Aachen: Bei der Ordensverleihung sorgen vor allem die Öcher für Stimmung

Aachen : Bei der Ordensverleihung sorgen vor allem die Öcher für Stimmung

Schnell huschen noch die letzten Bühnenhelfer durch den Saal im Eurogress, kleben mit farbigem Tape die Markierungen für Tänzer und Redner nach, die kurz zuvor von etwas zu fleißigen Reinigungskräften weggeschrubbt worden waren.

Und dann beginnt er, der Abend der großen Gala des Aachener Karnevalsvereins (AKV), der Verleihung des Ordens „Wider den tierischen Ernst.“ Es ist ein Abend, der auf viele altbewährte Nummern setzt, aber auch irgendwie ein Abend mit kleinen Premieren und einem großen Abschied.

Sorge um sein gutes Aussehen macht sich Hastenrath’s Will. Stimmung in die Bude bringen Prinz Mike I. und Märchenprinz Julius I. Dirk von Pezold (Bild unten) hatte am Samstag seinen letzten AKV-Auftritt. Foto: Harald Krömer

„Wir sind hier eine Karnevalsveranstaltung, auch wenn das der ein oder andere nicht glauben möchte“, hatte Moderator David Lulley gleich zu Beginn betont, vielleicht auch mit dem Blick auf das neue Bühnenbild, das nicht unbedingt sofort an klassischen Karneval erinnert. Ob nun lustig oder nicht: Stimmung kam allemal auf an diesem Abend, besonders dann, wenn Öcher Kräfte auf der Bühne standen.

FOTO: HARALD KRÖMER DATE: 28.01.2018 "Wider den tierischen Ernst". Foto: Harald Krömer

Dass Aachen Karneval kann, haben am Samstagabend beispielsweise die Community Kids bewiesen, die dann auch mit dem Zentis Kinderpreis ausgezeichnet worden sind. Mit ihrer launingen, perfekt sitzenden Interpretation bekannter Disney-Songs haben sich die Mädels gleich als Alternative empfohlen, falls das AKV-Ballett einmal verhindert sein sollte. Apropos Ballett: Besonders gelungen war der gemeinsame Auftritt der Damen mit Schlager-Sängerin Sarah Schiffer aus Herzogenrath.

Gutes Timing, gute Kostüme, gute Tänzerinnen: Die Community Kids haben den Zentis Kinderpreis bekommen. Fotos (7): Harald Krömer. Foto: Harald Krömer

Nehmt reichlich Preise mit!

Nicht nur Glückwünsche, sondern Dankbarkeit brachten Michael Dannhauer und Thorsten Neumann, das „Colynshof Duett“, dem neuen Ordensritter Winfried Kretschmann entgegen. Die Stadt sei „nicht ganz dicht“, was die Menge von verliehenen Preisen anginge. Darum zeigten sich die beiden sehr verbunden für Kretschmanns Bereitschaft, eine der vielen Auszeichnungen mit ins Ländle zu nehmen.

Hastenrathe_SSRqs Will hat an diesem Abend nicht nur Winfried Kretschmann besonders gut gefallen. Der „scharismatische Landwirt und scharfe Beobachter“ warnt davor, dass Politiker immer mehr auf ihr Aussehen reduziert werden und nicht auf ihren Sachverstand. Mit diesem Problem habe er selbst auch zu kämpfen. Mahnende Worte findet der Mann mit Kuh für den AKV: im vergangenen Jahr habe man einen Linken in den Ritterstand erhoben, nun einen Grünen. „Irgendwann gehen mir die Komplimente aus.“

Emotional ging es zu beim — zumindest auf der AKV-Bühne — letzten Auftritt von Dirk von Pezold als Lennet Kann. Bevor der 74-Jährige gemeinsam mit dem Capella a Capella-Chor zu singen beginnt, wird ein kurzer Film gezeigt, der die Höhepunkte von Pezolds Auftritten in 33 Jahren zusammenfasst. Gänsehautmoment.

Wie auf Knopfdruck reißen die vier Amigos die Zuschauer von ihren Stühlen. Fernsehen und große Politik hin oder her: Wenn „Alaaf de Öcher Schäng“ gesungen wird, gehört der Eurogress den Aachenern. Das gilt auch, wenn Prinz Mike I, Märchenprinz Julius I, die große und die kleine Prinzengarde und die Musikkapelle der Prinzengarde auf der Bühne sind.

Eine Zusammenfassung gibt es am Montag, 20.15 Uhr, in der ARD.