Aachen: Auf der anderen Seite ist es nur imaginär besser

Aachen : Auf der anderen Seite ist es nur imaginär besser

Die Kunst von Dorthe Goeden ist ein Zusammenspiel unterschiedlicher Materialien, Perspektiven, Symmetrien und Schattenbildern. Je mehr sich der Betrachter auf ihre Kunstwerke aus Papierschnitten und ihre Zeichnungen unterschiedlicher Größe einlässt, desto mehr kann er darin entdecken: über sich selbst, über seine Erinnerungen und die Kunst selbst.

Dorthe Goeden, geboren 1975 in Adenau in Rheinland-Pfalz, studierte ab 1998 an der Fachhochschule Aachen im Fachbereich Design. Für ihre Ausstellung „grass is always greener over there“, die am Freitag im Ausstellungsraum „Raum für Kunst“ der Sparkasse Aachen in der Elisengalerie eröffnet wurde, ist sie aus Münster wieder nach Aachen gekommen.

Nicht so einfach zu erreichen

In vielen ihrer Werke finden sich Symmetrieachsen. In Verbindung mit der Vorstellung des „Besseren“ auf der anderen Seite des Zauns zeigt sich in ihrer Kunst: besser ist es nicht. Es ist sogar in vielen Bereichen dasselbe Gras, man imaginiert lediglich, dass es besser sei, schlicht weil nicht so einfach zu erreichen ist.

Goeden greift die Ideen für ihre Werke aus ihren eigenen Eindrücken und ihrer Umgebung. Möglicherweise wird der ein oder andere in den Werken tatsächlich eine ihm bekannte Landschaft erkennen, wie es bei Helga Scholl, der Leiterin des Raums für Kunst, der Fall gewesen ist. Doch wie so oft liegt auch bei Goeden die Bedeutung des Werkes im Auge des Betrachters. Goedens Bilder entstehen aus vielen Einzelteilen, die sich in einem längeren Schaffensprozess zu einem Entwurf zusammenfügen. Dieser wiederum wird vergrößert und dann aus Papier ausgeschnitten. Eine Arbeit, die viel Konzentration erfordert.

Besonders die handwerkliche Arbeit hat es ihr angetan. Die Idee der Papierschnitte war zufallsbedingt: Bei einer Ausstellung erfuhr sie kurz vorher, dass es nicht erlaubt war, die Wände zu bemalen. Kurzerhand griff sie zu schwarzem Papier und Schneidemesser. Die Ebenen, die ihr schon auf der Leinwand zugesagt hatten, ließen sich viel besser darstellen, der Schattenwurf sorgte für eine neue Perspektive und auch der Gedanke, dass durch das, was weggenommen wird, das Kunstwerk entsteht, sorgten dafür, dass sie vor mehr als zehn Jahren entschied, sich auf diese Kunstform zu fokussieren.

Es ist eine Kunst, die dazu anregt, sich in seine eigenen Erinnerungsräume zu geben, die Werke mit eigenen Erinnerungen zu verbinden und selbst das Gefühl zu entwickeln, dass das Gras an einem anderen Ort doch mal grüner gewesen wäre — auch wenn das eigentlich nur durch unsere eigenen Erinnerungen passiert.

(eon)
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