Aachen: Automat gesprengt: Trümmer fliegen quer über Vaalser Straße

Aachen: Automat gesprengt: Trümmer fliegen quer über Vaalser Straße

232 Geldautomaten hat die Sparkasse Aachen in der Region. Seit 3.15 Uhr in Nacht zum Mittwoch sind es nur noch 231. Da flog nämlich mit einem Riesenknall das kleine Geldhäuschen an der Vaalser Straße, kurz vor der Grenze, in die Luft — herbeigeführt von bisher Ungekannten, die aus dem ebenfalls völlig demolierten Tresor eine Geldkassette erbeuteten.

„Das war eine sehr, sehr laute Explosion. Ich bin aus dem Schlaf gerissen worden und habe nur gehört, wie die Täter weggefahren sind. Das ging alles sehr schnell“, schildert der 30-jährige Anwohner des dahinter liegenden Wohnhauses die nächtlichen Erlebnisse.

Zeugen beobachteten, wie drei bis vier Täter vermutlich in einem Audi A6 Avant mit auffällig vielen Auspuffrohren vom Tatort in Richtung Holland flüchteten. Die Vaalser Straße, auf der die Trümmerteile bis auf die andere Seite geflogen waren, wurde bis zum Morgen zur Tatortaufnahme und Spurensicherung gesperrt und war erst um 6.30 Uhr wieder befahrbar. Der Verkehr wurde stundenlang umgeleitet, was zu Beinderungen führte. Glücklicherweise wurde durch die Sprengung niemand verletzt.

Eine sorfort eingeleitete Fahndung, auch jenseits der Grenzen, blieb bislang noch ohne Ergebnis. Über die Höhe der Beute machen die Polizei und die Sparkasse keine Angaben.

Vergleichbare Überfälle hatte es in den letzten Jahren immer wieder gegeben. Im Oktober letzten Jahres hatten mehrere Täter einen Geldautomaten im niederländischen Gulpen geknackt. Sie waren mit einem Auto in das Gebäude gefahren, hatten den Automaten gerammt und den Pkw anschließend angezündet und brennend zurückgelassen. Bei der Sprengung von zwei Geldautomaten in Mönchengladbach 2007 hatten Unbekannte einen sechsstelligen Betrag erbeutet. Im Februar 2013 war die Höfener Filiale der Sparkassen überfallen worden, die bewaffneten Täter flüchteten in einem dunklen Wagen mit niederländischem Kennzeichen.

Das kleine Gebäude an der Vaalser Straße, etwa drei mal drei Meter groß, bot am Morgen einen Anblick völliger Zerstörung. Die Außenmauern sind zehn Zentimeter nach außen gedrückt und weisen viele Risse auf. Innen steht das Herzstück, der Tresor, offen, er ist ebenfalls aus der Verankerung gerissen.

Haus muss abgerissen werden

Noch am Morgen beginnt der Abriss des Häuschens, das stehen geblieben war, als die Filiale im Erdgeschoss des dahinter liegenden Hauses 2005 geschlossen worden war. „Das hätte auch böse ins Auge gehen können hier. Das ist doch lebensgefährlich“, kommentiert der Fahrer eines Lkw, der kurz vor 9 Uhr einen Container vorbeibringt, im dem die Trümmer verfrachtet werden. Die 20 Zentimeter dicken Gipswände brauchen kaum kleingeschlagen zu werden: Die gewaltige Detonation hat ganze Arbeit geleistet.

Gegen 10 Uhr kommt auf einem Spaziergang eine Gruppe des Kindergartens St. Konrad vorbei, eine Erzieherin war durch die Sperrung der Straße auf den Fall aufmerksam geworden: „Das Häuschen ist ganz kaputt, seht ihr das“, machte sie die Jungen und Mädchen auf die desolate Situation aufmerksam.

Noch unklar war bis zum Nachmittag, wodurch die heftige Sprengung herbeigeführt worden ist. Polizeisprecherin Iris Wüster: „Wir ermitteln, ob Gas verwendet worden ist.“ Ebenfalls noch nicht geklärt ist, ob das Häuschen wieder aufgebaut wird und dort wieder ein Geldautomat aufgestellt wird. Sparkassen-Sprecher Erich Timmermanns: „Wir wollen den Service erhalten und vor Ort bleiben. Wir müssen aber sehen, was dort baulich möglich ist.“