Aachen: Begrüßung für Erstsemester: „Wir sind hier keine Knochenbrecher“

Aachen : Begrüßung für Erstsemester: „Wir sind hier keine Knochenbrecher“

Die Kulisse ist in diesem Jahr beeindruckend. Das gute, alte Audimax an der Wüllnerstraße wird nicht mehr wie bislang in jedem Oktober mit Tausenden von „Erstis“ der RWTH Aachen gequält. Frische Hightech-Hörsäle im „Carl“, dem neuen Hörsaalzentrum an der Claßenstraße, schultern diese Aufgabe absolut angemessen.

Das war es auch, was RWTH-Rektor Ernst Schmachtenberg zu mehr als der gewohnt guten Laune verhalf. Selbst beim dritten Durchgang gegen Mittag am Montag war der gelernte Professor der Kunststofftechnik in Topform, als er die Neuen in zwei gleichgroßen Parallelsälen begrüßte, in denen alles vom anderen Saal mittels Videoübertragung live zu sehen war.

Mehr als 7300 Studierende beginnen in dieser Woche ihre Zeit an der RWTH-Aachen, hier das Hörsaalzentrum „Carl“.

Die frisch immatrikulierten „Maschbauer“ wie ebenfalls die künftigen Wirtschaftsingenieure oder auch die Zahnmediziner bekamen den beinahe liebevollen Humor des Mannes zu spüren, der diesen „Job“ seit nun zehn Jahren macht. Am Montag nun bereitete Schmachtenberg zum letzten Male als gut aufgelegter „Türöffner“ auf der Wissenschaftsbühne die Errungenschaften der technischen Hochschule für den neuen Studierenden-Jahrgang auf. Der Professor geht im kommenden Jahr in den Ruhestand.

Über das Selbstvertrauen

Ohne trockene Zahlen ging es natürlich nicht. 540 Professoren mit insgesamt 9264 Mitarbeiter in Forschung, Lehre und Verwaltung stehen für rund 44.500 Studierende zur Verfügung. Das Studienjahr 2017/2018 verzeichnet 8126 Neueinschreibungen (manche Studenten belegen mehrere Fächer) bei 7184 Studierenden, die die RWTH verlassen. „Sie bemerken, da ist eine kleine Diskrepanz zwischen den Zahlen“, schmunzelte Schmachtenberg und ging zum Thema Studien- und Lernanforderungen über, schließlich ist die RWTH exzellent, und wird dies vermutlich auch bleiben.

Man solle Vertrauen in die eigenen Kräfte und Fähigkeiten entwickeln, empfahl Schmachtenberg den künftigen Akademikern eine positive Grundhaltung, auch gegenüber der scheinbar übermächtigen Alma Mater. „Unsere Prüfungen haben nichts mit Sadismus zu tun“, provozierte der Rektor unmittelbar Lacher im Auditorium, „wir sind hier keine Knochenbrecher“, versicherte er.

Im Gegenteil: Es gehe der Hochschule darum, die jungen Menschen, „die bereits eine ausgewählte Gruppe sind“, zur Stoffbewältigung anzuleiten und sie letztlich instand zu setzen, sich den — durchweg hohen — Leistungsanforderungen möglichst ohne Bauchschmerzen stellen zu können.

„Als ich anfing, da wusste ich ebenfalls nicht genau, wo die Reise hingeht“, blickte er zurück, „mir hat niemand gesagt, du wirst einmal Rektor der RWTH“, versicherte er seinen Zuhörern glaubhaft. Der Wissenschaftsbetrieb stelle die große Aufgabe an die Studierenden, sich selbst im Studium organisieren zu müssen.

„Wir können nicht zu jedem Einzelnen kommen“, beschrieb er den Weg, „das würde nicht funktionieren. Aber kommen Sie bitte zu uns, wenn Sie Hilfe brauchen, dafür haben wir Leute“, versprach er. Freude machte ihm der Vergleich der Unis Aachen und Münster. „Wir hier haben vorrangig die sogenannten MINT-Fächer und damit ein Verhältnis von Männern zu Frauen von 63 zu 37 Prozent“, rechnete er vor.

Mehr Frauen zur Technik

Das spiele im Lehrbetrieb nicht so eine große Rolle, doch im Privaten sei Aachen schon ein steiniges Pflaster für die männlichen Studierenden. „Das ist, wie ich von meiner Tochter weiß, in Münster genau andersherum, als sollte man hier vielleicht einen gewissen Austausch betreiben“, regte Schmachtenberg mit einem Lächeln an. Im Übrigen empfehle er die MINT-Fächer (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik) durchaus für die weiblichen Studierenden, „da gibt es beeindruckende Karrieren“, nahm er das Thema Zukunftsperspektive auf. Und die ist bei einem Abschluss in Aachen absolut glänzend.

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