Aachen: Baumaßnahmen am Klinikum: 50 Bäume sollen für Straße fallen

Aachen : Baumaßnahmen am Klinikum: 50 Bäume sollen für Straße fallen

Ist die Einstellung des Menschen zum Auto, das Für und Wider zu den erwiesenermaßen Deckschleudern, eine Generationenfrage? Im Ausschuss für Umwelt und Klimaschutz meinte der sehr junge Grünen-Vertreter Kaj Neumann „Ja“, für die Älteren konterte CDU-Fahrensmann Ferdi Corsten: „Blödsinn.“

Das verbale Scharmützel entlud sich an der Kullenhofstraße. Die begrenzt im Westen der Stadt das Wohngebiet Kullen zum Uniklinikum hin mit dem riesigen Parkplatz davor. Es ist geplant, das Terrain vor dem Uniklinikum umfangreich neu zu gestalten. Große Parkplatzflächen fallen weg, neue Operationssäle werden dort gebaut und ein neues Parkhaus wird errichtet. Die Verkehrsströme müssen neu geregelt werden.

Vom Ausbau des Areals wird in hohem Maß die Kullenhofstraße betroffen. Auf einer Länge von 500 Metern wird sie verbreitert und neu gegliedert für mehr Bus-Begegnungs-Verkehr als bisher. Auf beiden Seiten werden Fuß- und Radwege angelegt.

Ausschließlich für diese Straßenbaumaßnahme muss eigens ein „Bebauungsplan Nr. 1000 Süd - Kullenhofstraße“ beschlossen werden. Zu einem Bebauungsplan gehört ein Umweltbericht, der die Ein- und Auswirkungen auf die Umwelt beschreibt. Über ihn hatte jetzt der Umweltausschuss zu beschließen.

Für jeden aufrechten Umweltpolitiker enthält der Umweltbericht zum Bebauungsplan Kullenhofstraße starken Tobak. Im Plangebiet entlang der Kullenhofstraße stehen 50 Bäume, Stieleichen und Hainbuchen. 33 von ihnen fallen unter die Bestimmungen der Baumschutzsatzung. Für den Ausschuss hielt die Verwaltung in der Sitzungsvorlage dazu technisch nüchtern und unmissverständlich fest: „Es werden zugunsten der neuen Straße voraussichtlich sämtliche Bäume gefällt werden müssen. Aufgrund der technischen Anforderungen an die Straßenverbreiterung ist leider keiner der vorhandenen Bäume zu halten.“

„Leichte Kritik am Umweltbericht“ brachte Jörg Hofmann von den Linken vor. Auch wenn es sich teilweise um geschädigte Bäume handeln solle, so hätten doch auch solche Bäume „einen hohen Wert“. Wenn Bäume in einen schlechten Zustand gerieten, müsse eine Stadt ihre „städtebaulichen Gegebenheiten verändern“.

Schwereres Geschütz fuhr Kaj Neumann auf. Der grüne Polit-Nachwuchs, der im Umweltausschuss durch bemerkenswerte und sachkundige Beiträge auffällt, erklärte, seine Fraktion könne diesem Umweltbericht nicht zustimmen. „Wir könnten aus der Kullenhofstraße eine schöne Allee machen“, führte er aus, stattdessen würden „für zwölf Parkplätze eine Menge Bäume gefällt“. Da das Uniklinikum gegenüber eine Masse Parkplätze schaffe, sollten die Bäume erhalten werden. Den Anwohnern der Kullenhofstraße sei zumutbar, „ein paar hundert Meter“ zu den Uniklinik-Parkplätzen zu gehen. Über diese Aussage geriet er prompt selber ins Sinnieren, weshalb er seine Ausführungen mit den Worten beendete: „Das ist die Ansicht aus einer anderen Generation, schade.“

Den Ball griff als jahrzehntelang gestandener Kommunalpolitiker sofort Ferdinand Corsten von der CDU auf. „Bäume zu fällen ist immer eine schwierige Entscheidung“, entgegnete er Neumann. „Machen Sie daraus kein Generationenproblem, das ist Blödsinn.“ Auch in Kullen wohnten beispielsweise Menschen mit Rollator, die darauf angewiesen seien, auf möglichst kurzem Weg zu ihren geparkten Autos zu gelangen.

Auch Corstens Parteifreund Alexander Gilson argumentierte, „die Anwohner laufen nicht zum neuen Parkhaus“. Die 50 Bäume müssten leider der Straßenerweiterung geopfert werden. Für sie alle werde es Ersatz geben.

Die Ersatzpflanzungen nahebei unterzubringen, sei allerdings eine „landschaftsökologische Herausforderung“, meinte dazu die Verwaltung. Für 41 Bäume müsse es eine Ersatzpflanzung geben. Davon könnten 21 als Straßenbäume entlang der Kullenhofstraße „oder im näheren Umfeld des Klinikums“ gepflanzt werden.

„Die Bäume müssen ab, so leid es uns tut“, pflichtete Heike Wolf für die SPD kurz und bündig dem Umweltbericht bei. Für die FDP nicht unerwartet bezog Nils Brodowski klare Position: „Es lohnt sich, für jeden Parkplatz zu kämpfen.“

Wird eine Generationenfrage sein, mag der junge Kaj Neumann innerlich geseufzt haben. Die drei Grünen (Ausschussvorsitzende Sabine Göddenhenrich, Kaj Neumann, Susanne Küthe) stimmten gegen den Umweltbericht, der Linke Jörg Hofmann enthielt sich, mit Mehrheit also beschlossen: „Der Ausschuss für Umwelt und Klimaschutz empfiehlt dem Planungsausschuss die Integration des Umweltberichtes in die Begründung zum Bebauungsplan 1000 Süd.“

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