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„Nicht übertrieben viel Raum gewähren“: Baumschutzbund nimmt Stellung zu Plänen an der Lütticher Straße

„Nicht übertrieben viel Raum gewähren“ : Baumschutzbund nimmt Stellung zu Plänen an der Lütticher Straße

Kaum ein Thema hat die Öffentlichkeit in den letzten Tagen so bewegt wie der Sanierungsplan für die Lütticher Straße. Ergänzend zu den zahlreichen Stellungnahmen stellt für den Aachener Baumschutzbund Hans Falk dessen Sichtweise dar.

Der Baumschutzbund habe vor einigen Jahren bereits mit der Verwaltung in einer genauen Ortsbegehung um jeden Baumerhalt gerungen, dabei im ersten Teilstück Verbesserungen erzielt und sei im zweiten und dritten Abschnitt mit der Zusage zum Erhalt von einigen zur Fällung vorgesehenen Bäumen zu einer Einigung gekommen. Nach aktuellem Stand heute vergebens. Das erwecke, wie auch bei anderen Projekten, den Eindruck städtischer Ignoranz und Unzuverlässigkeit.

Offenbar wolle man sich politisch, im Eingeständnis, den Fahrradverkehr gegenüber dem Kfz-Verkehr zu sehr vernachlässigt zu haben, beeilen, diesem jetzt übertrieben mehr Raum zu geben.

Weniger der Klimanotstand als der Radentscheid scheine da maßgebend zu sein, denn statt die vorhandenen Verkehrsflächen nur gerechter aufzuteilen, solle neben der bestehenden Straße noch erweiterter Straßenbau betrieben werden. Die Forderung nach insgesamt 4,60 Meter Mindestbreite im Zweirichtungsradverkehr entspreche durchaus einer zusätzlichen Autostraßendimension.

Auf diese Weise würden Fehler in der Verkehrsentwicklung unter dem Vorwand einer ökologischen Maßnahme nicht kompensiert, sondern mit neuen Fehlern zusätzlichen Straßenbaus verschlechtert.

Ausgerechnet die Ökobewegten, die den fossilen Ausstieg forderten, förderten mit flächendeckenden zusätzlichen Infrastrukturen die fossile Rohstoffnutzung von Bitumen für Asphaltierungen. Bloß dem Komfort dienender Fahrradstraßenbau belaste so überflüssigerweise nicht nur die CO2-Bilanz, sondern verursache auch zusätzliche Flächenversiegelungen und Baumfällungen.

Weit schlimmer noch als in der Lütticher- und vorher der Lothringerstraße, wo Planungsdezernentin Frau Burgdorf die dortige Durchsetzung der Radvorrangroute mitsamt den Baumfällungen als „mutige“ Entscheidung bezeichnete, gelte das bei den Überlandstrecken für Radschnellstraßen, wo mit neuen Trassen komplette Grünzüge zerstört würden. „Obendrein wird das ganze auch noch unterstützt mit Öko-Fördergeldern, mit denen man ganz nebenbei Straßenbauunternehmen subventioniert“, so Falk.

Erfreulich sei, dass dem Sanierungsvorhaben Lütticher Straße so viel Kritik entgegenschlage, gerade auch von Radfahrern, die, „getäuscht von einem Radentscheid“, aber keineswegs die rigorosen „Freie-Fahrt-für-freie-Radler“-Interessen verträten und die aus ökologischen Gründen die Zerstörung von Grünflächen und Bäumen für Premiumradstraßen ablehnten.

Radwege sollten Wege bleiben, als solche in ihrem Zustand und der Verkehrsführung umweltschonend verbessert werden, ohne mit weiterer Zerstörung von Grünflächen und Baumbeständen zu neuen, aufgeblähten Parallelstraßen zu mutieren.