Aachen: Bauunternehmer Quadflieg: Klare Worte zur Lage der Volkswirtschaft

Aachen: Bauunternehmer Quadflieg: Klare Worte zur Lage der Volkswirtschaft

Das Preisgeld von 5000 Euro reichte Georg Quadflieg gleich weiter an Misereor-Hauptgeschäftsführer Primin Spiegel. „Sie können das für Ihre Arbeit sicher gut gebrauchen”, kommentierte Quadflieg. Vorher hatte der Aachener Bauunternehmer und sechste Träger des Preises „Aachen Sozial” der Familienunternehmer und Jungen Unternehmer eine Dankesrede gehalten, die es in sich hatte.

„Ich bin ein absoluter Verfechter Mindestlohnes, der jedoch aus Wettbewerbsgründen in der Höhe des jeweiligen Tariflohnes liegen muss”, sagte Quadflieg. Dem erstaunten Publikum im voll besetzten Krönungssaal des Rathauses rechnete er vor: „Was nützt es den tarifgebundenen Firmen, wenn wie am Bau der Mindestlohn 13,40 Euro beträgt, die tarifgebundenen Firmen aber 17,07 Euro und mehr bezahlen müssen.” Als „dummes Geschwätz” bezeichnete Quadflieg die Behauptung, dass bei der Einführung des Mindestlohnes Arbeitsplätze verloren gingen. Und einmal in Fahrt, geißelte er die Praxis der Firmen im Post- und Paketdienst und auch im Sicherheitsbereich, die ihre Mitarbeiter mit Hungerlöhnen abspeisten und zum Sozialamt schickten, damit dort die unzureichenden Löhne aufgestockt würden. „Auf Kosten der Steuerzahler.” Diese Firmen würden Millionen verdienen.

„Der gerechte Lohn hat etwas mit der Menschenwürde zu tun. Was kann ein Unternehmer Sozialeres tun, als einen gerechten Lohn zu zahlen”, fragte Quadfliegs rhetorisch. Für den Bauunternehmer ist absolut klar, dass „Leiharbeit nicht die Regel sein darf”. Sicher, dort wo produktive Engpässe entstünden, könnten Leiharbeiter eingesetzt werden, „aber die sollen dann auch mit dem Tariflohn bezahlt werden”.

Die Gewerkschaften strebten bundesweit einen Mindestlohn von 8,50 Euro an. Das kann Quadflieg nicht verstehen. „Viel zu wenig”, sei das, einem Familienvater mit zwei kleinen Kindern blieben netto 1169,41 Euro übrig. Hinzu kämen 368 Euro Kindergeld. Eine angemessen große Wohnung koste einschließlich Nebenkosten mindestens 600 Euro. „Um seine Arbeitsstelle zu erreichen, braucht er ein Auto. Das kostet 400 Euro monatlich. Der Familie bleiben also 537,41 Euro.” Davon könne eine vierköpfige Familie nicht leben. „Sie landet unweigerlich beim Sozialamt”, ist Quadfliegs Fazit.

20.000 Euro in einem Jahr

Der Unternehmer Quadflieg setzt sich ein, spendet Geld, beispielsweise an Misereor oder an den Förderverein der Katholischen Grundschule Düppelstraße. Innerhalb von einem Jahr hatte er rund 20.000 Euro zusammen, „damit konnte die Bücherei erheblich aufgestockt werden”. Es mache einfach Spaß, zu sehen, mit welcher Freude die Kinder die Angebote annehmen. „Mit Begeisterung wird musiziert, Theater gespielt, Tänze einstudiert. Klar, dass der Förderverein für Gitarren und Kostüme aufkommt.”

Durch die Arbeit im Förderverein habe er sehr viel gelernt: „Die Kinder dieser Schule sind genau so schlau, genau so brav, wie die Kinder in Laurensberg, Haaren oder Steinebrück. Sie haben nur ein Manko: Die Eltern vieler Kinder sind einfach arm.” Den Familien fehle das Nötigste. Er habe nicht gewusst, dass einige Kinder morgens ohne Frühstück zur Schule kämen. Er habe auch nicht gewusst, dass die Teilnahme an Ausflügen an einem Euro scheitern könnten. Und ebenfalls habe er nicht gewusst, dass für viele der Kinder aus dem Ostviertel am Kaiserplatz „Aachen” zu Ende sei.

„Unsere Volkswirtschaft verdient genügend Geld, um alles Notwendige zu finanzieren”, ist Quadflieg überzeugt. Wenn nicht ständig Geld ausgegeben werde für Projekte, die möglicherweise wünschenswert und schön seien: „Dafür ausgegebenes Geld fehlt im Sozialbereich.” Quadflieg zählte viele Objekte auf, die überflüssig seien, beispielsweise den Indemann im Braunkohlerevier Inden: „Der Stahl hat Hunderttausende Euro gekostet und ist überflüssig wie ein Kropf”.

50-Millionen-Philharmonie

Oder die Elbharmonie in Hamburg, dafür seien schon 400 Millionen Euro ausgegeben worden,.„Eine schöne Philharmonie ist schon für 50 Millionen Euro zu haben”, weiß der Baufachmann. Die neue Brücke am neuen Tivoli erfülle lediglich den Zweck, das Logo des ALRV zu tragen und sei ansonsten unnötig, weil 200 Meter weiter, am alten Tivoli die alte Brücke stünde.

Lutz Goebel, Verbandschef der Familienunternehmer, hatte vorher in einer Rede beklagt, dass durch die Forderungen auf staatlicher Ebene nach mehr sozialer Gerechtigkeit die unternehmerische Freiheit auf der Strecke bliebe. Mit liebevollen Worten beschrieb Ulla Schmidt in ihrer Laudatio den Preisträger. „Er hat das Herz auf dem richtigen Fleck.”

Gabriele Mohné, Chefin der Aachener Familienunternehmer, führte charmant durchs Programm, zwei 18-jährige Schüler der städtischen Musikschule, Farsam Ravari (Gitarre) und Esra Mutlu (Harfe), unterhielten unter der Leitung von Vincente Bögeholz die Gäste mit klassischen Stücken von Camille Saint-Saëns.