Aachen: Aus dem Theater eine Festung gemacht: Bollwerk gegen Kreuzritter

Aachen : Aus dem Theater eine Festung gemacht: Bollwerk gegen Kreuzritter

Not, so sagt man, mache erfinderisch. Die Zitadelle von Bosra, einer syrischen Kleinstadt südlich von Damaskus, ist dafür ein eindrücklicher Beleg. Denn um dem Ansturm der Kreuzritter in der Mitte des zwölften Jahrhunderts standzuhalten, bauten die ayyubidischen Herrscher das einstige römische Theater kurzerhand zu einer Festung aus. Diese hat die Aachener Gesellschaft für Burgenkunde nun als weiteren Teil des aktuellen Themenkomplexes zu Burgen und Basaren aus der Kreuzritterzeit als Holzmodell nachgebaut.

Es ist die erste muslimische Festung, zu denen die Aachener Burgenbauer die Skizzen und Pläne recherchiert haben, um sie schließlich detailgetreu nachzubauen. Fast ein Jahr Forschungsarbeit, Planung und Bauzeit stecken darin, und dazu gehört auch das Wissen um die gesellschaftlichen Begleiterscheinungen der damaligen Zeit.

Auf die Zitadelle mit ihrer ungewöhnlichen Entstehungsgeschichte stieß der Vorsitzende der Gesellschaft für Burgenkunde, Bernhard Siepen, 2005 bei einer Reise durch Syrien und Jordanien. Aus dieser Zeit stammt auch noch das Film- und Fotomaterial, das neben Bauplänen als Grundlage für das Modell diente — zumindest das, was noch vorhanden war. „Einige Details wie etwa die Höhe der Türme sind nur eine Hypothese, da diese im Laufe der Zeit teilweise stark zerfallen sind“, erklärt Siepen.

Zusammen mit dem Historiker Ulrich Alertz und seinem Sohn, Michael Siepen, hat er das Modell nach jenen Erkenntnissen nachgebaut, die sich heute noch nachvollziehen lassen. Dabei haben die Burgenbauer diesmal auf neueste Laserschneidtechnik für die Herstellung der einzelnen Holzteile zurückgegriffen. „Die Details sind bei diesem Modell manchmal so filigran, dass sie von Hand kaum zu schaffen gewesen wären“, so Siepen. Allerdings hat dieses Verfahren den Nebeneffekt, dass das Holz an den Schneidkanten verbrennt. Diese dunkle Färbung passe aber zu den historischen Gegebenheiten, wie er betont, da damals in dieser Region oft mit dunklem Basaltstein gebaut worden sei — so auch an der Festung.

Bis zur Zeit vor dem syrischen Bürgerkrieg war Bosra mit ihrer eigenartigen Zitadelle als Unesco-Weltkulturerbe ein beliebtes Ziel für Touristen. Danach fiel die Stadt jedoch in die Hände des „Islamischen Staats“ und wurde erst 2015 wieder zurückerobert. Wie es um die historischen Gebäude von Bosra heute bestellt ist, lasse sich deshalb nicht feststellen, sagt Siepen, und so ist auch der Zustand der Zitadelle noch ungewiss. Ihren ursprünglichen Zweck, die Kreuzritter abzuwehren, hat sie aber erfüllt: diese mussten nach zwei erfolglosen Belagerungen wieder abziehen.

(rhl)
Mehr von Aachener Nachrichten