Aachen: Ausstellung: Himmelsziegen im Schaufenster, Geld an der Wand

Aachen : Ausstellung: Himmelsziegen im Schaufenster, Geld an der Wand

Um Geld geht es gleich zwei Mal in der großen Gruppenausstellung „April April“, an der sich 25 Künstler beteiligen.

Sowohl Gabriele Prill als auch Petra Ostré beschäftigen sich mit materiellen Werten und Wertigkeiten an sich — erstere anhand einer Wandinstallation, in der Geld und Briefmarken aus früheren Zeiten, die heute wertlos sind sowie Postkarten, die ihr Vater aus russischer Kriegsgefangenschaft nach Hause schrieb, eine zentrale Rolle einnehmen.

Wie wertvoll sind alte Werte, und wie wandeln sich Werte? Um die drohende Abschaffung von Bargeld und damit weiterer Kontrolle von Menschen geht es Petra Ostré mit ihren 80 neuen blauen Kreditkarten, die stimmige bis absurde Statements zu Kunst, Geld und Freiheit präsentieren. Hierzu hat sie eine eigene Kreditkarte verfremdet und politische Kunst auf Kleinstformat hergestellt.

Angesichts der Düsternis des drohenden Freiheitsverlusts rückt eine dunkle Landschaft, gezeichnet wie in Vorkriegszeiten, ins Auge. Meisterhaft hat der junge Künstler Alexander Kreus den gängigen Stil zwischen den beiden Weltkriegen aufs Blatt gebracht und ebenso gerahmt. Dann meldet sich der Führer leibhaftig, von Karl von Monschau um einen teuren Trenchcoat aus einer Werbung gemalt. Keinen gelungenen Lifestyle, sondern eine Innenschau mit Tendenz zur Orientierungslosigkeit zeigt ein großes Porträt des Malers Udo Sturm, das in stillen Weiß-Grau-Tönen hoch oben im ersten Raum der Galerie hängt. Es korrespondiert nicht mit dem Geld, dem Führer und der Düsternis des Waldes, sondern mit der weißen Wand und dem freundlichen Esel, den Ela Schwartz als große graue Bleistiftzeichnung mit einem Hauch von Farbe gefertigt hat.

Neu und anders

Neu und anders zeigt sich eine Arbeit der Malerin Monika Petschnigg, die mit viel Weißraum Raum für Projektionen lässt. Nicht projizieren lassen sich die Dias, die keine sind, sondern lediglich Rähmchen für Fotos, die Ereignisse aus dem Leben der Fotografin Anett Hoffmann in den letzten sechs Wochen zeigen. Alte Super-8-Filme von 1978 reinszeniert Doro Flatau, einen alten, nahezu blinden Spiegel macht Peter J. M. Schneider zum Kunstobjekt.

Jung, frech und provokant geben sich die Ausstellungen der Produzentengalerie Artikel 5, die auch für ihre unkonventionellen Hängungen viel Aufmerksamkeit erhält. Befremdlich krabbeln große Insekten-Objekte von Susanne Ane­müller über die Wände, unterkühlend weisen silbrig-weiße, futuristisch-technisch anmutende Arbeiten von Thomas Bauer die Betrachter zurück. Harmlos sind noch nicht einmal die „Himmelsziegen“ im Schaufenster — kleine, aber schwere Vögel aus dickem, schwarzen Metall.

Die Ausstellung hängt und steht noch bis zum 27. Mai an der Bahnhofstraße 33 und kann freitags von 17 bis 19 Uhr und samstags von 14 bis 17 Uhr sowie nach Vereinbarung unter Telefon 0178/7617852 betrachtet werden.

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