Aachen: Ausgebrannte Halle: Ein wirtschaftlicher Totalschaden

Aachen: Ausgebrannte Halle: Ein wirtschaftlicher Totalschaden

„Schrecklich, da ist nichts mehr zu retten.” Gerold König, Geschäftsführer des Rheinischen Vereins für Katholische Arbeiterkolonien, hatte übers Wochenende und am Montag viel zu tun. Er muss mit seinen Leuten die Folgen des Großbrandes vom Freitag im Gewerbegebiet Auf der Hüls schultern, und die sind schlimm genug.

60 Menschen sind im völlig ausgebrannten Arbeitslosenprojekt „Spectrum” tätig, Angestellte, Meister, Sozialarbeiter oder Teilnehmer an Qualifizierungsmaßnahmen. „Alle standen am Freitagabend vor einem Scherbenhaufen, weil die Perspektive weg war.”

Besonders hart traf es die sechs Azubis: „Sie standen tränenüberströmt da.” Die ausgebrannte Werkhalle an der Schönebergstraße bietet ein Bild völliger Zerstörung. Scheiben und Rolltor teilweise geplatzt oder geschmolzen, der Deckenbeton in der Schreinerei bis zu 15 Zentimeter abgeplatzt, die Werkbänke, Bohrmaschinen, Fräsen oder Gabelstapler nur noch Schrott. „Der hintere Teil der Halle ist wirtschaftlicher Totalschaden,” bringt es Gerold König auf den Punkt.

Nur noch die Bodenplatte kann genutzt werden, allein den „baumäßigen Schaden” beziffert er auf 1,4 Millionen Euro. Den kann er auch deshalb so gut schätzen, weil die Halle erst am Donnerstag nach zwei Jahren Umbauarbeiten eingeweiht worden war. Der Werkstattbereich war generalsaniert worden, zusätzlich waren ein Verwaltungstrakt und Sozialräume errichtet worden. Dabei hatten die Beschäftigten selbst kräftig mit Hand angelegt.

Spezialtüre hielt stand

Dass es nicht noch schlimmer gekommen ist, wird auf die Brandschutzmaßnahmen zurückzuführen sein. So haben eine Schutzwand und eine spezielle Türe verhindert, dass die Flammen auf den vorderen Verwaltungstrakt übergegriffen. Projektleiter Bernhard Preuß: „Das ist unvorstellbar.” Bis zu 1000 Grad Hitze hat nämlich im Schreinereibereich geherrscht, schätzen die Verantwortlichen. Entstanden ist das Feuer, das am Freitag kurz nach 17 Uhr ausgebrochen war, nach Erkenntnissen der Kripo durch einen technischen Defekt.

Gerold König: „Ein technischer Schwelbrand in der Späneanlage, der typische Schreinereibrand.” Ausgebrochen ist er wahrscheinlich schon gegen 15 Uhr, möglicherweise durch bei der Holzverarbeitung entstandene Erwärmung von Holzabfällen. Schmerzliches Einzelschicksal: Eine Mitarbeiterin stand kurz vor der Prüfung und hatte ihr Gesellenstück fast fertig. König: „Zwei Monate Arbeit liegen da drin.”

Auch Weihbischof Johannes Bündgens, der das renovierte Gebäude noch am Tag zuvor eingeweiht hatte, und Caritasdirektor Burkhard Schröders hatten dem ausgebrannten Gebäudetorso, in dem bis 22.15 Uhr immer wieder Glutnester aufflammten, am Freitagabend einen Besuch abgestattet. König: „Sie waren erschüttert.”

Doch trotz aller Zerstörung: Es gibt auch Zeichen der Hoffnung. Geschäftsführer König: „Wir haben am Freitagabend schon ganz viel Solidarität von anderen Arbeitslosenprojekten erfahren. Es ist toll zu spüren, dass wir uns in einem sozialen Netzwerk befinden.” So ist er guter Dinge, dass alle 60 Betroffenen in anderen Initiativen untergebracht werden: „Es scheint so, dass das gelingt.” Auf alle Fälle gilt das für die Auszubildenden: „Alle können weitermachen.” Das Alexianer-Krankenhaus stellt beispielsweise seinen Schreinereiraum zur Verfügung.

Denn Spectrum ist für die dort Tätigen mehr als eine Schreinerei oder Schlosserei gewesen. König: „Für die Menschen ist ein Stück Heimat weggebrochen.” Einige von ihnen hätten vorher auf der Straße gelebt: „Das war hier der Ort, wo ich gebraucht werde und tagsüber hingehen konnte.” Deshalb sei es ganz wichtig, dass die Arbeit mit Arbeitslosen weitergehen werde: „Keiner wird alleingelassen.”

Dafür sei allerdings wichtig, dass die Auftraggeber bei der Stange blieben. So waren in der Schreinerei gerade eine Schrankwand und Kindergartenmöbel in Arbeit, in der Schlosserei waren es etwa Treppengeländer für eine karitative Einrichtung. An die Kunden geht deshalb der dringende Appell der Spectrum-Vorantwortlichen: „Gebt uns nicht auf, wir kriegen das hin.” Gesucht werden noch Standorte, wo die Aufträge abgearbeitet werden können.

Am Montag gaben sich in der Schönebergstraße auch die Versicherungen die Klinke in die Hand. Da sei nichts Negatives zu erwarten, sagt der Geschäftsführer, von der Betriebsunterbrechungsversicherung bis hin zur Brandversicherung: „Dadurch, dass wir alles neu gemacht haben, war das vernünftig geregelt.”

Gelder gestrichen

Fraglich ist allerdings, ob das Qualifizierungsprojekt genauso wiedererrichtet wird, wie es am Freitag vom Feuer zerstört worden ist. Schließlich sei die Förderung im Bereich von Langzeitarbeitslosen fast völlig weggefallen. So werde man im Vorstand des Rheinischen Vereins erst einmal sorgfältige Überlegungen anstellen, „was sinnvoll und gut ist”. Wichtig sei nur, dass man für die Arbeitslosen weiter zur Verfügung stehen werde.