Aachen: Ausstellung über die Sehnsucht nach Natur und Wildnis

Aachen : Ausstellung über die Sehnsucht nach Natur und Wildnis

Die Zärtlichkeit der Wisente berührt. Sanft kuscheln die beiden gewaltigen Tiere sich aneinander, zeigen ihre Liebe und Fürsorge. Überrascht nimmt der Betrachter, der von der Wucht und Kraft der Kolosse weiß, die sanften Gesten wahr und freut sich über das Gefühl von Nähe und Geborgenheit, das die beiden ausstrahlen.

Mit ihren rund zwanzig Tierportraits zeigt die Roetgener Malerin Edith Bachmann eine kleine Retrospektive ihrer Tiermalerei der vergangenen Jahre, die sich zunehmend von naturalistischen Darstellungen zugunsten von Abstrahierungen gelöst hat. Ihr geht es nicht um fotorealistische Gemälde gewaltiger Tiere wie Elefanten, Wisente oder Hirsche und Rentiere, sondern um das Sichtbarmachen von Charakter und Seele.

Der Betrachter spürt den Respekt vor der Tierpersönlichkeit als wissendem und fühlendem Wesen, das sich in seiner Scheu von Menschen eher fernhält. Umso intensiver sind die Einblicke, die Edith Bachmann mit ihren Bildern, die sie meist Darstellungen in alten Büchern und Zeitschriften nachempfindet, gewährt.

Grundsätzlich malt die Künstlerin ihre Tierbilder auf schweren, fast sackartig groben Leinwänden, die viel Farbe schlucken, aber ihre Struktur nicht aufgeben und gut zu den erdigen und warmen Dunkeltönen der Tiere passen. Sie vertiefen ihre Charaktere, ihre Wildheit und umhüllen sie mit einer gewissen Mythologie, die die Sehnsucht des Betrachters nach Natur und Wildnis anspricht.

Dunkel und klar hängen die meist großen Formate in dem strahlend weißen Raum der Galerie des Kulturwerks und faszinieren bereits auf den ersten Blick. Hirschrudel und Rentiere, Wisente, Watussi-Rinder, Pferde, ein Adler und andere mächtige Charaktere präsentieren sich in Öl als Botschafter von Natur und Fähigkeiten, die Menschen einfach nur bewundern können.

Bisweilen schwingt eine gewisse Überhöhung mit, die zu Zeiten des Artensterbens, Naturkatastrophen und Schwinden von Lebensräumen allerdings nicht falsch ist. Dann wird das wilde Tier zum Nachfolger des einst verehrten „Edlen Wilden“ aus fremden Völkern, der aber doch keine besserer Menschen war.

Zu sehen ist die überaus beeindruckende Tiermalerei noch bis zum 2. Oktober in den Aachen Arkaden, Trierer Straße 1, 1. Etage, montags bis samstags von 13 bis 19 Uhr. Edith Bachmann zeigt ebenfalls Arbeiten in der Gruppenausstellung „schwarz-weiß“ im Softwarehaus gypsilon, Pascalstraße 71, bis zum 11. Oktober.

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