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Aachen: Auch die Stadt Aachen ist rauchfreie Zone

Aachen : Auch die Stadt Aachen ist rauchfreie Zone

„Bei uns ist es einer von zehn, der noch raucht. Und der hat ein Einzelbüro.” Diese Aussage von Evelyn Wölk vom städtischen Presse- und Informationsbüro bringt die gegenwärtige Diskussion um das Thema Rauchen in Aachen auf den Punkt.

Seit Monaten ist das Thema virulent, erst Ende Februar hat die Bundesregierung entschieden, das Rauchen in allen ihr unterstellten 500 Behörden und Dienststellen sowie allen öffentlichen Verkehrsmitteln zu unterbinden. Das entsprechende Gesetz tritt noch in diesem Herbst in Kraft. Die Länder erklärten etwa Schulen, Kindertagesstätten, Theater, Kinos und Museen, Krankenhäuser und Pflegeheime zu rauchfreien Zonen. Und wie handhabt die Stadt Aachen das schwierige Thema?

In einer Allgemeinen Geschäftsanweisung, die am 1. Februar 2006 in Kraft getreten ist, wird der Nichtraucherschutz für die rund 4000 städtischen Bediensteten (und ihre Besucher und Kunden) in sämtlichen Ämtern, Fachbereichen und Eigenbetrieben geregelt. „Bei der Stadtverwaltung Aachen soll grundsätzlich nicht geraucht werden”, heißt es unter Punkt 1.

Der zweite Punkt regelt, dass Raucher und Nichtraucher grundsätzlich nicht in gemeinsamen Diensträumen unterzubringen sind. Und unter 3. stehen konkrete Räumlichkeiten, wo das Paffen verboten ist: etwa in Kantinen, Aufenthalts- und Pausenräumen, in Aufzügen, Foyers oder Wartezonen, in Räumen mit Publikumsverkehr, in Lehr- und Unterrichtsräumen sowie Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe, in Dienstfahrzeugen, Sitzungen und „sonstigen dienstlichen Zusammenkünften”, aber auch in Räumen, in denen wertvolle Karten, Urkunden oder leicht brennbare Stoffe wie Filme, Pläne oder Akten aufbewahrt werden.

Das grundsätzliche Rauchverbot gilt auch in den städtischen Schulgebäuden, allerdings können die Schulkonferenzen Ausnahmereglungen etwa für abgetrennte Räume, den Keller oder einen Pausenhof beschließen. Sollten die Vorschriften des Bundes auch auf die Kommunen runtergebrochen werden, dürften die Restriktionen noch zunehmen. Evelyn Wölk: „Das warten wir ab.”

Aktiv werden kann jedoch jetzt schon jeder städtische Beamte oder Angestellte, der von dem lästigen und teuren Laster ab will: Die Stabsstelle Gesunde Verwaltung bietet ein von den Krankenkassen gefördertes Seminar „Rauchfrei in zehn Schritten” an. Es kostet 120 bis 130 Euro, die Kassen übernehmen etwa 80 Prozent. Um den Anreiz zu erhöhen, gibt die Stabsstelle 10 Euro für die ersten 50 Teilnehmer als Zuschuss. Im letzten Jahr allerdings hielt sich der Andrang in Grenzen: Lediglich zehn Teilnehmer belegten diesen Kurs 2006.

Das Inhalieren von Tabakrauch ist aus altamerikanischen Kulturen überliefert. Rituelle Darstellungen rauchender Maya-Priester sind aus der Zeit 600 bis 500 vor Christus bekannt. Mit der zunehmenden Verbreitung medizinischer Kenntnisse über die gesundheitsschädlichen Folgen des Rauchens bekam das Rauchen zunehmend ein negatives Image.

27 Prozent der deutschen Bevölkerung greift nach Angaben der Europäischen Kommission vom letzten Jahr freilich immer noch regelmäßig zum Glimmstängel, pro Kopf werden 1392 Zigaretten gequalmt. Wobei die Zahl der Raucher bei Menschen mit geringer Bildung und niedrigem Einkommen überproportional hoch ist.