Kundgebung: Auch die Polizei spricht nun von 36.000 Demo-Teilnehmern

Kundgebung : Auch die Polizei spricht nun von 36.000 Demo-Teilnehmern

Es hat einige Zeit in Anspruch genommen, doch inzwischen haben sich die Veranstalter der großen internationalen „Fridays for Future“-Demo in Aachen und die örtliche Polizei deutlich angenähert. Nach offizieller „Zählung“ sind am vergangenen Freitag gut 36.000 überwiegend junge Menschen für den Klimaschutz durch Aachen gezogen. Diese Zahl hat Polizeipräsident Dirk Weinspach erstmals auf seiner „Bilanzpressekonferenz“ am Mittwoch genannt.

Von gut 40.000 Teilnehmern haben die Veranstalter bereits am Freitag gesprochen. Die Polizei hielt sich hingegen lange Zeit zurück und sprach lieber von „mehreren tausend“ Teilnehmern – es klang für manch einen Beobachter wie das bewusste Schmälern eines großen Erfolgs.

Beabsichtigt war das nicht, wie Dana Zimmermann, Leiterin der Öffentlichkeitsarbeit der Aachener Polizei, darlegt. Das Problem sei gewesen, dass es fünf verschiedene Demonstrationsstränge in Richtung Tivoli an der Krefelder Straße gegeben habe und es zu den jeweiligen Größen zunächst unterschiedliche Angaben gemacht wurden. „Wir wollten das erst prüfen und dann die richtigen Zahlen nennen.“

Unterdessen hat Weinspach nochmals unterstrichen, dass diese Demonstration, die die größte war, die es in Aachen bisher gegeben hat, nahezu vorbildlich verlaufen sei. „Meine Hoffnung ist, dass dieses Beispiel Schule macht und bestimmend wird für das Engagement für den Klimaschutz.“ Der Protest sei „absolut friedlich“ geblieben, die Polizei habe sich „weitestgehend auf verkehrslenkende Maßnahmen“ beschränken können.

Einzige Ausnahme: die vorübergehende Besetzung der leerstehenden Bastei an der Ecke Ludwigsallee/Krefelder Straße. Vierzehn junge Leute hatten sich dort kurzzeitig einquartiert. Sie alle sehen sich nun mit Strafanzeigen wegen Hausfriedensbruchs konfrontiert.

Nach Angaben von Dana Zimmermann kamen die Besetzer aus einem Demonstrationszug, der von der Gruppierung „System Change, not Climate Change“ angemeldet worden ist und der nicht unmittelbar der „Fridays for Future“-Bewegung zugerechnet werden kann. Beziehungen sollen auch zur Wuppertaler Autonomenszene bestehen. Ob es Schnittmengen mit der Aachener Hausbesetzerszene gibt, sei noch ungeklärt.

Im Gegensatz zur Hausbesetzung am Muffeter Weg vor einem Jahr, die mehrere Wochen lang geduldet wurde, habe man diesmal unverzüglich eingreifen müssen, sagte Zimmermann. „Der Eigentümer hat sich sehr zeitnah gemeldet und wollte die Besetzung nicht dulden.“ Auch bestehe im Haus akute Einsturzgefahr. Die Räumung durch die Polizei sei unproblematisch gewesen. Einige Besetzer seien freiwillig rausgegangen, andere habe man raustragen müssen. Verletzte gab es nicht.

(gei)
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