Bahn plant neuen Personentunnel am Aachener Westbahnhof

Pläne für „Aachen West“ : Tristesse am Westbahnhof soll bald enden

Ein trostloses Bild bietet der Westbahnhof täglich nicht nur ungezählten Studierenden, die den Haltepunkt in Hochschulnähe regelmäßig nutzen müssen. Jetzt wollen Bahn und Stadt mit umfassenden Sanierungsmaßnahmen Abhilfe schaffen, heißt es. Auch eine barrierefreie Erschließung über einen Personentunnel ist geplant.

„Wir planen Zukunft. Wir planen mit Dir!“, liest man auf einem großformatigen Plakat. Es zeigt zwei junge Menschen in orangefarbenen Joppen, die Blicke lächelnd fixiert auf ein Stück Papier – so, als würden sie im nächsten Moment die Köpfe heben, um die Zeichen der Zeit am Horizont zu deuten. Der Hingucker mitten auf dem Bahnsteig des Westbahnhofs soll wohl vor allem den einen oder anderen Studenten motivieren, sich alsbald zu bewerben – allerdings beim Landesbetrieb Straßen.NRW.

Wie – und vor allem wann – die seit langem geplante Attraktivierung des maroden Schienenumfelds zwischen Seffenter Weg und Republikplatz konkret aufs Gleis gesetzt wird, ist dagegen nach wie vor weitgehend offen. Dabei hat die Deutsche Bahn längst per Machbarkeitsstudie ausgelotet, wie insbesondere der Zugang zum Westbahnhof barrierefrei und sicher gestaltet werden könnte. Statt einer Brücke – im Gutachten bereits vor Jahren in mehreren Varianten ins Auge gefasst – soll nun eine Tunnellösung realisiert werden. Weitere Maßnahmen zur Sanierung des Bahnhofs seien zudem vorgesehen, heißt es.

Eng und trostlos: Der Zu- und Ausgang des Bahnhofs führt nach wie vor nur über eine schmale und ziemlich steile Treppe. Foto: Andreas Schmitter / Schmitter Fotografie

Denn rund ums Viadukt am Seffenter Weg, mitten im Hochschulviertel, bietet sich seit Jahr und Tag ein trostloses Bild. Ortsunkundige haben es nicht eben leicht, den Zugang zum Bahnsteig überhaupt zu entdecken. Lediglich an der Brücke selbst sind zwei blaue Schilder „Aachen West“ erkennbar. Ein verwittertes DB-Emblem gleich daneben verschwindet fast zur Gänze hinter wuchernden Birkenästen. Der einzige Weg zum Gleis führt durch die spärlich beleuchtete Eisenbahnüberführung und über eine ziemlich steile graue Treppe mit 42 Stufen. Die düster-triste Szenerie am Aufgang ist gekennzeichnet durch zwei nackte Neonröhren. Die dazugehörige Verblendung mit Bahn-Logo ist offensichtlich irgendwann mutwillig herausgebrochen worden. Nur zum Bürgersteig hin weisen zwei verschmierte und teils zugeklebte „Aachen West“-Schilder darauf hin, dass man sich direkt vor dem Bahnhofs-Entree befindet. Unter den knapp drei Dutzend Metallbügeln für Fahrräder am Bordstein liegen etliche, teils schrottreife Drahtesel herum. Die Glaswände eines kleinen überdachten Radstellplatzes ein paar Meter weiter mussten offenbar mehr als einmal für illegale Spray-Aktionen herhalten.

Keine schöne Visitenkarte: Vom beleuchteten DB-Schild am Bahnhofseingang sind nur noch zwei nackte Neonröhren übrig. Foto: Andreas Schmitter / Schmitter Fotografie

Auch auf dem Bahnsteig selbst kann von „Willkommenskultur“ keine Rede sein. Immerhin macht er einen ziemlich sauberen Eindruck, auch wenn ein weit offen stehender, mutmaßlich defekter Blechverschluss an einem überfüllten Mülleimer im Wind klappert. Spuren von Vandalismus finden sich immer wieder. Die Scheiben an den beiden Ticketautomaten sind gesprungen, was die Bedienung der Touchscreens nicht gerade erleichtert.

Zersplitterte Touchscreens: An den Ticketautomaten haben Vandalen zugeschlagen. Foto: Andreas Schmitter / Schmitter Fotografie

Grund genug auch für den Aachener Bundestagsabgeordneten Rudolf Henke, die Misere auf höchster Ebene zu thematisieren, nachdem sich ein Bürger bei ihm (und auch gegenüber unserer Zeitung) darüber beschwert hatte. Nicht ohne Erfolg. In einem Schreiben an den CDU-Politiker von Ende Juli betont der Konzernbevollmächtigte der Bahn für NRW, Werner Lübberink, dass der Westbahnhof im Rahmen der sogenannten Modernisierungsoffensive 3 „vollumfänglich ertüchtigt“ werde. Eine entsprechende Vereinbarung mit dem Zweckverband Rheinland sei am 6. Juli unter Dach und Fach gebracht worden.

Dazu gehöre auch eine weitere, barrierefreie Erschließung über einen Personentunnel, der nahe der Mies-van-der-Rohe-Straße unter dem Seffenter Weg hindurch zum Bahnsteig führen soll. Der Treppenaufgang bleibe erhalten und werde saniert. Die Wegeleitung, also die Beschilderung, werde völlig neu gestaltet. „Die Projekte gehen nun in die Planungsphase“, heißt es weiter. Über einen „Realisierungszeitraum“ könne jedoch zurzeit noch „keine verbindliche Aussage getroffen werden“. Das DB-Management in Düsseldorf habe die Stadt zudem gebeten zu prüfen, wie die Fahrradstellplätze am Bahnhof auf Vordermann gebracht werden könnten. Ferner gebe es bereits Überlegungen zur Verbesserung der Anknüpfung des Bahnhofs an den Radverkehr (Bike & Ride) sowie von Bushaltestellen im Umfeld, berichtet das städtische Pressebüro (siehe Info).  

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