Aachen: Ausstellung: Gewerkschaften auf dem Weg in die Katastrophe

Aachen: Ausstellung: Gewerkschaften auf dem Weg in die Katastrophe

In Kürze steht der 80. Jahrestag der Zerschlagung der deutschen Gewerkschaftsorganisationen an. Aus diesem Anlass zeigt der Deutsche Gewerkschaftsbund bis zum 3. Mai die Ausstellung „Gerade dich Arbeiter, wollen wir“ im Foyer des Technologiezentrums neben dem Gewerkschaftshaus.

Nach der Machtübernahme hatten die Nationalsozialisten bekanntlich nichts Eiligeres zu tun, als die einzige Organisation zu eliminieren, die ihnen noch gefährlich werden konnte. Mit der ihnen eigenen perfiden Symbolik wählten sie dafür den 2. Mai, nachdem sie einen Tag zuvor den ehemaligen Kampftag der Arbeiterklasse zu dem gemacht hatten, was er im Prinzip heute noch ist, nämlich Tag der Arbeit, nicht der Arbeiter. In Aachen geschah das mit billigem Bier auf dem Bendplatz.

Die sozialdemokratisch geführten Gewerkschaften waren willige Helfer dabei, nachdem sie sich schon vorher faktisch aufgegeben hatten. Für die Geschichtsschreibung der Gewerkschaften und der SPD ist das keine einfache Situation. So hatte man zur Ausstellungseröffnung den Referenten Stefan Müller, ehemals Stipendiat der gewerkschaftlichen Hans-Böckler-Stiftung geladen, der einen wissenschaftlichen Vortrag über jene Tage hielt.

Er trug Thesen und Unterthesen vor, allerdings sprach die eher überschaubare Zahl der Erschienenen nicht gerade dafür, dass solche Themen noch einen großen Stellenwert haben.

Endpunkt einer Fehlentwicklung

Der Schritt in die Katastrophe, so Müller, sei nur der Endpunkt einer Fehlentwicklung der Gewerkschaften gewesen, die ihren Klassenstandpunkt längst aufgegeben hatten, die reale Entwicklung verleugneten und selbst zu dem Zeitpunkt, als Hitler schon an der Macht war, zu Ruhe und Ordnung statt zum Generalstreik aufriefen.

Ideologisch garniert wurde das mit der heute noch offiziösen These vom Zerreiben der Republik zwischen Links und Rechts, die damals von der SPD erfunden und plakatiert wurde — solange sie noch plakatieren durfte. Wirklich zerrieben wurde allerdings die Gewerkschaftsbewegung und nacheinander alle diejenigen, die zusammen die Katastrophe hätten verhindern können. Die spätere Einheitsgewerkschaft war eine der in Ost und West unterschiedlichen Schlussfolgerungen aus diesem Versagen.

In der Diskussion ging es vornehmlich um die Frage, ob man hätte wissen können, wie das endet und wie sehr Geschichte sich wiederholt oder auch nicht.

Farbe brachte Aachens bekanntester Altkommunist Hein Kolberg in das Geschichtsseminar. Als Veteran, der diese Zeit noch erlebt hat, wies er darauf hin, dass die deutsche Arbeiterbewegung damals die stärkste in Europa war und die Nazis hätte schlagen können. Tatsächlich aber seien schon kurz nach der Machtergreifung die Kommunisten in der Aachener Peterstraße zusammengeschlagen worden, „und das Volk hat zugeguckt, auch die Gewerkschafter, aber 1945 waren wir dann die Schuldigen.“ Das müsse für heute eine Warnung sein, immerhin seien in den letzten Jahren schon wieder 150 Menschen von Neonazis ermordet worden.