Auch in Aachen sorgen sich die Förster um den Wald

Zu warm, zu trocken : Der Öcher Bösch lechzt weiter nach Wasser

Noch haben die Förster Hoffnung, dass der Hitzesommer 2018 eine Ausnahme war, doch auch das Jahr 2019 ist bisher zu warm und zu trocken. Vielen Bäumen macht das schwer zu schaffen. Auch der Aachener Wald leidet.

Vor ein paar Tagen sahen die Fichten noch grün und saftig aus, jetzt ragen nur noch traurig-dürre Stämme in die Höhe. Drei Tage hat der Buchdrucker benötigt, bis alle Nadeln braun waren, sagt Revierleiter Herbert Koch, der die absterbenden Bäume unweit der Zyklopensteine am Grenzübergang Köpfchen gesichtet hat. Wieder ein Bestand, in dem nun schnell die Säge angesetzt werden muss, um die weitere Ausbreitung des gefürchteten Borkenkäfers zu verhindern.

Es ist nun schon der zweite viel zu trockene Sommer in Folge, der den Förstern im Aachener Wald viel Arbeit und noch mehr Sorgen bereitet. Immer wieder müssen sie ausrücken, um die Bäume mit einer signalroten Farbe zu markieren und damit zum Fällen freizugeben. Ein besseres Mittel haben sie nicht, um die Borkenkäfer zu bekämpfen, die in trockenen, heißen Jahren besonders aktiv und fruchtbar sind. Für sie herrschen gegenwärtig geradezu paradiesische Zustände. Noch sind es nur Fichten, die deswegen im großen Stil dahin gerafft werden und schnell aus dem Wald geholt werden müssen. Doch längst geht in Deutschland die Sorge um, dass im Zuge des Klimawandels schon bald auch andere Baumarten dran glauben müssen.

Trockene Sommer hat es auch früher schon gegeben, sagt der gebürtige Franke Koch, der nun schon seit 32 Jahren im Öcher Bösch arbeitet. Daher weiß er auch, dass Aachen lange Zeit als Regenloch verschrien war. „Das stimmt aber nicht mehr“, sagt er. Im letzten Jahrzehnt habe sich das deutlich geändert. Dafür treiben die Bäume immer früher aus und werfen ihr Laub später ab. „Ich denke, da wird der Klimawandel sichtbar“, sagt Koch.

Weniger Regen und steigende Temperaturen machen vor allem den flachwurzelnden Fichten zu schaffen, die einen hohen Wasserbedarf haben. Ihnen fehlte schon im vergangenen Jahr vielfach die Kraft, sich gegen Borkenkäfer zu wehren, unter denen die Buchdrucker und Kupferstecher zu den bekanntesten Arten zählen. Wenn sie in den Baum eindringen und ihre Gänge bauen, unterbinden sie die Nährstoffzufuhr und lassen die Fichten absterben.

Dass im Aachener Wald schon seit gut 30 Jahren keine neuen Fichten mehr gepflanzt werden, erweist sich jetzt als Glücksfall. Seit langem setzt man hier auf eine naturnahe und nachhaltige Bewirtschaftung und hat viele Mischbestände geschaffen. Das Verhältnis von Nadel- und Laubbäumen liege derzeit bei 50 zu 50, schätzt Koch. Die Schäden durch die beiden Trockensommer seien daher hier bei weitem noch nicht so gravierend wie in vielen anderen Landesteilen mit ihren immer noch weitverbreiteten Monokulturen.

Die Buche etwa sei im Aachener Raum der dominante Baum. Leiden muss inzwischen allerdings auch sie. „Wenn es wärmer wird, wird die Eiche begünstigt“, meint Koch. Er kann allerdings nur hoffen, dass dem Wald noch die Zeit gegeben wird, sich an neue Begebenheiten anzupassen. Viele Förster haben inzwischen die Befürchtung, vom Klimawandel überholt zu werden. Auch Koch sorgt sich, dass sich viele Baumarten gar nicht schnell genug auf die Klimaerwärmung einstellen können. Forstleute denken in anderen Produktionszeiträumen: Wenn sie Bäume pflanzen, tun sie es für die nächsten Generationen und müssen sich vorstellen, wie der Wald in 100 Jahren aussieht.

Noch hofft er, dass 2018 „ein total außergewöhnliches Jahr“ war. Der Schaden, den der Trockensommer angerichtet hat, sei immens. Gut 10.000 Festmeter Fichte seien vom Borkenkäfer befallen worden. Das entspricht fast der gesamten Jahresmenge Holz, die in Aachen üblicherweise geschlagen wird, und im vergangenen Jahr zusätzlich aus dem Wald geholt werden musste. Auch in diesem Jahr sind bereits 4000 Festmeter zusätzlich geschlagen worden.

Das ganze Ausmaß der Schäden ist längst nicht absehbar und viel schlimmer als etwa nach den schweren Stürmen der vergangenen Jahre. Koch hat viele Orkane miterlebt von Kyrill bis Eberhard, die allesamt auch schwere Schäden im Aachener Wald angerichtet haben. „Aber mit den Aufräumarbeiten war man danach irgendwann fertig.“ Der Borkenkäfer hingegen macht immer weiter, Verschnaufpausen lässt er nicht mehr zu.

Dramatisch ist inzwischen auch der Preisverfall. Konnten Waldbesitzer im vergangenen Jahr noch rund 100 Euro mit einem Festmeter Fichte erzielen, sind es laut Koch aktuell nur noch zehn Euro. Der einstige Brot- und Butterbaum der Forstwirtschaft ist damit zu einem echten Problembaum geworden. Denn die mangelhaften Erträge erschweren auch den Waldumbau.

„Was wir brauchen, ist Regen“, sagt Koch bei seinem Gang durch den Öcher Bösch. Als wäre er erhört worden, grummelt es plötzlich in der Ferne und bald darauf fallen schwere Tropfen auf den trockenen Waldboden. An so einem Tag kommt wieder Hoffnung auf.

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