Aachen: Aufrütteln für den Klimaschutz

Aachen: Aufrütteln für den Klimaschutz

Vier Tage lang haben Aachener Studenten den Haarenern vor Augen geführt, was sie unter dem Titel „Klima findet Stadt” verstehen: Inmitten einer grünen Wiese schlängelt sich ein Bächlein über den Markt, im Hintergrund fährt die Stadtbahn, kein Fußgänger wird von Autos verscheucht.

Auf einem Bauschild kündigten sie den Umbau der Haarener Mitte zu einer idyllischen Grünfläche an.

Wie weit das von der Realität entfernt ist, machten die am RWTH-Lehrstuhl für Planungstheorie und Stadtentwicklung tätigen Studierenden mit eigenen Worten deutlich: „Schockieren und aufrütteln” wollten sie die Menschen, für die der tägliche Verkehr samt seiner lästigen Begleiterscheinungen Lärm und Abgase zur Normalität gehört.

Haaren ist heute einer der am stärksten verkehrsbelasteten Stadtteile in Aachen. Eingerahmt von Autobahnen und Industriegebieten ist er einer hohen Emmissionsbelastung ausgesetzt. Wegen der starken Versiegelung gilt er als überflutungsgefährdet durch Wurm und Haarbach. Vor heißen Sommertagen gibt es im asphaltierten Zentrum kaum Schatten oder kühlendes Grün.

Im Zuge des Klimawandels müsse darauf auch baulich reagiert werden, sind die angehenden Stadtplaner und Architekten Kyushik Cheong, Maris Dahmen, Eva Heider, Benjamin Peipert, Mehmet Bayrak, Leonhard Weiche und Zubair Roia Zabuly überzeugt. Und so verblüfften sie die Haarener mit dem Rückbau der Alt-Haarener-Straße und der Offenlegung des Haarbachs. Es müssten Maßnahmen ergriffen werden, die unser Leben deutlich verändern würden, sind sie überzeugt.

Große Resonanz

„Wir wollten die Leute für das Thema Klimaschutz sensibilisieren”, sagt Benjamin Peipert, der sich mit seinen Mitstreitern nun über eine große Resonanz freuen kann. Bereits am ersten Tag der Aktion sei man mit rund 50 Passanten ins Gespräch gekommen. „Erfreulich viele haben sehr positiv reagiert”, sagt Eva Heider. Von einem „traumhaften Entwurf” hätten einige geschwärmt, andere hätten sich allerdings auch entgeistert geäußert: „Geht ja gar nicht.”

Per Fragebogen haben sie bis zum gestrigen Montag die ganze Bandbreite der Meinungen festgehalten. Die Auswertung soll einfließen in ihre Projektarbeit „Klimalabor Aachen”.

Dass sie ausgerechnet Haaren für ihre Arbeit ausgewählt haben, hat nicht nur mit der besonderen Problemlage des Orts zu tun, sondern auch mit einer Zukunftsvision, die die Stadt mit ihrem Masterplan Aachen 2030 erarbeitet. Der Stadtbezirk soll demnach „klimafit” umgestaltet werden.

Langfristig, so der Grundgedanke, müssten mehr Grün- und Freiflächen geschaffen werden, Gebäude energetisch saniert werden und der Verkehr energieeffizienter organisiert werden. Nachhaltige Stadtentwicklung nennt man das heute.

„Wir haben hier eine Vorlage geliefert und hoffen, dass sich die Menschen damit weiter beschäftigen”, sagt Peipert. Ihr Projekt wollen sie unter anderem auch den Haarener Bezirksvertretern in der nächsten Sitrzung am Dienstag, 14. März, erläutern (ab 17 Uhr im Bürgerzentrum Germanusstraße 34). Die studentische Aktion auf dem Haarener Markt ging am Montag zu Ende.