Aachen: Bauprojekt am Boxgraben: Endlich Informationen über die Luisenhöfe

Aachen : Bauprojekt am Boxgraben: Endlich Informationen über die Luisenhöfe

Lange genug herrschte Rätselraten darüber, was sich hinter dem Projekt „Luisenhöfe“ wirklich verbirgt. Nun soll endlich auch öffentlich über das geplante Bauprojekt im Blockinnenbereich zwischen Boxgraben, Südstraße und Mariabrunnstraße informiert werden. Damit hoffen auch die Anwohner und Vertreter der Bürgerinitiative mit ihren Anregungen zum Zuge zu kommen.

Alles, was Karsten Schellmat, Initiator der Bürgerinitiative, und seine Mitstreiter — darunter Hans Poth, ehemaliger Pressesprecher der Stadt, — über die Luisenhöfe bislang wissen, mussten sie mühselig zusammentragen. Denn auch politisch wurde bisher nur hinter verschlossenen Türen über das Projekt geredet. Das soll sich nächste Woche Dienstag ändern: für den 17. April haben die Investoren eine Informationsveranstaltung samt Workshop angekündigt. Stattfinden soll er von 18.30 bis 20.30 im „Luisensaal 3“ des Luisenhospitals.

Die Initiative hofft, dass dann auch ihre Forderungen in die weiteren Planungen und vor allem auch in einen städtebaulichen Wettbewerb eingehen, der derzeit ebenfalls vorbereitet wird und nach Angaben der Stadt vermutlich im Mai von den politischen Gremien beraten und ausgeschrieben werden soll. Nötig geworden ist der Wettbewerb, weil für das durchaus sensible Gelände mit seinen teils verwilderten Grünflächen und alten Gewerbebauten offenbar nur sehr grobschlächtige Skizzen vorliegen, die die städtischen Planungsspezialisten nicht überzeugen konnten.

Zu eng, zu dicht, zu hoch — das sind die Vorwürfe, die sich die Vertreter der beiden Aachener Immobilienunternehmen Landmarken und Aixact schon mehrfach anhören mussten. Gemeinsam haben sie die Luisenhöfe GmbH aus der Taufe gehoben, die das Projekt stemmen soll und deren Name sich aus der Nachbarschaft des Luisenhospitals ableitet. Inzwischen hat die GmbH die wichtigsten Grundstücke erworben, um „eine urbane Bebauung mit vielfältigen Nutzungsmöglichkeiten“ zu realisieren. Was das genau bedeutet, ist eine der Fragen, auf die Schellmat und Poth gerne eine Antwort hätten, wie sie am Montag bei einem Ortstermin deutlich machten. „Wir wollen ein Abwägen aller Interessen erreichen und nicht nur die Menge an Wohnungen in den Blick nehmen“, sagt Schellmat.

Auch Gewerbe wünschenswert

Der Block sei noch sehr grün, betont er, das sei eine Qualität, die man erhalten wolle. Auch gebe es dort noch einige Gewerbestätten, deren Erhalt die Initiative für höchst wünschenswert hält. Insbesondere auf dem sogenannten Kalde-Gelände, auf dem einst die gleichnamige Fabrik und Elektrogroßhandlung ansässig war, sollte auch künftig noch „wohnverträgliches Gewerbe“ möglich sein. „Arbeiten in der Innenstadt reduziert viele Wege“, ist Schellmat überzeugt, der sich ohnehin für die Schaffung eines möglichst autofreien Quartiers einsetzt. Schließlich gebe es eine gute Busanbindung und auch zwei Bahnhöfe ganz in der Nähe.

Daher richtet sich die schärfste Kritik der Initiative auch gegen die geplante Erweiterung des Luisenhospital-Parkhauses, das schon jetzt „wie ein Fremdkörper“ weit in das Gelände hineinrage und künftig noch weit wuchtiger ausfallen könnte. Aus Sicht der Initiative sollten dort auch im Sinne der Luftreinhaltung nicht noch zusätzliche Parkplätze geschaffen werden.

Verwilderte Flächen erhalten

„Wir wollen die Bebauung nicht verhindern“, betont Schellmat, mitgestalten aber wollen die Anwohner schon. Sie sprechen sich insbesondere gegen einen allzu hohen Flächenverbrauch und eine zu starke Versiegelung des Geländes aus. Keinesfalls sollte die neue Innenbebauung die bestehenden Straßenfronten überragen. Insbesondere sollten auch die parkartigen Flächen erhalten werden, die laut Poth auch im Flächennutzungsplan noch als Grünflächen ausgewiesen sind. Sie hoffen, dass die Stadt einen verwilderten Hinterhof am Boxgraben möglichst im eigenen Besitz behält und nicht zur Bebauung freigibt.

Was letztlich verwirklicht wird, wie hoch die Gebäude werden, wie eng sie stehen, welche Bäume stehen bleiben dürfen, welche Erschließungswege vorgesehen sind und wie viele Menschen dort letztlich eine neue Heimat finden sollen — das alles wird man erst wissen, wenn die Wettbewerbsergebnisse vorliegen.

Vorerst wirbt die Initiative dafür, dass sich möglichst viele Anwohner an der Informationsveranstaltung am nächsten Dienstag beteiligen, um ihre Bedenken und Ideen einzubringen. Moderiert wird die Veranstaltung vom Büro ISR Innovative Stadt- und Raumplanung aus Haan.

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