Aachen: Auf den Spuren der Aachener Vogelwelt

Aachen: Auf den Spuren der Aachener Vogelwelt

Pünktlich um neun Uhr morgens steht Herbert Fleu auf dem Dreiländerweg in Vaalserquartier. Vor ihm erstreckt sich ein Stück Natur, ein kleiner Wald am Rande Aachens. Fleu schaut sich um. Der Morgennebel erschwert dem pensionierten Kriminalbeamten die Sicht, doch das hält ihn nicht davon ab sich weiter umzusehen. „Früher war hier die Zollstelle“, erzählt er und zeigt auf eine Garage. „Da war das Lager. Es hat sich angeboten, hier, direkt an der niederländischen Grenze.“

Um seinen Hals hängt ein Fernglas, er ist ein Mann von großer Statur. Er trägt eine blaue Jacke und eine blaue Mütze. Um seine Schultern hat er eine blaue Tasche gehängt. Und überall steht das gleiche drauf: Nabu. Fleu ist stellvertretender Vorsitzender und Geschäftsführer vom Naturschutzbund Aachen.

Von Nabu und Fotograf Andreas Herrmann erfasst: eine Kohlmeise.

Wenige Minuten später steht um ihn herum ein Grüppchen von Naturfreunden. Denn heute leitet Fleu eine Exkursion zur Stunde der Wintervögel. Die Aktion findet nun zum fünften Mal statt. Jedes Jahr werden Bürger dazu aufgerufen, eine Stunde lang in den eignen Garten oder Balkon zu schauen und die Vögel zu zählen. Die Anzahl und die Art der Vögel wird dem Nabu gemeldet, der dann ermitteln kann, welche Vogelarten im Laufe der Jahre häufiger geworden sind und welche seltener. Dabei geht es in der Winterzeit vorwiegend um die sogenannten Standvögel, die das ganze Jahr in Deutschland leben. Doch auch Gastvögel, die aus Nord- und Osteuropa hier überwintern, sollen so erfasst werden.

Kurz nach neun geht es dann los: Die Gruppe naturverbundener Vogelfreunde — angeleitet von Herbert Fleu — wandert zweieinhalb Kilometer durch das anliegende Waldgebiet. Helga Bollé ist ganz vorne mit dabei: „Ich wollte heute dem Spezialisten Fragen stellen, auf die man in Büchern keine Antworten findet. Zum Beispiel, welche Vögel speziell in der Region Aachen heimisch sind.“. Und natürlich weiß Fleu die Antwort: „Das ist der Mösch, also der Spatz beziehungsweise Haussperling.“

Fleu selbst bevorzugt dagegen einen etwas selteneren Vogel: den Eisvogel. Den bekommt der Experte allerdings nicht oft zu Gesicht. Da hat Simone Burmann, die mit ihrem Mann an der Exkursion teilnimmt, einen populäreren Vogel zu ihrem Lieblingsvogel erkoren: „Das Rotkehlchen“, sagt sie bestimmt. Und fügt erfreut hinzu: „Meine kleine Tochter Marie hat einen Stuhl am Fenster stehen und da sitzt sie immer und beobachtet die Vögel. Sie kennt schon zehn Vogelarten — dabei ist sie erst drei Jahre alt!“

Was für eine Dreijährige eine Glanzleistung ist, ist für Fleu ein Kinderspiel. Er kann 120 Vogelgesänge unterscheiden — ob es nun Kontakt-, Partner- oder Reviergesänge sind. Während der zweistündigen Exkursion erzählt Fleu, was man über Vögel wissen muss. Zum Beispiel, dass man Elstern nur im Garten vorfindet, wenn man einen Komposthaufen hat; dass Saatkrähen unter Naturschutz stehen, während Rabenkrähen nicht geschützt sind; dass Spechte sich bevorzugt von Ameisen ernähren; und die Anzahl der Amseln seit dem Aufkommen des Usutu-Virus in Südwestdeutschland um 40 Prozent zurückgegangen ist.

Fleu hat übrigens schon am Freitag eine Stunde lang Vögel gezählt. Am Vogelfutterhäuschen in seinem Garten zählte er nur eine einzige Amsel. Dafür aber unter anderem 22 Feldsperlinge, sechs Blaumeisen, acht Kohlmeisen, vier Buchfinken, ein Rotkehlchen und sogar einen Turmfalken.

Um die Beteiligung an der Vogelzählung bittet der Nabu Aachen noch bis zum 14. Januar. Und damit auch Laien fleißig mitzählen können, gibt es beim digitalen Nabu (siehe unten) einen Online-Vogel-Führer, wo man alle 225 heimische Vogelarten selbst identifizieren kann.

Unter allen Teilnehmern werden Preise verlost, wie zum Beispiel eine naturkundliche Reise. „Je größer die Teilnehmerzahl ist, desto wertvoller und hilfreicher werden die Ergebnisse“, erklärt der Vogelexperte.

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