Auszug aus dem Frauenhaus scheitert oft an Wohnungsmangel

Frauenhaus-Leiterinnen appellieren an Vermieter : Ohne Wohnung ist der Neuanfang schwierig

Die angespannte Lage auf dem Wohnungsmarkt macht auch den beiden Frauenhäusern in der Städteregion zu schaffen. Viele der Frauen, die in den Häusern des Sozialdienstes katholischer Frauen in Aachen oder des Diakonischen Werkes im Kirchenkreis Aachen in Alsdorf Schutz vor Gewalt in ihrer Beziehung gefunden haben, müssen länger als sie wollen und als nötig wäre in den Frauenhäusern bleiben, weil sie keine bezahlbare Wohnung finden.

Die beiden Leiterinnen Hülya Gökgöz-Corsten (Aachen) und Renate Wallraff (Alsdorf) appellieren deshalb an Hauseigentümer, den Frauen eine Chance zu geben, alleinstehenden ebenso wie Frauen mit ihren Kindern.

„Das sind ganz normale Frauen“, betont Hülya Gökgöz-Corsten mit Blick auf die Sorgen, die manch ein Vermieter vielleicht haben mag. „Sie hatten den Mut, alles hinter sich zu lassen, um aus der Gewaltbeziehung rauszukommen.“ In den Frauenhäusern haben sie mit Unterstützung der Teams für sich und ihre Kinder neue Perspektiven erarbeitet, haben Selbstwertgefühl entwickelt und vielleicht berufliche Perspektiven. Wenn sie in eine eigene Wohnung ziehen, erhalten sie weiter Unterstützung von den Fachfrauen der beiden Frauenhäuser.

„In Aachen sind zurzeit etwa 30 ehemalige Bewohnerinnen in der Nachbetreuung“, berichtet Hülya Gökgöz-Corsten. „Wir haben beispielsweise eine frühere Bewohnerin, die holt gerade ihr Abi nach, hat einen Einser-Durchschnitt. Wenn man ihre Biografie kennt und weiß, dass sie als Kind miterlebt hat, wie ihre Mutter Gewalt erfahren hat, und dann selbst Gewalt erfahren hat, weiß man, was sie da leistet.“

Auch im Alsdorfer Frauenhaus ist der Auszug aus dem Haus nicht das Ende der Begleitung, sagt Renate Wallraff. „Wir sind ja auch Beratungsstelle, wir bauen ein Netzwerk für die Frauen auf. Wir sorgen dafür, dass die Kinder und Frauen gewaltfrei leben können.“

Wie angespannt die Lage auf dem Wohnungsmarkt für die Frauen ist, zeigen folgende Zahlen: In Aachen musste im vergangenen Jahr fast ein Drittel der Bewohnerinnen bis zu sechs Monate im Frauenhaus bleiben (Alsdorf: 10,7 Prozent), 7,5 Prozent sogar bis zu einem Jahr (Alsdorf: keine). 45 Prozent der Frauen aus dem Aachener Frauenhaus schafften schließlich den Weg in ein neues Leben mit eigener Wohnung, in Alsdorf waren es 14 Prozent. Die anderen Frauen kehrten entweder in die alte Wohnung zurück, zogen zu Freunden oder Verwandten oder in eine andere soziale Einrichtung. Insgesamt fanden 2018 in den beiden Frauenhäusern 114 Frauen und 104 Kinder Zuflucht, Schutz und Hilfe.

Renate Wallraff und Hülya Gökgöz-Corsten betonen: Auch wenn es immer wieder Phasen gebe, in denen beide Häuser voll belegt seien, sollten sich Frauen in Not an ein Frauenhaus wenden. Denn die Häuser arbeiten landesweit eng zusammen. Es gebe immer eine Möglichkeit für eine vorübergehende Unterbringung.

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