Aachen: Autor Bernd Müllender zeigt „100 Orte in Ostbelgien“

Aachen : Autor Bernd Müllender zeigt „100 Orte in Ostbelgien“

„Der Schäfer Gilles, ein hässlicher Gnom, hat es sogar auf den Titel des Buches gebracht“, meinte der Aachener Journalist und Autor Bernd Müllender sichtlich zufrieden, als er jetzt in der Buchhandlung Schmetz am Dom sein neues Buch vorstellte.

Die Legende um den Schäfer, der sich aus verschmähter Liebe erhängte, war nur eine von vielen Geschichten, die Müllender seinem Publikum erzählte. Bevor Gilles den Strick nahm, verfluchte er das Venn, und sein Geist spukte dort weiter und tut es vielleicht noch immer, so Müllender. Und dazu passt dann auch, dass die angebetete Pauline von einer Vennwanderung nie zurückkehrte. Über viele Jahre saß besagter Gnom als buckelige Holzfigur auf einem Balken am Gasthaus „Mont Rigi“ im Venn und erinnerte an diese Geschichte.

Mit viel Witz und Humor nahm Bernd Müllender sein Publikum mit auf eine Reise durch Ostbelgien. „100 Orte in Ostbelgien und Umgebung“ ist der Titel seiner jüngsten Publikation. Und die mischte er in seiner Lesung mit einem weiteren Buch, das er Belgien gewidmet hat: „Belgien, ein Länderporträt.“ Er zog mit seinen Zuhörern von Ort zu Ort und zeichnete dabei ein lebendiges Bild von Belgien insgesamt.

„Über Belgien weiß man erstaunlich wenig“, hatte er bereits eingangs gesagt. Wie sonst lasse es sich erklären, dass manch einer glaube, in Belgien werde belgisch gesprochen, oder dass Hercule Poirot in einer neuen Fassung des „Mord im Orientexpress“ für seinen „belgischen Dialekt“ gelobt werde? Müllender konfrontierte sein Publikum mit Kuriosem, lieferte Fakten und bezog seine zahlreichen Zuhörer dabei immer wieder ein.

Er warf Zahlen in den Raum und fragte so Ereignisse, geografische Besonderheiten oder einfach nur die Anzahl der belgischen Chocolatiers ab: Laut Müllender sind es 320. Und wer die Antwort auf eine besonders schwierige Frage wusste, wurde mit einem „Macaron“ belohnt. So wurde dieses Gebäck zur Währung des Abends. Pralinen, Pommes frites, Bier und Wein: Jede belgische Spezialität behandelte Müllender mit der gebührenden Hochachtung, und dass er in der Pause zu belgischem Bier und Wein einlud, kann da nicht wirklich verwundern. Unter dem Aachener Publikum vermutete er jede Menge Kenner mit Blick auf das Nachbarland. „Ach, das wissen Sie natürlich schon“, warf er hier und da ein.

„Belgien macht mich neugierig“, sagte er an einer Stelle und infizierte sein Publikum genau mit dieser Neugierde. Die Schimpfe, die das Land nach dem Terroranschlag 2016 habe aushalten müssen, habe ihn veranlasst, Belgien so darzustellen, wie er es sieht. „So sind beide Bücher gewissermaßen die Folge des islamischen Terrors“, sagte er.

Leidenschaft für Briefkästen

In „100 Orte in Ostbelgien und Umgebung“ zeichnet er ein lebendiges Bild von Ostbelgien und dem Charakter seiner Bewohner. Und die vielen Fotos helfen dabei, sich ein klares Bild zu machen. Brüssel sei ein Schmelztiegel der Kulturen, hatte er schon eingangs gesagt, und Belgien sei damit so etwas wie der Vorläufer der EU.

International, aufgeschlossen und europäisch vorbildlich: So beschrieb er den Nachbarstaat und lieferte dann auch noch den Beweis für einen ganz besonders sympathischen Zug der Belgier: ihre Leidenschaft für Briefkästen. Unglaublich sind der Einfallsreichtum und die Vielfalt der Lösungen, die sie für dieses eigentlich doch so simple Behältnis finden. Und auch in diesem Fall machen erst die vielen Fotos die Sache wirklich rund.

Das Buch „100 Orte in Ostbelgien und Umgebung“ von Bernd Müllender ist im Grenz-Echo-Verlag erschienen und für 15 Euro im Buchhandel erhältlich.

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