Auftakt des Greta-Theaters 2018

Junge Menschen entdecken das Theater : Zwei Mädchen, zwei Lebenswelten und eine Nacht, die alles verändert

Miriam und Hannah sind zwei Mädchen, beide sind 15 Jahre alt und beide spielen gerne Theater. Hannah hat immer top gestylte Haare, trägt teure Jeans oft nur ein oder zwei Mal und bestellt sich mit ihren perfekt manikürten Fingernägeln Essen in die Villa ihrer Eltern. Und Miriam? Die ist froh, wenn ihre alleinerziehende Mutter den Geschwistern und ihr am Ende des Monats überhaupt noch etwas Essbares auf den Tisch stellt.

Zwei Mädchen aus zwei komplett verschiedenen Lebenswirklichkeiten. Greta – Das junge Grenzlandtheater e.V. zeigt aktuell das Stück „Die Nacht, in der alles“ von Marisa Wendt.

Unter der Regie von Fabian Goedecke spielen Vanessa Stoll und Julia Graf die beiden Teenager. Premiere feierte das Stück im Rhein-Maas-Gymnasium, wo die Schüler und Schülerinnen der neunten und 11. Klasse vorab mit Theaterpädagogin Anja Geurtz einige Szenen bearbeiteten und sich mit einer ganz besonderen Thematik auseinandersetzten. „Das Jugendstück widmet sich der Frage, inwieweit die soziale Herkunft entscheidend für eine Freundschaft ist. Zwei Menschen aus völlig unterschiedlichen sozialen Schichten treffen aufeinander und das mit all ihren Vorurteilen und Klischees dem jeweils anderen gegenüber“, so Geurtz.

Hannah und Miriam, die sich in der Theater-AG des örtlichen Jugendzentrums kennenlernen, kämpfen beide um die Hauptrolle. Sie finden sich unsympathisch, aber ihre Wege kreuzen sich mehr als einmal. Stück für Stück erfahren sie mehr voneinander. So hat Hannah zwar keinerlei finanzielle Sorgen, aber elterliche Liebe erfährt sie, wenn überhaupt nur dann, wenn ihre Noten stimmen und sie genau das tut, was ihre Eltern wollen. Während ihr Vater für seinen Job lebt und ihre Mutter Selbstfindungsseminare in Japan besucht, wartet niemand im großen Haus auf sie. Miriams Mutter ist es mit ihren vier Kindern kaum möglich, arbeiten zu gehen, die finanzielle Situation sorgt für gereizte Stimmung daheim.

Da könnte man meinen, dass sowohl Hannah, als auch Miriam die Probleme mit ihren Freunden besprechen. Doch weit gefehlt. Beide haben Bekannte, aber keine Freunde. Bis zu dieser einen Nacht, in der sich alles ändert und nach der plötzlich alles anders ist. Autorin Marisa Wendt, die ihre Werk 2017 veröffentlichte, lässt sich bei der Annäherung der Mädchen Zeit. Im Mittelpunkt stehen erstmal die individuellen Lebensumstände, bevor ein einschneidendes Erlebnis Hannah und Miriam einander näherbringt. Und plötzlich werden die Zuschauer Zeuge, wie Freundschaften entstehen, in denen mehr Gemeinsamkeiten stecken, als man auf den ersten Blick vielleicht vermuten würde. „Für viele Kinder und Jugendliche ist es ganz normal, dass sie Freunde aus ihrer sozialen Schicht haben. Da gibt es höchstens noch beim Fußballverein oder bei anderen Hobbys Überschneidungen. Deshalb war und ist es uns wichtig, dass sich die Schüler mit den eigenen Vorurteilen und Lebensumständen auseinandersetzen und reflektieren“, ergänzte Geurtz.

Weitere Informationen für Schulen sowie zum Stück unter: http://greta.grenzlandtheater.de.

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