Brand: Bauen bei der ehemaligen Tuchfabrik: Freier Blick ins Münsterländchen

Brand : Bauen bei der ehemaligen Tuchfabrik: Freier Blick ins Münsterländchen

Als im Jahr 2012 die Tuchfabrik Becker endgültig schloss, stellte sich die Frage, was mit dem rund 54.000 Quadratmeter großen Gelände zwischen Vennbahnweg, Niederforstbacher Straße, Zehntweg und Beckerstraße geschehen solle.

Nachdem das Grundstück zwischenzeitlich an die gemeinschaftlich agierenden Partner Nesseler -Projektidee GmbH aus Aachen und Brack Capital Germany aus Amsterdam veräußert worden war, gab im April vergangenen Jahres der Planungsausschuss grünes Licht für die Entwicklung des ehemaligen Gewerbegrundstücks zu einem hochwertigen Wohngebiet mit dem bezeichnenden Namen „Tuchmacherviertel“. Insgesamt sollen rund 270 Wohneinheiten im neuen Wohngebiet entstehen, davon knapp einhundert als Einfamilienhäuser, der Rest in Mehrfamilienhäusern.

Die Hanglage des Geländes über einen Höhenunterschied von zehn Metern soll zu einer Terrassierung in drei Höhenstufen von jeweils drei Metern genutzt werden, was bei der geplanten Südausrichtung dazu führen wird, dass die Bewohner der meisten Wohneinheiten den freien Blick ins Münsterländchen genießen können.

Kindertagesstätte geplant

Der Verkehr wird über eine Ringstraße mit Zu- und Ausfahrten an der Niederforstbacher Straße und am Zehntweg abgewickelt. Diese Fläche wird als gemeinsamer Verkehrsraum für Fußgänger und Autofahrer gestaltet, so dass nur Schrittgeschwindigkeit gefahren werden darf. Für den ruhenden Verkehr soll es ausreichend Stellplätze geben, ein großer Teil davon in Tiefgaragen.

Ebenso entstehen soll eine bis zu sechs Gruppen umfassende Kindertagesstätte, die dazu beitragen soll, den nach wie vor hohen Bedarf an Kinderbetreuungsplätzen im Stadtbezirk abzudecken.

Jetzt machte das Bebauungsplanverfahren in der Brander Bezirksvertretung Station, wo Jan Willen vom Fachbereich Stadtentwicklung und Verkehrsanlagen die entsprechende Vorlage erläuterte. Im Detail geht es dabei um die Änderung des noch rechtsgültigen Flächennutzungsplans (FNP) aus dem Jahr 1980 — die „gewerbliche Baufläche“ muss zur „Wohnbaufläche“ werden — und um die Aufstellung und Offenlage des eigentlichen Bebauungsplans 978.

Dieser soll als „Angebotsbebauungsplan in Verbindung mit dem Abschluss eines städtebaulichen Vertrages“ aufgestellt werden und damit der Größe des Projekts, der Vielzahl an einzelnen Bauvorhaben und der zeitlichen Streckung der Bautätigkeit über mehrere Jahre Rechnung tragen. Mit dem Abschluss eines städtebaulichen Vertrages will die Stadt sicherstellen, dass die Umsetzung der städtebaulichen Ziele in ausreichendem Maße erfolgt. In der Diskussion des Tagesordnungspunktes zeigten sich alle Parteien in der Bezirksvertretung von den Planungen beeindruckt und dankten auch dem Investor für seine Bereitschaft, das Wagnis einzugehen.

Eine gute Portion Skepsis fand allerdings auch ihren Ausdruck. So sah Iris Lürken (CDU) eine Gefahr: „Was wir sehen und haben möchten, ist nicht das, was wir bekommen!“ Lorenz Hellmann (SPD) pflichtete ihr bei: „Wir sind froh über den hochwertigen Vorschlag und würden uns freuen, wenn er so umgesetzt würde.“

Der anschließende einstimmige Beschluss zeigte, dass man aus Brander Sicht nichts dem Zufall überlassen möchte. Daher wurde der Beschlussvorschlag der Verwaltung zwar an den Planungsausschuss weiterempfohlen, aber mit mehr als zehn ergänzenden Empfehlungen versehen, um sicherzustellen, dass man im „Tuchmacherviertel“ am Ende auch wirklich das bekommt, was sich heute in der Planung so ansehnlich darstellt.

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