Aachen: Bei Heusch haben nicht alle eine Zukunft

Aachen : Bei Heusch haben nicht alle eine Zukunft

Eine „wunderbare Zukunft” für das Traditionsunternehmen Heusch sieht Geschäftsführer Alexander Reichel. Für die Mitarbeiter hat die Sachen allerdings einen Haken: Nicht alle haben haben noch eine Zukunft bei dem Aachener Industriemesser-Hersteller.

Derzeit beschäftigt Heusch noch etwa 100 Mitarbeiter an zwei Standorten in Aachen. Am Krugenofen und im Gewerbegebiet Eilendorf-Süd werden spezielle Präzisionsmesser für die Bearbeitung von Textil und Leder gefertigt. Geliefert werden sie in die ganze Welt, und weil die ganze Welt unter der Wirtschaftskrise leidet, geht es auch Heusch nicht gut.

Die Auftragslage sei schlechter geworden, berichtet der Geschäftsführer. „Wir können im Moment kaum sagen, wo wir stehen”, so Reichel, „es gibt Hoffnungsschimmer und es gibt Stellen, wo es düster aussieht.” So hätten etwa bei der Lederbearbeitung manche Unternehmen noch gut zu tun, andere hingegen nicht.

Und wer seine Produktion zurückfahren muss, ordert eben auch keine neuen Scherzylinder in Aachen. Seit September wird bei Heusch kurzgearbeitet. Ein Mittel zum Erhalt sämtlicher Arbeitsplätze sieht der Geschäftsführer darin aber nicht. „Kurzarbeit macht Sinn, wenn es um den Ausgleich kurzfristiger Schwankungen geht.” Bei dem knapp 160-jährigen Traditionsunternehmen gehe es jedoch um eine Neuausrichtung.

Reichels Ziel: „Heusch so ausrichten, dass wir mit jedem Volumen umgehen können.” Die Firma verfüge über die Technologie, habe gute Produkte, so der Geschäftsführer, „aber wir leisten uns noch zwei Standorte, das macht keinen Sinn”. Noch in diesem Jahr soll deshalb das ganze Unternehmen im Eilendorfer Gewerbegebiet zusammengefasst werden.

„Das ist ja auch Aachen”, betont Reichels Geschäftsführungskollege Joachim Willms. Damit bleibt das Gütesiegel „made in Aachen” erhalten, das bei der Kundschaft etwas gilt. „Wir kommen nicht über den Preis in den Markt”, sagt Alexander Reichel, „sondern über die Qualität.” Und die werde bei Heusch gewährleistet durch „die Leute, die ihren Job beherrschen”.

Kündigungen

Dennoch müssen einige Leute gehen. „Wir werden nicht mit der Belegschaft in dieser Zahl weiterarbeiten”, sagt Alexander Reichel. Eine andere Zahl nennt er nicht. Bei einer Betriebsversammlung waren vor Wochen die Mitarbeiter über die Entwicklung informiert worden.

„Wir werden um jeden Arbeitsplatz kämpfen”, kündigt Betriebsratschef Wolfgang Vorhagen-Tscherpel an. Um wieviele es letztlich geht, ist noch offen. Geschäftsführer Reichel bestätigt nur, dass es Kündigungen geben wird. Konkrete Maßnahmen seien erst Ende Mai spruchreif.

Bis dahin soll ermittelt werden, welche Arbeiten effizienter erledigt werden können, was nach der Zusammenführung an einem Standort entfallen kann. „Wir diskutieren Zukunftslösungen”, betont Reichel, „keine Einsparlösungen.” Diskutiert wird auch im Betriebsrat darüber, welche Einsparungen die Zukunft bringt.

Der Geschäftsführer will derweil seine „Vision eines funktionierenden Unternehmens” mit den Mitarbeitern „festzimmern”. Aber eben nicht mit allen.