Ausstellung auf dem Aachener Willy-Brandt-Platz

Reise durch den Islam : Muslime werben für Auseinandersetzung mit ihrem Glauben

Die islamische Gemeinde „Ahmadiyya Muslim Jamaat“ will neugierig machen auf den muslimischen Glauben und zum Denken anregen, ohne jemanden vor den Kopf zu stoßen. Bald beginnt eine Ausstellung der Aachener Gemeinde unter dem Titel „Eine Reise durch den Islam“.

Nach der Kampagne „Wir sind alle Deutschland“ im vergangenen Jahr setzt die islamische Gemeinde „Ahmadiyya Muslim Jamaat“ die jetzt ein wenig mehr auf Provokation: „Der Messias ist da“ lautet der Titel und könnte im christlich geprägten Deutschland zumindest Verwirrung, vielleicht sogar deutliche Gegenwehr hervorrufen. Vor den Kopf stoßen wollen die Ahmadi-Muslime allerdings niemanden. Eher ins Gespräch kommen mit allen Neugierigen und Kritikern, um ihnen ihre Sichtweise auf den Islam nahe zu bringen.

Ablehnung von Zwang und Gewalt

Mission will das Mahmood Malhi, Imam und Theologe der Ahmadiyya-Moschee in Köln, nicht unbedingt nennen. „Geschichtlich gesehen hat Mission ja eher was mit Zwang zu tun“, meinte er. „Wir wollen unsere Botschaft verbreiten.“ So wie schon der Prophet Mohammed beauftragt wurde, seine Botschaft zu verkünden, Gott ihm aber auch gesagt habe: „Du bist kein Wächter über sie.“ Zwang oder Gewalt lehnten die Ahmadi-Muslime rundweg ab.

Die Botschaft dieser besonderen muslimischen Glaubensgemeinschaft, die sich seit 2015 auch in Aachen in einer eigenen Moschee in der Feldstraße trifft, steckt genau im Kampagnentitel: Während alle großen Religionen auf die Ankunft (Judentum und sunnitischer, wie schiitischer Islam) oder die Wiederkehr des Messias (Christentum) warteten, sei er in Gestalt des Ahmadiyya-Gründers Hadhrat Mirza Ghulam Ahmad bereits erschienen. Das war im Jahr 1889 in Indien. „Seine von Gott gegebene Aufgabe war es, den Kontakt zwischen Menschen und Gott wieder herzustellen und die Menschen untereinander zusammenzubringen“, erläutert Malhi.

In Deutschland hat die „Ahmadiyya Muslim Jamaat“-Gemeinde 45.000 Mitglieder in 250 Gruppen, die sich in 53 Moscheen und Gebetshäusern versammeln. In Aachen gibt es nach Angaben der Gemeinde 270 Mitglieder. Die Glaubensgemeinschaft ist in Hessen und Hamburg Körperschaft des öffentlichen Rechts, was den meisten islamischen Gemeinden bisher verwehrt geblieben ist. In weiteren Bundesländern läuft der Antrag auf Anerkennung. Imame und Theologen werden in eigenen Ausbildungseinrichtungen in Deutschland ausgebildet. In den Moscheen predigen sie auf Deutsch. Gläubige – Männer wie Frauen – werden vor allem zu Bildung angehalten.

Weltweit vertreten werden Ahmadi-Muslime von dem fünften Kalifen (Nachfolger) Hadhrat Mirza Masroor Ahmad, der in England lebt. Er predigt die Unantastbarkeit der Menschenwürde, die Liebe und Loyalität zum und den Dienst am Land, in dem die Gläubigen leben, Solidarität gegenüber anderen Religionen und Gehorsam gegenüber der Regierung. „Das bedeutet für uns, dass wir niemals gegen die Gesetze des Staates verstoßen dürfen“, sagt Malhi. „Wenn wir anderer Meinung sind oder in unserer Religionsfreiheit eingeschränkt werden, suchen wir nur den friedlichen Diskurs.“ Terrorismus sei im Islam nicht vorgesehen. Und Terror kenne keine Religion.

Probleme mit anderen Muslimen

Zugleich stehe es nicht in ihrer Macht, Muslimen das Muslimsein abzusprechen. Auch da verweist Malhi auf den Propheten Mohammed: „Jeder, der sich als Muslim bezeichnet, ist einer.“ Gott entscheide später über seine Taten. „Und Gerichte müssen das auf Erden tun.“ Ihnen selbst wird allerdings sehr wohl abgesprochen, „echte“ Muslime zu sein: Alle islamischen Verbände verweigern den Ahmadi-Muslimen die Anerkennung. In Pakistan – lange Zeit Hauptsitz der Glaubensgemeinschaft – ist ihnen die Ausübung ihrer Religion gesetzlich verboten.

Das hält sie allerdings nicht ab, für ihre Auslegung des Korans und der Sunna, für die Theologie ihres Gründers auch in Aachen zu werben: Mit Flyer-Aktionen in der Innenstadt, mit einem eigenen Fernsehsender, mit einem Youtube-Kanal und an einer kostenlosen Rund-um-die-Uhr-Hotline (Tel. 0800-2107758). Kritische Anfragen seien jederzeit erwünscht.

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