Aachen: „Auf Schusters Rappen“ Geschichten erzählen

Aachen : „Auf Schusters Rappen“ Geschichten erzählen

Über Jahrtausende hinweg waren Erzähler diejenigen, die neue Geschichten, Sagen, Legenden und sogar Nachrichten und Berichte von Dorf zu Dorf trugen. Einen Erzähler im Dorf zu haben, das war der Höhepunkt des gesamten Jahres. Früher konnte in vielen Fällen ein Erzähler bis zu sieben Tage in einem Dorf bleiben, wurde dort verköstigt und bekam einen Schlafplatz.

Ganz so ist es heute nicht mehr. Doch auch heute noch ist es ein ganz besonderes Erlebnis, einem guten Erzähler zuzuhören, der seine Geschichten nicht nur vorliest, sondern aus dem Kopf immer wieder neu improvisiert, sie mit Gestik, Mimik und gekonnter Sprache zum Leben bringt.

Regina Sommer, selbst professionelle Erzählerin, hat den Verein Haus der Märchen und Geschichten vor 21 Jahren gegründet. Seit fünf Jahren erzählen sie und andere Erzähler aus ganz Deutschland auf dem Lousberg an den Säulen Geschichten, Mythen und Sagen. In diesem Jahr möchten sie buchstäblich neue Wege gehen, in dem sie auf alten Pfaden wandeln.

„Auf Schusters Rappen“ lautet das Motto der ersten Erzählwanderung, die Regina Sommer gemeinsam mit vier weiteren Erzählern plant. Das Wandern wird dabei von den Erzählern — Micaela Sauber, Martin Rausch, Christine Lander, Kathleen Rappolt — übernommen, denn im Zeichen der alten Tradition wandern die Fünf von Ort zu Ort.

Erste Station ist der Lousberg in Aachen. „Von Heldinnen und Helden“, lautet der Titel der ersten Veranstaltung, am Dienstag, 18. Juli. Am nächsten Tag wandern die Erzähler dann auf das Gut Obermühle in Horbach, wo es ebenfalls Erzählungen für Kinder und Erwachsene gibt. Die letzten beiden Termine am Donnerstag und Freitag, 20. und 21. Juli, richten sich nur an Erwachsene.

Doch was genau wird erzählt? „Ganz viel bestimmt das Publikum“, sagt Regina Sommer. Ein guter Erzähler stimmt sich auf sein Publikum ein, Kinder hören andere Geschichten als Erwachsene. Wenn der größte Teil des Publikums aus vierjährigen Kindern besteht, dann geht es schon mal eher um Tiere als um Mythen, die sich um Karl den Großen ranken. Dafür wollen Erwachsene dann vielleicht lieber einen antik-griechischen Mythos hören.

Die Erzähler, die aus Hamburg, Berlin, Süddeutschland und natürlich Aachen stammen, haben alle eine eigene Art zu erzählen. Der eine ist eher ruhiger, während andere viel mit Gestik und Mimik arbeiten — und natürlich klingt der Hamburger Dialekt anders als das Öcher Platt.

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