Aachen: Begehbare Raum-Installation zu Elfriede Jelineks „Winterreise“

Aachen : Begehbare Raum-Installation zu Elfriede Jelineks „Winterreise“

Was haben eine Karnevalskrone, ein Wetterhahn und Wanderschuhe miteinander zu tun? Warum strahlt rotes Licht auf schwebende Objekte, wieso sind drei Hüte übereinander gestapelt, und was haben sie mit dem schwarzen Kreuz an der Wand zu tun?

Antworten auf diese Fragen hat die Künstlerin und Bühnenbildnerin Simone Grieshaber, die sich an eine Raum-Installation zu Elfriede Jelineks Theaterstück „Winterreise“ gewagt hat, zunächst im Rahmen ihrer Examensarbeit an der Düsseldorfer Kunstakademie, wo Nadya Bascha aus dem Atelierhaus die Arbeit gesehen und für Aachen entdeckt hat.

Zweifelsfrei ist es nicht ganz einfach, sich mit Elfriede Jelinek auseinander zu setzen, doch genau darin liegt eine der Aufgaben der schwebenden Raum-Installation der jungen Bühnenbildnerin. Mehr als 160 Objekte kommen in der Jelinekschen „Winterreise“ vor, die allerdings nicht definitiv verortet werden.

So kann Simone Grieshaber sie frei schweben und für sich selbst sprechen lassen im Sinne von Elfriede Jelinek, aber auch im Sinne des Betrachters, der mit seinen eigenen Lebenserfahrungen und eigenen Assoziationen und Bezügen die Dinge in einem anderen Kontext sehen kann.

Weitere Bezüge bietet auch die Schubertsche „Winterreise“ aus dem Jahre 1827 an - romantische Gedichtvertonungen von Wilhelm Müller, die zwischen politischer Auflehnung und seelischem Schmerz vielfältig interpretiert und empfunden werden.

Während der Betrachter durch die Installation geht und schaut, hört er Lieder der „Winterreise“, allerdings nicht im typischen Stil des deutschen Kunstlieds, sondern deutlich modernisiert und wird somit noch einmal mit Informationen über die meist schwebenden Objekte versorgt.

Die Ausstellung ist eine echte Besonderheit für Aachen und schickt den Besucher auf eine ebenso besondere Gratwanderung der Erkenntnis. Von der Musik und dem Theaterstück vorgegebene Verknüpfungen mit den Objekten begegnen sich mit den persönlichen Assoziationen und entfalten einen neuen, veränderlichen Kosmos von Eindrücken, Erfahrungen und Erkenntnissen in einem stillen Raum.

Vernissage am Sonntag

Die Vernissage findet am Sonntag, 25. Januar, um 12 Uhr statt im Atelierhaus Aachen e.V., Süsterfeldstr. 99. Bis zum 22. Februar kann die Ausstellung jeweils dienstags bis freitags von 10 bis 14 Uhr besichtigt werden, samstags und sonntags von 12 bis 15 Uhr und nach Vereinbarung unter Telefon 0241/87 4527.

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