Aufwertung für Driescher Hof in Aachen

Drei Bänke erzählen eine Geschichte : Kleine Dinge können große Freude machen

In Driescher Hof laden drei neue Sitzbänke zum Verweilen ein. „Na, und?“ Die drei Bänke antworten mit einer kleinen Geschichte. Sie handelt von den kleinen Dingen, die große Freude machen können und sie erzählt vom ehrenamtlich-bürgerschaftlichen Engagement und von Politikern und Mitarbeitern der Verwaltung, die sich kümmern.

Zwei der drei Neuen stehen in der Danziger Straße, übereck und 30 Meter vor der Einmündung in die Königsberger Straße. Hinter ihnen die Terrassen eines Eiscafés und eines kleinen Restaurants. Nach vorn geht der Blick weit über den Platz vor dem Gemeindezentrum „Christus unser Friede“ zu den Wohnhäusern und zur Trierer Straße rüber.

Nicht nur bei Sonnenschein kommt hier eine urban-idyllische Atmosphäre auf. Der Platz aber guckt verdrießlich. Er schämt sich, weil er außer dem schönen „Friedensbrunnen“ des Aachener Künstlers Bonifatius Stirnberg keinen Schmuck trägt. Er liegt phantasielos brach. Die Szenerie rettet auch „Christus unser Friede“ nicht – hinter einem schäbigen Bauzaun bröckelt das Gemeindezentrum abgesperrt und baufällig seinem Ende entgegen.

An diesem Platz aber stehen die neuen Bänke genau richtig. Anthrazitfarbene High-Tech-Dinger, Metall mit nichtrostender Schicht, Sitzfläche im Gittermuster. Zum „feierlichen Einsitzen“ haben Marianne Conradt, Bürgermeisterin des Stadtbezirks Aachen-Mitte, Marlene Willems, Geschäftsführerin der Bezirksvertretung Aachen-Mitte, und Birgitt Lahaye-Reiß vom Aachener Förderverein Integration durch Sport Platz genommen.

Die drei Damen sind glücklich. Sie haben sich erfolgreich um und für Driescher Hof „gekümmert“. Frau Lahaye-Reiß ist die 2. Vorsitzende des Fördervereins. Sie koordiniert die Projekte. Eins nennt sich im Kürzel „Glas“ und meint: Gesunder Lebensstil Aktiv Selbstbestimmt. Seit 2015 bietet es Gesundheitsprojekte für ältere Mitbürger in Driescher Hof und auch in Forst an. „Wir wollen das Wohlbefinden älterer Menschen im Quartier Driescher Hof verbessern. Wir beraten und unterstützen und bieten aktive und gesunde Lebensführung an, Bewegungs- und Entspannungsübungen, um die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben zu erhöhen“, erläutert Birgitt Lahaye-Reiß das Ziel. „Sport und Bewegung ist das Mittel zur Integration.“

Der Verein sieht sich als „Partner im Stadtteil Driescher Hof“. Er ist Mitglied in der Stadtteilkonferenz. Zum Projekt Glas gehörte jüngst auch eine Umfrage. „Bänke fehlen, Bänke!“ haben die Älteren in Driescher Hof geantwortet. Gerne wollten sie mal raus, doch im Viertel fehlten Sitzplätze zum Verschnaufen.

Großzügig Geld rausgerückt

„Bänke sind ein Instrument zur Teilhabe am öffentlichen Leben, das ist wichtig im Alter, um keine Isolation zu erleben“, sagt Birgitt Lahaye-Reiß. Der Verein beantragte also bei der Stadt Sitzbänke für Driescher Hof, der Antrag landete in der Bezirksvertretung Aachen-Mitte, Bürgermeisterin Marianne Conradt klemmte sich dahinter, die Bezirksvertreter zogen mit und rückten „großzügig“ (Conradt) die Euro raus, keine drei Monate ist das her – und die Bänke stehen.

Bezirksbürgermeisterin Conradt freut sich: „Wir in der Bezirksvertretung haben den Antrag gerne unterstützt. Ein Beispiel dafür, dass Anträge der Bürger nicht versanden, sondern dass etwas geschieht und zwar schnellstmöglich.“ Auch Bezirksgeschäftsführerin Marlene Willems hat sich gekümmert. Die Sitzbank-Modelle in Driescher Hof können quasi als Prototypen bestaunt werden: Die neue Generation wird stadtweit erst ausgeliefert, wenn ein „Spielplatzgesamtkonzept“ inklusive „Neugestaltung Sitzbänke“ nach bürokratisch-politischem Gang verabschiedet ist. So lange sollte Driescher Hof nicht warten.

Apropos: Die dritte Bank ist vor der OGS Driescher Hof platziert. „Die steht doch wunderbar hier“, sagt Birgitt Lahaye-Reiß, „da können Eltern schon mal sitzen, wenn sie ihre Kinder von der Schule abholen.“ Und außerdem: „Wir freuen uns auch, wenn die Bänke von der jüngeren Generation genutzt werden.“

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