Aachen: Bei den E-Bussen will die Aseag nichts überstürzen

Aachen : Bei den E-Bussen will die Aseag nichts überstürzen

Wie schnell soll die Busflotte der Aseag elektrifiziert werden? Und wie schnell kann sie elektrifiziert werden? Zu beiden Fragen ergeben sich Antworten nicht automatisch und zwangsläufig, selbst wenn man die Kosten einmal ausklammert.

Fangen wir mit dem „wie schnell soll“ an und werfen einen kurzen Blick nach Wiesbaden: Die Stadt hat sich auf die Fahnen geschrieben, erste deutsche Großstadt zu werden, in der nur noch Elektrobusse fahren. Bis 2022 sollen 220 E-Busse angeschafft und damit die gesamte Flotte elektrifiziert werden. Ein Risiko, findet Michael Carmincke, Vorstand der Aseag: „Wir haben es hier nicht mit jahrelang erprobten Großserienfahrzeugen zu tun, deshalb müssen wir Kinderkrankheiten in Kauf nehmen und Reserven kalkulieren.“ Das hessische Beispiel halte er nicht wirklich für eine gangbare Alternative in Aachen.

Als Carmincke diese Worte im Mobilitätsausschuss am Donnerstagabend spricht, kommt bei Wilfried Fischer (Grüne) der Verdacht auf, der Fuß rutsche beim Wechsel von Diesel- auf E-Busse langsam vom Gas auf die Bremse. Auf eine entsprechende Wortmeldung entgegnet Carmincke, es gehe nicht darum, auf die Bremse zu treten, sondern sich die Zeit zu nehmen, die Technik kennen- und einschätzen zu lernen. Alles andere wäre überhastetes Handeln.

Die Aseag habe eine Aufgabe und müsse darauf achten, diese auch erfüllen zu können. Je mehr Elektrobusse in kurzer Zeit angeschafft würden, desto größer müsse eine Reserve sein, die vorgehalten werden muss, weil die Verfügbarkeit von E-Bussen nicht die gleiche sei wie die von Diesel-Bussen.

Beim „wie schnell kann“ spielen unvorhersehbare Einflüsse und unglückliche Zufälle eine Rolle. Die Rede ist von den E-Bussen des Herstellers Sileo, die in Aachen vor allem zum Einsatz kommen sollen. Einer fährt bereits, vier weitere sollten eigentlich im Sommer kommen. Carmincke: „Sileo hat uns dann aber angeboten, bis Herbst zu warten und gleich die neuere Generation zu liefern.“ Die Aseag hat zugestimmt. Die neue Generationen hat ein leicht verändertes Aussehen, vor allem aber soll die Batterie leistungsfähiger sein — um rund 20 Prozent — und eine neue Heizung elektrisch betrieben werden statt wie bis dahin mit Diesel.

Brand im Sileo-Werk in Salzgitter

Dann kamen die Flammen. Bei einem Brand im Sileo-Werk in Salzgitter waren auch Komponenten für die Aachener Busse verbrannt. Das Unternehmen bekam Schwierigkeiten, den Liefertermin im Herbst zu halten. Sileo habe aber versucht, erzählt Carmincke den Ausschussmitgliedern, es doch zu schaffen und Busse zu liefern, die eigentlich für andere Märkte gedacht waren.

Carmincke: „Dort gelten aber nicht die gleichen Anforderungen wie in Deutschland“, zum Beispiel was die automatische Sicherung einer dritten Tür betrifft oder Platzverhältnisse für den Fahrer. Die Aseag hat die Fahrzeuge deshalb abgelehnt. Nun sollen fünf E-Busse im April 2018 kommen, die restlichen acht im Juni. „Die Busse müssen dann aber auch abgenommen werden“, sagt Ye-One Rhie (SPD), denn nach 2018 könne die Stadt Mittel aus dem Kommunalinvestitionsfördergesetz — für die Anschaffung der E-Busse sind aus diesem Topf zwischen sechs und sieben Millionen Euro eingeplant — nicht mehr abrufen.

Mit den 14 Elektrobussen, die der Aseag ab Juni dann zur Verfügung stünden, sollen die Linien 33 und 73 dann komplett auf E-Betrieb umgestellt werden. So lautet auch der politische Auftrag.

Eine Elektrifizierung der kompletten Flotte ist auf absehbare Zeit nicht geplant. Das bedeutet aber nicht, dass dieses Thema abgehakt ist. Paul Heesel, Pressesprecher der Aseag: „Angedacht ist, weiter auf E-Busse zu setzen. Bestellt sind aber bisher keine weiteren Fahrzeuge.“

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