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Aachen: Befehl des Narrenherrschers Prinz Mike I.: „Barrieren abbauen!“

Aachen : Befehl des Narrenherrschers Prinz Mike I.: „Barrieren abbauen!“

Für jene Öcher Jecken, die nach Weihnachtsbraten und Silvesterknallerei nun ganz ruhig in den Karneval starten möchten, könnte Mike I. (Foellmer) der falsche Karnevalsprinz sein. Denn sich im Saal entspannt zurückzulehnen und die auf der Bühne mal machen zu lassen, das kommt beim designierten Aachener Stadtprinzen nicht infrage.

„Ganz wichtig ist mir und meinem Hofstaat, volksnah zu sein“, kündigt der 47-Jährige an. Und so lauten seine Befehle an seine zwölfköpfige Truppe: „Ausschwärmen, Barrieren abbauen, die Leute ansprechen, sich Zeit nehmen!“

Michael Foellmer, der als Mike I. am Samstag, am 6. Januar, im Eurogress zur 91. Öcher Tollität proklamiert wird, hat sich also einiges vorgenommen für seine Session, die eine kurze werden wird. Denn seine Regentschaft wird nur 39 Tage dauern. Dem designierten Prinzen ist das aber genau recht so. „Ich habe es lieber kurz und knackig“, sagt er, „so kommt keine Langeweile auf.“

Außerdem hätte er für eine längere Session auch nicht zur Verfügung gestanden — das hat er auch bei seiner Prinzenbewerbung dem Aachener Karnevalsverein (AKV) gegenüber klar kommuniziert. Beruf, Familie und Weimaraner-Hündin Dina sollen schließlich unter seinem jecken Traum nicht leiden.

Natürlich ein Kindheitstraum

Denn natürlich gehe mit seiner Regentschaft ein Kindheitstraum für ihn in Erfüllung. In dieser Aussage unterscheidet sich Mike Foellmer kaum von seinen Vorgängern. Aber der gebürtige Burtscheider lebt Karnevalsleidenschaft authentisch vor. Nach dem Straßenkarneval aus Kindertagen hat er im Jahr 2000 erstmals als Robin Hood im Hofstaat des Brander Bürgerprinzen Dirk I. (Volpel) den aktiven Karneval miterlebt. Und spätestens als Till im Hofstaat des Aachener Stadtprinzen Thomas II. (Sieberichs) stand er 2013 auch stadtweit an der vordersten jecken Front. Mike Foellmer weiß also, worauf er sich da eingelassen hat.

Und so nahm sein eigener Prinzentraum drei weitere Jahre später konkrete Formen an. „Bei der Prinzenproklamation von Michael II. (Kratzenberg) 2016 habe ich im Eurogress gesessen und sah ihn mit seinem Hofstaat auf der Bühne durch einen Dschungel mit Kindern tanzen. Das war so total sympathisch, in dem Moment wusste ich, dass ich das auch machen will.“ Also habe er sich das Okay seiner damaligen Freundin geholt, seine Eltern eingeweiht, sich auf die Suche nach einem Hofstaat gemacht und schon im Oktober 2016 seine Bewerbung beim AKV eingereicht.

„Meine Eltern sind 78 und 72 Jahre alt und haben bereits ein paar gesundheitliche Probleme. Und ich wollte, dass sie meine Prinzenzeit unbedingt noch miterleben“, begründet Mike Foellmer sein zügiges Vorgehen. Dabei habe er übrigens nicht nur Wert auf seine eigene Familie gelegt. „Ich habe alle Familien meiner Hofstaatsmitglieder im Vorfeld besucht, weil es mir wichtig ist, dass die Ehefrauen, Freundinnen und Kinder mit im Boot sind und uns unterstützen“, sagt er.

In seinem jecken Boot sitzen im Übrigen auch die Mitarbeiter seiner Versicherungsagentur. „Mit Ihnen ist abgesprochen, dass ich in der Kernarbeitszeit natürlich präsent bin.“ Urlaub nehme er sich nur in der heißen Phase eine Woche vor Rosenmontag. „Ich habe ein so gutes Backoffice“, sagt er, „da kann nichts passieren.“ In seinen normalen Urlauben laufe das Geschäft ja auch ohne Chef.

„Bis hinter Hellenthal“

Apropos Urlaub: Natürlich lässt sich Mike Foellmer seinen jecken Traum auch etwas kosten, und beinahe ebenso natürlich will er das nicht genau beziffern. Er umschreibt sein finanzielles Engagement vielmehr so: „Ein, zwei Jahresurlaube kann das schon kosten.“ Und wohin? „Naja, bis hinter Hellenthal muss man schon fahren“, sagt er mit einem Augenzwinkern. Durch seine Erfahrungen als Till 2013 weiß er aber auch, dass man die persönlichen Kosten mit guten Sponsoren erheblich senken kann. Und davon habe er einige, wie auch der Blick auf seine Homepage beweist.

Abgesehen von den Finanzen fühlt sich Mike Foellmer auch sonst gut vorbereitet auf seine Session. Seine Bühnenqualitäten habe er ja bereits als Till unter Beweis gestellt, schon als Kind habe er Gesangsunterricht gehabt, und Klavierspielen könne er auch. Er bringe also vieles schon mit, was ein Prinz so brauche. Und für den Rest sorge schon sein Hofstaat. „Das ist eine geile Truppe“, sagt Mike Foellmer, „Wahnsinn, was die bereits im Vorfeld leisten.“ Angst habe er lediglich davor, dass er sich erkälten könnte. Doch auch diesbezüglich habe er vorgesorgt, verrät der künftige Prinz, er stehe unter ständiger ärztlicher Kontrolle. „Und ich muss halt schauen, dass ich genug Schlaf bekomme“, lautet sein Rezept.

So ausgestattet möchte Prinz Mike I. mit seiner Truppe eine Mixtur aus Party und traditionellem Karneval auf den jecken Bühnen der Stadt bieten. Außerdem solle seine Regentschaft auch nachhaltig sein — etwa durch sein soziales Engagement beim Aachener Klenkes Komitee, das sich für Kinder und Jugendliche mit Behinderung einsetzt, oder auch durch seinen geplanten Legendenwanderweg im Öcher Bösch, der Kindern Natur, Heimat und Brauchtum gleichermaßen nahebringen soll.

„Ich möchte gar nicht als ,der geilste Prinz‘ in Erinnerung bleiben“, sagt er. Mit seiner Regenschaft zufrieden sei er vielmehr dann, „wenn die Leute von uns sagen: ,Man, was ist das für ein geiler Hofstaat!‘“. Mike Foellmer legt halt Wert auf Gemeinschaftlichkeit und Teamgeist. Also lauten seine Befehle: „Ausschwärmen, Barrieren abbauen, die Leute ansprechen, sich Zeit nehmen!“

Die Öcher Jecken können sich auf etwas gefasst machen.