Aachen: Baumschutz-Bündnis schöpft neue Hoffnung

Aachen: Baumschutz-Bündnis schöpft neue Hoffnung

Sie trotzten dem Sturm und sie trotzten dem Regen. Rund 50 Mitstreiter des Aachener Baumschutz-Bündnisses entschieden sich, ihren Protest gegen das (noch) geplante Fällen der Platanen am Templergraben in einem Demonstrationszug vom RWTH-Hauptgebäude ins Rathaus zu tragen.

Dort tagte das Bürgerforum und dort nahm das Für und Wider leidenschaftliche, gefühlsbetonte und stellenweise giftig-böse Züge an. Vor allem Planungsdezernentin Gisela Nacken und ihre grüne Partei sahen sich teilweise über das Ziel hinausschießenden persönlichen Attacken ausgesetzt.

„Bäume lassen Städte atmen”, „Erwachsene Bäume sind unersetzlich” oder „Bäume sind Feinstaubfilter” - so und ähnlich stand es auf den Plakaten und Schildern, die die Baumfreunde auf ihrem Protestmarsch mit sich führten.

Vielleicht wäre so manches böse und verletzende Wort nicht gefallen, hätte Forums-Vorsitzender Karl Schultheis sein Wissen aus dem Petitionsausschuss des Landtags frühzeitiger als geschehen im Bürgerforum kundgetat. Denn der Ausschuss beriet nach seiner Ortsbesichtigung in Aachen am Dienstag über den Aachener Platanen-Fall. Er ist dabei zu einem Beschluss gekommen, der bei gutem Willen auf beiden Seiten zu einem einigermaßen zufriedenstellenden Ergebnis führen könnte.

Acht Empfehlungen

Wie Schultheis aufzählte, beschloss der Petitionsausschuss mit empfehlendem Charakter an die Stadt:

1. In Planunterlagen der Stadt soll künftig deutlicher dargestellt werden, „welche Auswirkungen geplante Veränderungen in den Bestand” haben.

2. In das Aufenthaltskonzept für den neuen öffentlichen Campus-Raum („shared space”) vor dem RWTH-Hauptgebäude sollen seine Nutzer, also die Studierenden, mit einbezogen werden.

3. Die sechs Mehlbeerbäume vor dem Super C sollen nicht gefällt, sondern verpflanzt werden.

4. Bei zwei großen Platanen soll geprüft werden, ob ihr Erhalt möglich ist, beispielsweise durch Baumschnitte.

5. Die Bäume vor der Barbarossamauer werden (im Einvernehmen mit dem Baumschutz-Bündnis) gefällt.

6. Es soll geprüft werden, ob die Platanen auf dem Karree oberhalb des Kármán-Auditoriums umgepflanzt werden können.

7. Müssen Bäume ersetzt werden, sollten Bäume gewählt werden, die mit entsprechendem Umfang in kurzer Zeit für eine Beschattung wie derzeit die Platanen auf dem Karree sorgen.

8. Weil einige Platanen laut Stadt wegen Aufschüttungen nicht überlebensfähig seien, soll geprüft werden, ob zumindest einige mit weniger Bodenaufschüttung durch Gitterroste gerettet und erhalten werden können.

Das Bürgerforum beschloss, „auf der Basis dieser Empfehlungen” die städtischen Planungen für den RWTH-Campus Innenstadt noch einmal zu überprüfen. Gleichzeitig bat Vorsitzender Karl Schultheis die Dezernentin Gisela Nacken, sich mit den Sprechern des Baumschutz-Bündnisses deren Alternativvorschlag (mit Rettung der 33 Platanen) „noch einmal anzuschauen”.

Das Ergebnis der Beratungen im Petitionsausschuss wird den Sprechern des Baumschutz-Bündnisses am Mittwoch schriftlich mitgeteilt. In den Reihen der Baumfreunde kam riesiger Beifall auf.

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