Aachen: Auf ein Gläschen beim Bundespräsidenten in Berlin

Aachen : Auf ein Gläschen beim Bundespräsidenten in Berlin

„Hier für andere Frauen aktiv zu sein, das ist für mich wie ein Geschenk“, erzählt Uta Heß. Seit sieben Jahren leitet sie das „Frauen treffen Frauen“, einen Treff montags um 16 Uhr im Begegnungszentrum Nord der Arbeiterwohlfahrt (AWO) Kreisverband Aachen-Stadt.

Die pensionierte Lehrerin, Jahrgang 1941, hat 20 Jahre lang an der Montessori-Hauptschule unterrichtet. Mit dem Ruhestand wollte wie aber noch lange nicht untätig werden. Eine neue Aufgabe musste her. AWO-Mitarbeiterin Marianne Kuckelkorn, eine ehemalige Schülerin, sprach sie an, erzählte ihr von den Aktivitäten im Begegnungszentrum. Die Idee zum Stammtisch für Frauen war schnell geboren.

„Aktiv sein hält jung, dazu tragen auch meine drei Enkel bei. Mit den Teilnehmerinnen habe ich übrigens etwas gemeinsam, denn auch ich bin eine Zugewanderte“, erzählt Uta Heß augenzwinkernd, denn sie kommt ursprünglich aus Worms. „Wir freuen uns sehr über dieses seit sieben Jahren währende, tolle ehrenamtliche Engagement“, betont Karl Schultheis, Vorsitzender des AWO-Kreisverbands Aachen-Stadt.

Um diese in Reinkultur gelebten AWO-Werte zu würdigen, hat Marianne Kuckelkorn die beeindruckende Tätigkeitsbeschreibung von Uta Heß als Beispiel für außerordentliches Engagement im Ehrenamt beim AWO Bundesverband in Berlin eingereicht. Dann wurden zehn Projekte aus ganz Deutschland ausgewählt. „Es waren spannende Wochen, bis endlich Post kam — eine Einladungskarte für Frau Heß zum Bürgerfest beim Bundespräsidenten am 7. September in Berlin“, freut sich Kuckelkorn für die Ehrenamtlerin.

Die deutsche Sprache steht im Mittelpunkt der montäglichen Treffen, es werden Wortschatz und Grammatik geübt. Teilnehmerin Shelaa aus dem Irak weiß, wie wichtig das ist: „Sprache ist der Schlüssel zur Integration.“ Sie lebt schon lange in Deutschland, beherrscht die Sprache ihrer neuen Heimat und nimmt gerne am gesellschaftlichen Leben teil. Und das trotz Handicap, denn sie sitzt im Rollstuhl. „Als es einmal Schwierigkeiten mit meiner An- und Abfahrt mit dem Bus gab, hat Uta Heß mir sofort geholfen“, erzählt Shelaa.

Regelmäßiger Austausch

Die meisten Teilnehmerinnen kommen aktuell aus dem Irak, die anderen aus Syrien und Ägypten. Der regelmäßige Austausch bringt alle voran. Uta Heß nutzt ihr Wissen über Geschichte und Religionen um die Frauen aufzuklären und zu stärken. „Im Laufe der Zeit entwickelten sich Vertrauen und Neugier. Und auch ich habe viel gelernt, zum Beispiel über den Islam“, erzählt Heß. Gemeinsame Theater- und Museumsbesuche sind ein wichtiger Bestandteil des Projekts, das nach sieben Jahren fest etabliert ist. „Integration funktioniert nur, wenn man Kultur aufsucht“, betont Kuckelkorn.

Im Sommer besuchte die Gruppe mit den Familien und weiteren Ehrenamtlern den nordrhein-westfälischen Landtag. Das Interesse war enorm und für die Migrantinnen gab es nun auch ein reales Bild von Demokratie, denn man hatte Gelegenheit, eine Plenarsitzung mit Abstimmung zu erleben. „Seitdem gibt es Nachfragen, eine ähnliche Gruppe für Männer zu installieren. Hierfür benötigen wir jedoch auch wieder engagierte Menschen die sich ehrenamtlich engagieren möchten“, betont Kuckelkorn.

Für Uta Heß geht es nun erstmal nach Berlin zu Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier. Und die Frauen in Aachen werden die Berichterstattung im Fernsehen genau verfolgen, vielleicht ist ihre Stammtischleiterin ja zu sehen.

Mehr von Aachener Nachrichten