Kirche in der Krise: Aus der Abhängigkeit von Papst und Bischöfen

Kirche in der Krise : Aus der Abhängigkeit von Papst und Bischöfen

„Kirche in der Krise – wie ungeduldig müssen wir sein?“ Unter diesem Titel hatte die Gemeinschaft der Gemeinden St. Jakob ins Jakobushaus geladen.

Pfarrer Andreas Mauritz hatte das Gespräch jenseits der offiziellen Dialogformen des Bistums und der Bischofskonferenz angestoßen, denn die Krise treffe mittlerweile ganze Familien. Viele seelsorgerische Anfragen hätten mit der Kirchen- und Glaubenskrise zu tun.

„Ehen drohen zu zerbrechen, weil sich ein Partner von der Kirche abwenden will, für den anderen das aber nicht vorstellbar ist. Viele sind verzweifelt, traurig und ohne Orientierung“, erläuterte der Pfarrer von St. Jakob. Er wollte hören, was die Gläubigen umtreibt und womöglich Gleichgesinnte finden, denn auch er habe es „manchmal satt bis hier oben!“

Markus Offner, der das Generalvikariat als Leiter der Abteilung „Pastorale Grundfragen und Aufgaben“ auf dem Podium vertrat, verwies in seinem Eingangsstatement auf die Sonderrolle der deutschen katholischen Kirche: „Die Diskurse hier werden in anderen Teilen der Welt nicht geführt. Gleichzeitig befindet sich bei uns die gesellschaftliche Relevanz der Kirche im freien Fall.“

Peter Pappert, als Redakteur des Zeitungsverlags Aachen in der Rolle des Analysten, konstatierte, dass der von der deutschen Bischofskonferenz beschlossene „synodale Weg“ für die Bischöfe ein großer Schritt sei, „für die Basis aber das Minimum“. Jetzt komme es darauf an, dass die Anliegen der Gläubigen auch ihren Eingang in diesen angestrebten Veränderungsprozess fänden.

Der Rest des Abends gehörte dem Plenum, besetzt mit etwa 40 „Schafen“, wie Moderator und Pastoralreferent Hannes Peters die Katholiken und Katholikinnen aus verschiedenen Gemeinden ironisch nannte: Viele zeigten sich frisch ermutigt durch Bewegungen wie „Maria 2.0“ oder Initiativen zum Diakonat der Frau, auch wenn Bischof Helmut Dieser dies bislang nicht ernst nehme. „Deshalb brauchen wir mehr und andere Formen des Lautwerdens.“ Längst gehe es nicht mehr darum, die säkularisierte Gesellschaft von der Relevanz der katholischen Kirche zu überzeugen, sondern die engagierten Christen in der Institution Kirche zu halten. „Der Protest kommt so sehr aus der Mitte der Gemeinden.“ Manch einer wolle für die Institution Kirche nicht mehr gerade stehen. Die fehlende Glaubwürdigkeit wirke sich vor allem auf Jugendliche aus. „Sie wollen die Botschaft auch gelebt sehen. Und da passt bei der katholischen Kirche leider vieles nicht zusammen.“

Einen deutschen Sonderweg in der katholischen Weltkirche scheuten die Gläubigen indes nicht. „Wir können in der Diversität der Kirche leben.“ Dazu gehöre vor allem auch eine strukturelle Verfasstheit, die dem demokratischen System Deutschlands entspreche. „Kirche ist doch zuerst Gemeinschaft. Die Institution Kirche hat aber, anders als die Gesellschaft, den Feudalismus nicht abgelegt.“ Bislang lägen alle Entscheidungen zur Theologie, zu den Dogmen und dem Kirchenrecht beim Papst und den Bischöfen. Alle anderen müssten diese mittragen. Aber: „In dieser Abhängigkeit wollen wir nicht mehr leben!“ Vor allem, weil die vorgeschrieben Glaubens- und Lebensmoral an den Menschen vorbei gehe.

Mauritz fragt sich manchmal, „wann ich als Priester in den Streik treten soll“. Im Moment wohl noch nicht, aber er und 50 andere Priester des Bistums wollen konstruktiv ihre Stimme erheben – im Bistum und im synodalen Weg. Der Abend habe ihm dafür Mut gemacht. Das könnte auch für andere gelten: Die Schafe werden stetig lauter.