Aachen: Bald nur noch Tempo 50 auf der Breslauer Straße?

Aachen : Bald nur noch Tempo 50 auf der Breslauer Straße?

Der Asphalt ist in Ordnung. Der Verkehr fließt anständig. Unmut aus der Bevölkerung über die Breslauer Straße — bisher war keine zu vernehmen, zumindest nicht öffentlich. „Eine Straße, die reibungslos läuft — für eine Hauptverkehrsstraße in Aachen recht ungewöhnlich —, und dann kommt man hier auf die Idee, mit neuen Planungen künstliche Staus zu provozieren.“

Worüber sich Mobilitätspolitiker Peter Blum (FDP) so aufregt, kam im Mobilitätsausschuss am Donnerstag aufs Tapet. Da stellte Uwe Müller, Abteilungsleiter Verkehrsmanagement, eine neue Querschnittsaufteilung für die Straße vor. Eine, die bei einigen Politikern auf Unverständnis stieß, weil danach gar nicht verlangt worden war. Eigentlich sollte nur ein Entwässerungsproblem behoben werden.

Für jene, die sonst kaum auf der Breslauer Straße unterwegs sind: Es handelt sich um eine vierspurige Straße zwischen Berliner Ring und Stolberger Straße, an der sich links und rechts Gewerbe befindet — ein großer Supermarkt etwa, ein Einkaufszentrum, ein Autohaus. Es gilt Tempo 70.

Die städtischen Planer schlagen nun vor: Aus zwei Spuren pro Richtung soll eine Spur werden, dafür ein zusätzlicher Linksabbiegestreifen entstehen. Vor Kreuzungen könnte man es bei vier Spuren belassen. Aus Tempo 70 soll Tempo 50 werden, und die Wege für Fußgänger und Radfahrer sollen neu angelegt werden — zwei Meter breit je Seite, plus 2,50 Meter breite Gehwege.

Ohne Zweifel: Der geteilte Geh- und Radweg, der derzeit mit einer Breite von 2,50 Metern durch einen Grünstreifen getrennt neben der Fahrbahn herläuft, hat bessere Zeiten gesehen. Er wurde im vergangenen Jahr provisorisch repariert. Allerdings bewegen sich dort auch keine Massen von Fußgängern und Radfahrern. Nun die Fahrbahnen einzudampfen, um links und rechts der Straße neue Fuß- und Radwege anzulegen, hält Blum deshalb auch für keine gute Stoßrichtung.

„Ich habe den Eindruck, dass es an manchen Stellen von Seiten der Verwaltung Ziel ist, den Pkw-Verkehr zu behindern“, sagt er. Denn würde der Vorschlag der Verwaltung für einen neuen Querschnitt der Breslauer Straße umgesetzt, münde es seiner Ansicht nach vor allem in mehr Staus.

„Vollkommen überdimensioniert“

Piraten und Grüne finden den Vorschlag für eine überarbeitete Breslauer Straße gut. Die Situation für Autofahrer verschlechtert sich etwa aus Sicht von Achim Ferrari (Grüne) durch die umgeplante Straße nicht, dafür verbessere sich jene von Radfahrern und Fußgängern. „Zum jetzigen Zeitpunkt ist die Straße vollkommen überdimensioniert.“

Während sich Ye-One Rhie die Pläne lieber noch einmal ausführlich vorstellen lassen wollte, sah das beim Koalitionspartner CDU in Person von Gaby Breuer ganz anders aus: Sie wollte die neue Querschnittsaufteilung gar nicht erst hören. Die Mobilitätspolitiker hätten die Verwaltung beauftragt, nach Möglichkeiten der Entwässerung zu suchen und die Ergebnisse dem Ausschuss später zu präsentieren.

Dieser Auftrag war Mitte 2016 formuliert worden. „Und jetzt bekommen wir eine komplette Überplanung der Breslauer Straße vorgelegt. Da macht die CDU nicht mit“, stellte Breuer fest. Sie finde es „sehr verwunderlich“, dass man sich in der Verwaltung trotz des Beschlusses vor zweieinhalb Jahren, lediglich das Entwässerungsproblem zu lösen, die Arbeit einer kompletten Überplanung gemacht habe.

Es gebe Möglichkeiten, das Entwässerungsproblem zu lösen, ohne die Aufteilung der Straße anzufassen, erklärte Regina Poth, Abteilungsleiter Straßenplanung und -bau. Dann werde man aber in den kommenden 20 Jahren nichts mehr am Status quo verändern. Der vorgeschlagenen Querschnittsaufteilung erteilte der Ausschuss erst einmal eine Absage. In der kommenden Sitzung sollen noch einmal Lösungsvorschläge präsentiert werden — auch solche, die an der verkehrliche Aufteilung der Breslauer Straße nicht rühren.