Auszubildende diskutieren mit dem Pflegebevollmächtigten

Kranken- und Altenpflege : Auszubildende fordern schnelle Lösungen

150 Alten- und Krankenpflegeschülerinnen haben in Würselen mit dem Pflegebevollmächtigten der Bundesregierung diskutiert. Sie fordern die schnelle Beseitigung von Missständen.

In kaum einem Politikfeld ist in den vergangenen eineinhalb Jahren so viel auf den Weg gebracht worden wie im Bereich Kranken- und Altenpflege. Die dafür Verantwortlichen wie der Bevollmächtigte der Bundesregierung für Pflege, Andreas Westerfellhaus, sind stolz auf das Erreichte. Vielen in der Pflege Tätigen gehen die Veränderungen jedoch nicht schnell genug. Das wurde am Montag bei einer Diskussionsrunde zur Zukunft der Pflege deutlich. Westerfellhaus und die SPD-Bundestagsabgeordnete Claudia Moll (Eschweiler) stellten sich im Rhein-Maas-Klinikum Würselen den Fragen und der Kritik von 150 Kranken- und Altenpflegeschülerinnen und -schülern.

In der Analyse dessen, was nicht gut läuft, waren sich die Auszubildenen und die beiden Vertreter der Politik weitgehend einig: Es gibt zu wenig Pflegekräfte, weshalb es zu Überlastung kommt und etliche Fachkräfte vorzeitig aus dem Beruf ausscheiden; die Praxisanleitung für Auszubildende lässt aufgrund des Personalmangels beziehungsweise unzureichender Personalausstattung zu wünschen übrig; Pflegekräfte werden schlecht bezahlt; es gibt keinen Grund, weshalb man in der Altenpflege im Schnitt 500 Euro weniger verdient als in der Krankenpflege; es fehlt an Wertschätzung; qualifizierte Fachkräfte dürfen anders als in vielen anderen Ländern nicht autonom arbeiten; das Gesundheitssystem setzt bei der Finanzierung von Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen falsche Anreize. Kurz: Die Rahmenbedinungen für gute Pflege stimmen nicht.

Aber es ist nicht leicht, Strukturen zu verändern, räumten Moll und Westerfellhaus ein. Man sei jedoch auf einem guten Weg, erklärten sie mit Verweis auf eine ganze Reihe von Maßnahmen, die unter Gesundheitsminister Jens Spahn, zum Teil in Kooperation mit dem Familien- und dem Arbeitsministerium, auf den Weg gebracht worden sind. Dazu zählen etwa das Pflegepersonal-Sofortprogramm und die Konzertierte Aktion Pflege mit den fünf Schwerpunktthemen Ausbildung, Arbeitsmodelle, Digitalisierung, Anwerben von Fachkräften aus dem Ausland und nicht zuletzt Einführung eines Tarifvertrages Pflege, an den sich dann alle Arbeitgeber halten müssen, privatwirtschaftlich orientierte ebenso wie gemeinnützige Unternehmen.

Jeder dieser fünf Schwerpunkte beinhalte eine ganze Reihe von Einzelthemen, die zusammen mit Kooperationspartnern angegangen werden müssen. Das alles dauere, warb Westerfellhaus um Verständnis dafür, dass er keine schnellen Lösungen gibt.

Kritische Fragen unerwünscht?

Das fordern die Auszubildenden jedoch ein. Und sie wünschen sich, dass ihre Verbesserungsvorschläge in der Politik, aber auch bei ihren Arbeitgebern mehr Gewicht bekommen. Stattdessen erleben viele offenbar, dass ihre kritischen Fragen unerwünscht sind. Trotzdem sollten sie nicht aufhören, sich zu engagieren, bat Claudia Moll.

Dass mit ihr und Westerfellhaus „erstmals Leute in der Politik sind, die selbst aus der Pflege kommen“, stimmt Thomas Kutschke, Geschäftsführer des städteregionalen Bildungszentrums für Pflege und Gesundheit (BZPG), optimistisch für die Zukunft. Er selbst bringt seine Ideen unter anderem im Pflegerat Nordrhein-Westfalen ein.

www.pflegebevollmaechtigter.de

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