Aachen: „Autofasten“ des Bistums: Eine Stadtführung der alternativen Art

Aachen: „Autofasten“ des Bistums: Eine Stadtführung der alternativen Art

Stadtführungen können auch ohne Dom, Rathaus und Theater auskommen — zumindest jene der Aktion „Autofasten“ des Bistums Aachen. Da ging es nämlich einmal nicht um die üblichen Sehenswürdigkeiten der Kaiserstadt, sondern um alternative Fortbewegungsmittel im Zentrum. Und selbst alteingesessene Bürger konnten bei dieser Führung am Samstag noch neue Seiten an ihrer Stadt kennenlernen.

Etwa, wie es ist, mit einem der elektrischen Fahrräder von Velocity durch die Gassen zu kurven. Die meisten Teilnehmer der informativen Stadtführung kannten zwar die überall aufgebauten Fahrradladestationen, aber selbst gefahren sind sie zum ersten Mal — und hatten sichtlich Spaß dabei. „Auch mit Unternehmen sind wir derzeit oft im Gespräch, damit Mitarbeiter die Räder für den Weg zur Arbeit nutzen können“, erklärte Florian Zintzen von Velocity Aachen. Die Firmen müssten dann zwar die Kosten für die Einrichtung der Fahrradstation tragen, dafür gebe es danach günstigere Konditionen für Mitarbeiter.

Alles elektrisch: Ob Leih-Pedelecs von Velocity oder das Lastenrad „K.A.R.L.“ — es gibt viele Möglichkeiten, ohne Verbrenner durch die Stadt zu kommen. Foto: Ralf Roeger/Harald Krömer/Colourbox

Vandalismus und Diebstahl seien hingegen kaum ein Problem bei den Velocity-Fahrrädern. „Bei 28 Kilo Gewicht macht es einfach keinen Spaß, damit zu fahren, wenn die Batterie leer ist“, so Zintzen. Thema war auch der Hybrid-Bus der Aseag, mit dem es zu Beginn der Führung vom Hauptbahnhof zum Westbahnhof ging. Der ist zwar schon seit drei Jahren auch im regulären Einsatz, wie Aseag-Mitarbeiter Holger Filipowicz erklärte, aber dieser wird wohl der einzige in der Busflotte bleiben. „Inzwischen ist die Technik darin bereits überholt, und wir setzen jetzt auf die vollelektrischen Busse.“

Der Hybrid-Bus fährt zwar ebenfalls mit elektrischem Strom, allerdings stammt dieser von einem Diesel-Motor, der sich immer mal wieder während der Fahrt anwirft. Für die neuen Anforderungen seien die Emissionseinsparungen aber zu gering, sagte Filipowicz. Und wer trotz „Autofasten“ nicht ganz auf ein Auto verzichten will, hat schließlich noch die Möglichkeit, auf Car-Sharing zurückzugreifen.

„Bei vielen Leuten muss allerdings erst das eigene Auto kaputtgehen, bis sie dazu kommen, das einmal auszuprobieren“, sagte Claire Chadenas, Leiterin des Kundenservice bei Cambio Aachen. Dennoch scheinen gerade dies immer mehr zu tun: von den rund 160 ausleihbaren Fahrzeugen, die in Aachen zur Verfügung stehen, sei jedes im Schnitt acht Stunden pro Tag im Einsatz. Darunter sind inzwischen auch immer mehr elektrische Modelle.

Wer viel Platz braucht und dennoch lieber auf zwei Rädern unterwegs ist, für den bietet das Lastenfahrrad „K.A.R.L.“ eine Möglichkeit dazu. „Es ist zwar etwas schwerfällig zu fahren und hat einen riesigen Wendekreis, aber es kann auch ganze sechs Bierkisten transportieren“, so Axel Jansen von der Bleiberger Fabrik. Dort kann das Rad nämlich nach vorheriger Reservierung kostenlos ausgeliehen werden.

Und ja: Auch dieses hat einen elektrischen Antrieb zur Unterstützung. Man braucht also, das wurde bei dieser Führung deutlich, in Aachen inzwischen schon gute Ausreden, warum man diese Palette an neuen Möglichkeiten nicht nutzen sollte.

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