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Situation der Obdachlosen: Auch in der Krise muss niemand auf die Straße

Situation der Obdachlosen : Auch in der Krise muss niemand auf die Straße

„Die Grundversorgung für Menschen auf Aachens Straßen ist weiterhin gesichert“, erklärt Caritas-Sprecher Wolfgang Offermann. „Das verdanken wir dem eingespielten und seit Jahren sehr gut kooperierenden Netzwerk von Facheinrichtungen in der Aachener Wohnungslosenhilfe, die in der AG Niedrigschwelligkeit organisiert sind.“

Schon von Beginn der Corona-Krise an hätten alle Beteiligten Lösungen entwickelt, die die existentiellen Hilfen für Wohnungslose weiter sicherstellten und gleichzeitig Maßnahmen zur Unterbrechung von Infektionsketten zum Schutz der Menschen beachteten.

Weiterhin sind die Einrichtungen wie zum Beispiel das Café Plattform der Caritas, die Wärmestube von Wabe oder das Troddwar der Suchthilfe Aachen und auch andere Dienste bewährte Ansprechpartner für die obdachlosen Menschen.

Die Franziska-Schervier-Stube, die bis zuletzt die Frühstücksausgabe für ca. 130 Personen organisierte, musste jetzt kurzfristig wegen einer Quarantäneanordnung schließen. Hier sprang spontan das Café Plattform ein, das für die Schießungszeit die Versorgung übernimmt.

„Natürlich haben wir alle geselligen und kommunikativen Angebote eingeschränkt – wie Gruppenaktivitäten oder Freizeitmaßnahmen“, schildert Doris Hilbers, stellvertretende Leiterin des Café Plattform. „Auch haben wir die Besucher der Wärmestube, die alternative Möglichkeiten des Aufenthaltes zum Beispiel in den städtischen Notunterkünften haben, gebeten, zuhause zu bleiben.“

Versorgung gesichert

Trotzdem ist die Versorgung mit Essen und Trinken gesichert. Die Klientel erhält nach wie vor ihre Post, können duschen oder ihre Wäsche waschen. Beratungsgespräche werden in Teilen telefonisch geführt.

Eine besondere Herausforderung war die Weiterführung der dem Café Plattform angeschlossenen Notübernachtung. Hier schlafen die Nutzer normalerweise in engen Schlafräumen zusammen. „Hier sind wir sehr dankbar über die großartige und schnelle Unterstützung des Sozialamtes der Stadt Aachen“, lobt Peter Krosch, Leiter des Referates Eingliederung der Aachener Caritas.

„Zeitnah wurde uns eine Turnhalle in der Königsstraße zur Verfügung gestellt, in zwei Tagen mit Laminatboden und 40 Betten ausgestattet. Diese stehen jetzt in großzügigem Abstand voneinander, um Infektionen zu vermeiden. Für die zehn Frauen-Betten wurde ein spezieller Sichtschutz eingerichtet. Die Zusammenarbeit zwischen unserem Nachtdienst und dem Sicherheitsdienst der Stadt Aachen funktioniert ebenfalls einwandfrei.“

Bindungen erhalten

Abends um 22 Uhr werden die Übernachter vom vertrauten Personal des Café Plattform begrüßt. Das ist für Krosch besonders wichtig, da die Besucher auch oft Bindungsstörungen aufweisen. „Wenn ihnen die vertraute Umgebung genommen wird, wollten wir unbedingt, dass sie von ihnen vertrauten Betreuern empfangen werden. Dieser Umzug hat wunderbar funktioniert, es gab keine Störungen, die Übernachter sind sehr dankbar.“

Die für Bürger wichtige telefonische Erreichbarkeit der Hilfeanbieter des Netzwerkes unter der zentralen Telefonnummer 0241/21619 ist weiter rund um die Uhr sichergestellt.