen, davon 2429 aus Grundschulen, und 566 Lehr- und Fachkräfte-Fragebögen wurden ausgewertet.

Ein Ergebnis der Umfrage: 98 Prozent der Grundschüler und 95 Prozent der Schüler an den weiterführenden Schulen kennen ihren Schulsozialarbeiter. 95 Prozent der Kinder und Jugendlichen bewerteten ihren Kontakt zur Schulsozialarbeit positiv, nur fünf Prozent äußerten sich unzufrieden.

Nur weniger als ein Drittel der Kinder der Befragten sah für sich persönlich keinen Grund, sich an den Schulsozialarbeiter zu wenden, alle anderen geben mindestens einen Grund an. „An allen Schulen gibt es also Bedarf für Schulsozialarbeit“, schlussfolgert Ruth Comos. Insgesamt zeige die Umfrage auch, dass die Schulsozialarbeit dazu beitrage, an den Schulen ein besseres Klima zu schaffen und für weniger Streit zu sorgen.

Unbefristete Stellen

„Im Vergleich zu anderen Kommunen sind wir bei der Schulsozialarbeit gut aufgestellt“, bilanziert Heinrich Brötz. Alle Schulsozialarbeiter haben unbefristete Stellen. 14 der städtischen Schulsozialarbeiterstellen werden derzeit über Landesmittel finanziert. „Diese Gelder sind bis 2018 sicher, und es gibt Verpflichtungsermächtigungen bis 2021“, sagt Brötz.

Aber auch in Aachen haben zum Beispiel 14 Grundschulen immer noch keinen Schulsozialarbeiter. „Da sind wir froh, dass die Politik im Rahmen der Haushaltsberatungen für 2018 zwei weitere Vollzeitstellen in Aussicht gestellt hat“, sagt Brötz. Er ist überzeugt: „Die Zukunft der Schule ist multiprofessionell.“

Die komplette Evaluation gibt es im Internet auf www.aachen.de/schule (rechte Spalte, Link zur „Schulsozialarbeit“).