Aachen: Bei der Arbeit lernen Flüchtlinge ganz nebenbei die deutsche Sprache

Aachen : Bei der Arbeit lernen Flüchtlinge ganz nebenbei die deutsche Sprache

„Das größte Hemmnis für Flüchtlinge, in den Arbeitsmarkt zu kommen, ist die Sprache“, meint Nadia Lalee, Projektleiterin beim Sozialverein WABe. Und deshalb bekommen Flüchtlinge jetzt in einem gemeinsamen Projekt des Jobcenters der Städteregion Aachen und der WABe die Möglichkeit, die Sprache während der Arbeit zu lernen.

Seit April werden sie in unterschiedliche Einrichtungen der WABe vermittelt und arbeiten dort Hand in Hand mit langzeitarbeitslosen Deutschen. „Und dabei werden auch Vorurteile abgebaut“, meinte Alois Poquett, Geschäftsführer der WABe, während eines Begrüßungsfests für die rund 80 Flüchtlinge, die in diesem Projekt untergekommen sind. Die Stimmung war richtig gut und bewies, wie wohl sich die Flüchtlinge bei der WABe fühlen.

„Wir wollen aber auch an die Menschen denken, die noch in Syrien leben und die von einem Krieg betroffen sind, den die Großmächte forcieren“, sagte Poquett in seiner Ansprache und bekam dafür viel Applaus. Und er wünschte sich, dass ihr Leid bald vorbei sein möge.

Das Begrüßungsfest bot laut Poquett vor allem aber Gelegenheit, einen Moment innezuhalten, das Geleistete zu reflektieren und in die Zukunft zu schauen. Denn das Projekt geht bereits im November zu Ende. Seiner Meinung nach war es sehr erfolgreich. Immerhin drei Flüchtlinge konnten in den ersten Arbeitsmarkt integriert werden. Den anderen bot die Arbeit in den Einrichtungen der WABe eine feste Tagesstruktur und eine Aufgabe. „Und das ist allemal besser, als nichts zu tun“, meint Poquett.

Er wünscht sich für die Flüchtlinge die Chance, in Ausbildung zu gehen, auch wenn sie noch kein Deutsch könnten. Dann allerdings müsse ein Integrationsbegleiter dabei sein, um die Arbeitsanweisungen zu übersetzen. „So könnten die Flüchtlinge dann schon während der Arbeit Deutsch lernen“, meint Poquett.

Was die Integration betrifft, so meint er: „Wenn wir das wollen, dann schaffen wir das.“ Und mit Blick auf Vorurteile: „Wir atmen alle die gleiche Luft.“ Doch für die Flüchtlinge in Aachen ist es oft ein steiniger Weg. Die Wohnungssuche ist dabei offensichtlich ein ganz großes Problem. „Ich finde keine Wohnung“, sagt beispielsweise Projektmitarbeiterin Chra Zubeyr. Die Vorbehalte gegen alles, was fremd ist, sind demnach sehr groß.

Ein weiteres Problem ist nach Meinung von Farouk Faris, ebenfalls Projektmitarbeiter, die Anerkennung der Abschlüsse. Nadia Lalee ist überzeugt, dass 90 Prozent der Flüchtlinge, die zur WABe kommen, eine Chance auf einen Arbeitsplatz hätten, wenn da eben nicht die Probleme der Sprache und der Anerkennung der Ausbildung wären.

Die Flüchtlinge gemeinsam mit Langzeitarbeitslosen arbeiten und lernen zu lassen, hält Poquett nach wie vor für eine gute Idee. Das Projekt sei gelungen, sagt er und hofft, dass es irgendwie weitergeht.

Unter den 80 Flüchtlingen, die beschäftigt wurden, sind 69 Männer und elf Frauen. Sie arbeiteten beispielsweise im Sozialkaufhaus Aachen, im Sozialkaufhaus Stolberg, auf Gut Hebscheid oder in der Fahrrad-Station am Bahnhof. Andere wurden an die RWTH vermittelt oder machten Sprachkurse dort. Eine ganze Reihe von Mitarbeitern, die zum Teil auch arabisch sprechen, begleitete die Flüchtlinge auf ihrem Weg.

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