Aachen: Auch die Villa Luna möchte gerne unter das Kibiz-Dach

Aachen : Auch die Villa Luna möchte gerne unter das Kibiz-Dach

Die Villa Luna macht im Sommer einen Neustart. Die private, bilinguale Kindertagesstätte zieht dann aus ihrem Haus an der Vaalser Straße an die Weißhausstraße. In den neuen Räumen auf dem Gelände des ehemaligen Philips-Forschungszentrums — dort, wo ursprünglich eine „Zweigstelle“ der Kita geplant war — wird die Einrichtung dann von bisher fünf auf sieben Gruppen erweitert.

Eigentlich wollte der Träger auch noch in anderer Hinsicht neu durchstarten. Bei der Stadt Aachen hat die Villa Luna gGmbH eine öffentliche Förderung ihrer Betreuungsplätze nach dem NRW-Kinderbildungsgesetz (Kibiz) beantragt — und von der Verwaltung erst mal ein „Nein“ kassiert, wie Geschäftsführer Jürgen Reul auf Anfrage berichtet.

Reul bedauert die Absage. Villa-Luna-Kitas gibt es in etlichen Großstädten und in mehreren Bundesländern. „In Köln, Düsseldorf, Hannover oder Berlin sind wir bereits in der öffentlichen Förderung“, sagt Reul. „Nur in Aachen ist das anscheinend bisher nicht möglich.“

Für die Eltern, die für ihr Kind einen der 85 Plätze in der Villa Luna nutzen, würde die Betreuung durch den Einstieg ins öffentlich geförderte System deutlich günstiger. Derzeit zahlen sie laut Reul zwischen 800 und 1300 Euro im Monat. Nach der städtischen Beitragstabelle würden die einkommensabhängigen Sätze fällig.

„Gerne günstiger“

„Die Leistung, die wir bieten, hätten wir für unsere Eltern gerne günstiger gemacht“, sagt der Geschäftsführer. Immerhin seien private Kita-Betreiber mittlerweile in den Kommunen gewünscht und anerkannt. In Aachen bleibe wohl erst mal alles beim Alten: „Die Eltern tragen als Vollzahler die gesamten Kosten eines Kita-Platzes.“

Schon länger gibt es den Trend, dass privatgewerblich organisierte Kindertagesstätten den Weg unter das Kibiz-Dach suchen. Mehrere kleine Privat-Kitas in Aachen sind diesen Weg schon gegangen. Die Verwaltung stellt im Entwurf für die Kindertagesstättenbedarfsplanung 2017/18 fest, „dass immer häufiger Anbieter von privaten Betreuungsangeboten einen Wechsel in die Kibiz-Förderung anstreben“. Die Kommune kann mit Kibiz- Plätzen zwar verlässlicher planen, sie muss aber aufgrund der öffentlichen Förderung auch deutlich mehr für jeden Kita-Platz zahlen.

In ihrer Stellungnahme führt die Verwaltung zudem aus, dass ein Wechsel ins Kibiz-System nur bei ausreichendem Bedarf möglich wäre. Und den sehen die städtischen Planer derzeit nicht. Zwar liegt die Versorgungsquote bei den unter Dreijährigen im Sozialraum 5 (Burtscheid/Beverau) bei „nur“ etwa 41,5 Prozent.

Die Versorgung in anderen Vierteln ist aber noch weitaus schlechter. Zudem seien im Sozialraum 5 mehrere Ausbaumaßnahmen geplant, die die U3-Versorgung auf über 47 Prozent heben dürften. Ein Wechsel der Villa Luna in die Kibiz-Förderung wird deshalb — zumindest fürs Kita-Jahr 2017/18 — nicht befürwortet.

Den kleinen Privat-Kitas hatte der zunehmende U3-Ausbau massiv zu schaffen gemacht. Eltern wechselten ins öffentlich geförderte Segment, sobald sie einen Platz ergattern konnten. Für Firmen wiederum, die für ihre Mitarbeiter Kita-Plätze einkaufen, waren die Privat-Kitas in der Regel zu klein.

Der Stadtrat entscheidet

„Die Wettbewerbssituation hat sich verändert“, bestätigt auch Jürgen Reul. „Aber wir haben immer noch eine gleich hohe Nachfrage und wenig Probleme, die Plätze zu belegen.“ Die Villa Luna, sagt er, punkte etwa mit Öffnungszeiten, die berufstätigen Eltern sehr entgegenkommen. „Die Absage bei der Kibiz-Förderung ist für uns keine Existenzfrage“, betont Reul. „Und wir bleiben am Ball. Vielleicht klappt es ja 2018.“

Das letzte Wort über das Nein zum Antrag der Villa Luna ist übrigens noch gar nicht gesprochen. Über den Kindertagesstättenbedarfsplan entscheidet die Politik. Den Beschluss fasst am 22. Februar der Stadtrat.