Aachen: „Bees for Refugees“: Einsatz für die Bienen und die Flüchtlinge

Aachen : „Bees for Refugees“: Einsatz für die Bienen und die Flüchtlinge

Wenn Menschen „fleißig wie Bienen“ sind, bedeutet das doch eigentlich etwas Gutes, oder nicht? Was hierzulande sicherlich gilt, kann hingegen in China auch wortwörtlich gemeint sein. „Dort müssen Menschen bestäuben, weil es an Bienen mangelt“, erklärt Hans-Hermann Kasten vom Rotary Club Aachen-Frankenburg. Als menschliche Bienen sozusagen. Für Kasten ist das ein „erschreckendes Bild“.

Also fasste er gemeinsam mit seinem Club den Entschluss, sich für die Zukunft der Bienen in Aachen einzusetzen — aber nicht nur Bienen. „Wir sahen die Chance, Imkerei und Flüchtlingshilfe zu verbinden“, erläutert Kasten. Entstanden ist das Projekt „Bees for Refugees“, übersetzt „Bienen für Geflüchtete“.

Der Rotary Club Aachen-Frankenburg schüttete kurzerhand 3000 Euro an die Bienenfreunde Euregio Aachen aus, gegebenenfalls folgt noch finanzieller Nachschub aus öffentlicher Hand. „Von der Spende kaufen wir Materialien“, sagt Tulga Toksöz, Geschäftsführer der Bienenfreunde. Konkret müssen beispielsweise „Starterbienen“ sowie Schutzanzüge angeschafft werden. Das Projekt führen die Bienenfreunde in Zusammenarbeit mit dem Kommunalen Integrationszentrum Aachen durch.

Zwölf Geflüchtete haben sich bisher angemeldet, darunter jeweils vier aus Afghanistan sowie Eritrea. Ende März werden dann Zweiergruppen gebildet. „Und jede erhält ein eigenes Bienenvolk“, verspricht Toksöz. Erfahrene Imker informieren sie anschließend an 15 Terminen über Bienenkrankheiten, Hygiene und den Prozess des Honigschleuderns. „Am Ende des Jahres werden alle in der Lage sein, ihren eigenen Honig zu ernten“, so der Imker.

Wissen mitnehmen

Doch „Bees for Refugees“ soll nicht nur die richtige Bienenhaltung lehren, sondern auch einen integrativen Aspekt umfassen. „Christen und Moslems sind in einer Gruppe, genauso wie Leute aus verschiedenen Herkunftsländern“, meint Toksöz. Mithilfe des Projekts können die Neu-Aachener ihre deutschen Sprachkenntnisse verbessern und die vielen Spezialbegriffe der Imkerei kennenlernen. Und: „Wenn sie in ihre Heimatländer zurückkehren, bringen sie das Wissen über den nachhaltigen Honigabbau mit“, betont Toksöz.

Ein Teilnehmer ist der Nigerianer Aigbe Ben. In Afrika verbrenne man die Bienen immer, um an den begehrten Honig zu kommen, erzählt er in englischer Sprache. Mithilfe des Projekts könne er auch andere, bienenfreundliche Wege kennenlernen. Denn ansonsten könnten auch dort irgendwann „menschliche Bienen“ notwendig werden.

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