Aachen: Auch Märchen und Sagen enthalten Politisches

Aachen: Auch Märchen und Sagen enthalten Politisches

„Kann man Politisches mit Geschichten beantworten?” Die neun NRW-Erzähler um Regina Sommer schaffen das: Sie berichteten unter dem Titel „Blickwinkel” von Sagen, Märchen, Mythen und Legenden, die auf die eine oder andere Weise Europa oder den Gedanken der Freiheit berühren.

Veranstaltet wurde die kostenlose Erzählstunde vom Haus der Märchen und Geschichten e. V. und dem Internationalen Zeitungsmuseum Aachen.

Im Haus Löwenstein stellten sich die Erzähler ohne Bühnenbild und Requisiten vor das zahlreich erschienene Publikum, um nur mit Stimme und Gestik den Saal in ihren Bann zu ziehen - manchmal herzlich und witzig, manchmal zynisch und mahnend. „Der Krieg ist doch der Stoff, aus dem die richtig guten Geschichten sind”, beginnt Ute Rabe aus Paderborn ihre Erzählung vom Altern des Kriegs, den Staatsmänner und Industrielle mit aller Kraft am Leben halten wollen.

Harry Rischar aus Kornelimünster berichtet wortgewaltig von dem bekannten Märchen der Bremer Stadtmusikanten, um es in eine Fabel zum Thema Europa umzudichten: „Wenn man verschiedene Sprachen spricht und unterschiedliche Eigenschaften hat - wie die Länder in Europa - dann kann man was bewirken.”

Aus Kaschubien bei Danzig stammt die Geschichte von einem Schmied, den weder Gott noch Teufel so recht haben wollen. „Es ist schwer, in den Himmel zu kommen. Es ist aber auch nicht leicht, in die Hölle zu gelangen.” Weil der Schmied den Dämonen der Unterwelt so sehr auf die Nerven geht, schafft er es dann doch noch durch die göttliche Pforte - der Teufel drohte dem himmlischen Wärter einfach mit einem anhaltenden Sitzstreik.

Mit leeren Händen

Regina Sommer aus Aachen erzählte von einem Monarchen, der einen Eremiten fragt: „Was bedeutet es, König zu sein?” Der Einsiedler schickt den Herrscher gleich wieder nach Hause - bevor er die Antwort auf diese Frage erhält, solle er dem Eremiten etwas bringen, das weniger ist als er selbst. „Er schaute, er lauschte, er beobachtete” - aber nach einem Jahr muss der König mit leeren Händen zurückkehren. Und hatte seine Antwort.