Aachen: Baal: Erst gefeiert, dann wahrscheinlich gefeuert

Aachen: Baal: Erst gefeiert, dann wahrscheinlich gefeuert

Geburtstage kann man sich nicht aussuchen. Das weiß auch der CDU-Fraktionschef Harald Baal. Sein Fünfzigster fällt auf einen Sonntag — genau wie damals bei seiner Geburt. Diesmal ist es aber kein Ostersonntag. Es könnte vielmehr der Tag vor seinem politischen Aus in der CDU sein. Denn am kommenden Montag wird es in der Fraktion heiß hergehen.

Auf der Tagesordnung steht die Abwahl des Fraktionsvorsitzenden. 16 von 28 Fraktionsmitgliedern wollen dem ungeliebten Chef ihr Misstrauen aussprechen und womöglich die stellvertretende Vorsitzende Maike Schlick auf seinen Sessel heben. Es sei denn, die Fraktion einigt sich noch auf eine Kompromisslösung. Dann würde Baal zurücktreten und auf den Posten des Stellvertreters neben Schlick rücken und jemand anders den Vorsitz bis zur Kommunalwahl übernehmen.

„Einen Kompromiss will ich nicht ausschließen“, sagt die Parteivorsitzende Ulla Thönnissen, wohl wissend, dass die Fronten zwischen den unterschiedlichen Gruppierungen innerhalb der Fraktion sehr verhärtet sind. Ihr letztes Fünkchen Hoffnung setzt Thönnissen auf eine Zusammenkunft der Fraktion vor der entscheidenden Sitzung am Montag, zu der sie zusammen mit Oberbürgermeister Marcel Philipp eingeladen hat. „Sollten wir nicht zu einer einvernehmlichen Lösung kommen, wird die Fraktion am Montag in einer geheimen Wahl über die künftige Fraktionsspitze abstimmen“, erläutert Thönnissen.

Seit 1982 ist Baal Mitglied in der CDU, 1999 schaffte er er den Sprung in den Rat und im November 2008 übernahm er den Fraktionsvorsitz. „Er hat mit dazu beigetragen, dass die CDU bei der letzten Kommunalwahl 2009 so erfolgreich war und seitdem stärkste Kraft im Rat ist“, sagt Thönnissen.

Das bestätigt auch ihr Vorgänger, der CDU-Landeschef Armin Laschet: „Ohne seine Kompetenz wäre der Wahlerfolg 2009 nicht möglich gewesen. Und in Burtscheid erlebe ich, wie sehr er bei den Bürgern, den Vereinen und in den Kirchengemeinden geschätzt wird.“ Den von der Parteichefin in die Diskussion gebrachten „goldenen Mittelweg“ würde Baal akzeptieren: „Ich bin bereit, einen Kompromiss mitzutragen. Unter vernünftigen Menschen müsste das auch möglich sein.“

In seinen fünfzigsten Geburtstag will der umstrittene Fraktionsvorsitzende jedenfalls ungetrübt hineinfeiern: „Am Samstagabend bin ich familiär unterwegs. Sonntag geht es um 10 Uhr mit einem Frühstück los, dann werde ich weitergereicht.“ Ein Umtrunk in der Fraktion ist nicht geplant. Und wie viele Fraktionsfreunde ihm am morgigen Sonntag gratulieren, mochte Baal nicht vorhersagen: „Ich lass’ mich mal überraschen.“